Es war richtig, Schulen und Kitas zu schließen, um den Gefahren durch das Eis wirkungsvoll zu begegnen. Ein Staat, der seine Bürger in Extremfällen nicht schützt, kommt seiner Aufgabe nicht nach.
SchulschließungEin Staat, der seine Bürger nicht schützt, hört auf, Staat zu sein


Warnung für Autofahrer vor Glatteisgefahr
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Ja, die große Eis- und Schneekatastrophe ist im Rheinland ausgeblieben. Und schon kommen die Kritiker auf den Plan und sprechen von Überreaktion, Unverhältnismäßigkeit und einer zu großen Belastung von berufstätigen Eltern, die ihre Kinder am Montag selbst betreuen mussten.
Was viele dabei außer Acht lassen: Glück gehabt, es hätte auch ganz anders kommen können. Ein, zwei Grad kälter, und die Lage mit Regen auf gefrorenen Fahrbahnen und dem daraus resultierenden Blitzeis hätte zur Gefahr werden können. Zur Lebensgefahr.
„Blitzeis ist eine Todesfalle und ein Knochenbrecher“
Die Menschen haben manchmal ein kurzes Gedächtnis. Am 15. Januar 2025, nicht einmal ein Jahr her, hat Blitzeis in einer Stunde am Morgen in Baden-Württemberg zu 1000 Autounfällen und zur gleichen Zeit in Bayern zu drei Todesfällen geführt. Blitzeis ist kein Spaß, sondern eine Todesfalle und ein Knochenbrecher. Insbesondere Kinder verfügen über wenig Erfahrungen im Umgang mit den winterlichen Gefahren, die ja in unseren Breiten eine Seltenheit sind.
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Wer nun sagt, in Finnland, Österreich oder der Schweiz gehen die Kinder auch im Winter bei 20 Grad minus zur Schule, der vergleicht Äpfel mit Birnen. In Skandinavien oder dem Hochgebirge herrschen ganz andere Wetterverhältnisse. Dort bleiben die Temperaturen im Winter konstant unter Null, Autos rollen auf festgefahrenen Schneedecken. Das ist in seiner Gefährlichkeit nicht mit warmem Regen auf tiefgefrorenen Böden zu vergleichen.
Ein Staat, der seine Bürger in Extremfällen nicht schützt, hört auf, Staat zu sein. Gesundheit ist nicht verhandelbar. Verantwortung ist nicht delegierbar. Schutz ist keine Option, sondern eine Pflicht. Der Staat ist der oberste Protektor. Das Ministerium handelt nicht übergriffig, wenn es bei extremer Hitze oder Kälte die Kinder und auch deren Angehörige durch Schulschließungen schützt.
Ausgebliebene Warnung bei Ahrtal-Flut
Wer glaubt, man könne in solchen Fällen auf autonome Entscheidungen der Schulen setzen, der romantisiert Autonomie und unterschätzt reale Macht und Risikoverhältnisse. Die Schulen und ihre Leiter sind nicht befähigt und können es auch gar nicht sein, Wetterverhältnisse dieses Ausmaßes angemessen zu beurteilen.
Jenen, die jetzt von Überreaktion sprechen, sei noch einmal die verheerende Lage beim Hochwasser im Ahrtal und anderen Gebieten im Jahr 2021 ins Gedächtnis gerufen worden. Dutzende Gremien beschäftigen sich noch heute damit, warum Warnungen des Staates und seiner Körperschaften ausblieben oder erst viel zu spät erfolgten. Hätte es beherzte Warnungen gegeben, wäre der Tod von 135 Menschen vielleicht zumindest in Teilen verhindert werden können.




