Die Stadt bereitet den Rückbau des Großmarkts in Raderberg vor. Tierschützer befürchten, dass dort lebende Vögel durch den Abriss zu Schaden kommen könnten.
Sorge bei AbrissarbeitenGroßmarkt Köln – Tierschützer wollen nach den Katzen auch andere Tiere retten

Auch Spatzen leben und nisten auf dem ehemaligen Großmarktgelände. Sie stehen unter strengem gesetzlichem Artenschutz.
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Die Rettung der frei lebenden Katzen auf dem ehemaligen Großmarktgelände in Raderberg ist ihnen gelungen. Darüber sind die Tierschützer um Mania Leveringhaus glücklich. Doch ihr Engagement endet nicht mit den Katzen. Nun sorgen sie sich um andere Tiere, die auf dem Areal leben – und um einen möglicherweise baldigen Beginn der Abrissarbeiten. „Es war von Anfang an klar, dass es auch um andere geschützte Tiere, die am Großmarkt leben, geht“, erklärt Leveringhaus.
Das sind einer Artenschutzprüfung (ASP) der Stadt aus dem Jahr 2024 zufolge verschiedene Fledermausarten, Mehlschwalben, Haussperlinge, Mauersegler und Zauneidechsen. Nach Schätzung der Tierschützer leben auch rund 300 bis 500 Tauben auf dem Gelände. Sie befürchten, dass diese Tiere zu Schaden kommen, wenn die Stadt mit den Abrissarbeiten der Hallen beginnt. „Es gibt zahlreiche Jungvögel, viele Vögel brüten zurzeit noch in den Hallen“, so Leveringhaus.
Tierschützer erwägen Klage gegen die Stadt Köln
Die Tierschützer kritisieren, dass die Stadt nicht über Untersuchungen und geplante Schutzmaßnahmen informiert. Bereits Ende vergangenen Jahres verlangten sie Auskunft über Artenschutzprüfungen, deren Ergebnisse und geplante Maßnahmen. „Obwohl diese Informationen laut Gesetz öffentlich zugänglich gemacht werden müssen, haben wir keine Antwort erhalten“, sagt Leveringhaus. Die Initiative reichte daraufhin im Dezember Klage gegen die Stadt ein. Das Verfahren läuft noch.

Im Pionierpark hat die Stadt ein Artenschutzhaus für die Sperlinge vom Großmarkt aufgestellt.
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Die Verwaltung weist den Vorwurf zurück. Die Tierschützer hätten jederzeit Einsicht in die vorhandenen Informationen nehmen können, erklärt sie. „Das stimmt definitiv nicht“, entgegnet Leveringhaus. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt die Stadt, sie habe bereits 2024 eine Artenschutzprüfung (ASP) durchführen lassen, um „eine erste Einschätzung der artenschutzrechtlichen Betroffenheiten zu erhalten“. Dabei seien unter anderem Haussperlinge, Mauersegler, Mehlschwalben, Fledermäuse und Mauereidechsen nachgewiesen worden.

In den ehemaligen Händlerhallen am Großmarkt brüten zahlreiche Tauben. Insgesamt sollen es 300 bis 500 sein.
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Die Ergebnisse einer weiteren Artenschutzprüfung aus dem Jahr 2025 seien bislang nicht weitergegeben worden, da diese zunächst geprüft werden sollten. Die Unterlagen sollen den Tierschützern jedoch in Kürze zur Verfügung gestellt werden, teilt die Stadt mit. Für die geplanten Abrissarbeiten seien zusätzliche artenschutzrechtliche Prüfungen erforderlich. Auf deren Grundlage wird festgelegt, welche Schutzmaßnahmen notwendig sind. Dazu könnten Ersatzquartiere, Nistkästen oder Bauzeitenregelungen gehören. Für ein erstes Abrissvorhaben sei im Pionierpark bereits ein Artenschutzhaus für Haussperlinge aufgestellt worden, informiert die Stadt.
Strenge Regeln beim Artenschutz
Tatsächlich gelten bei Eingriffen in Lebensräume geschützter Arten strenge Vorgaben nach dem Bundesnaturschutzgesetz. So muss etwa Ersatz geschaffen werden, wenn Nistplätze von Sperlingen oder Schwalben entfernt werden. Zauneidechsen müssen bei Bauprojekten umgesiedelt werden, Fledermausquartiere dürfen nicht zerstört werden.
Sorgen bereiten den Tierschützern auch die Tauben auf dem Gelände. Zwar stehen sie nicht unter besonderem Artenschutz, Leveringhaus und ihre Mitstreiter berufen sich jedoch auf das Tierschutzgesetz. „Tauben sind standorttreu. Sie fliegen nicht einfach weg, wenn am Großmarkt abgerissen wird“, erläutert Leveringhaus.
Stadt lehnt Tauben-Konzept ab
Für die Taubenrettung hat sie die Vereine Tierschutz Siebengebirge und Taubenhausmanagement mit ins Boot geholt und der Stadt ein Lösungskonzept mit betreuten Futterstellen, Eiertausch, medizinischer Versorgung und einem mobilen Taubenhaus vorgelegt. „Die Kosten für Futter und die medizinische Versorgung sollte anteilig die Stadt übernehmen, den Rest wollen wir über Spenden finanzieren und die ganze Arbeit – wie gehabt – ehrenamtlich leisten“, so Leveringhaus.
Die Stadt lehnte das Konzept Ende Mai ab und gewährt den Tierschützern keinen Zugang zum inzwischen abgesperrten Gelände. Die Population werde sich den veränderten Lebensbedingungen anpassen, eine Zufütterung würde den Bestand dagegen stabil halten oder sogar vergrößern, argumentiert die Verwaltung. „Das stimmt so nicht. Aber ohne, dass uns die Stadt Zugang zum Gelände gewährt, können wir nichts für die Tiere machen“, sagt Leveringhaus.
Wann die Abrissarbeiten beginnen, ist nach Angaben der Stadt noch offen. Die Tierschützer rechnen jedoch mit einem baldigen Start. Leveringhaus berichtet, ein Mitarbeiter der Verwaltung habe bei einem Termin im März den 1. Juli als Beginn der Arbeiten genannt. Für die Initiative ist deshalb Eile geboten. Sie fordert, dass die Stadt die gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen vor Beginn der Arbeiten umsetzt. Sollte der Abriss ohne ausreichende Vorkehrungen starten, kündigen die Tierschützer rechtliche Schritte an.