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Schwere Rad-Unfälle in KölnADFC kritisiert Ampelschaltung und fordert Schulungen

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Bei einem schweren Unfall in der Kölner Altstadt wurde am Montagvormittag eine Farradfahrerin schwer verletzt.

Köln – Der Montag war ein schwarzer Tag für den Radverkehr in Köln. Binnen Minuten ereigneten sich gleich zwei Unfälle mit Radfahrenden und Lkw. In der Altstadt wurde eine 74-jährige Radlerin unter einem abbiegenden Heizöltransporter eingeklemmt und schwer verletzt. Auf einer Kreuzung in Widdersdorf erfasste ein Lastwagen laut Polizei „eine Person“, die ebenfalls schwer verletzt und mit einem Hubschrauber ins Krankhaus geflogen wurde. Die Unfallhergänge sind noch nicht abschließend geklärt. Der ADFC Köln wiederholt eindringlich seine Mahnung, dass Lasterwagenfahrer immer noch zu wenig sensibilisiert sind für Abbiegevorgänge. Und fordert verpflichtende technische Regeln für Lkw.

Der Unfall in der Altstadt stellt sich nach bisherigen Informationen als trauriger Klassiker dar: Der Lkw biegt rechts ab und übersieht die radelnde Person dicht rechts neben ihm. Christoph Schmidt, Vorsitzender des ADFC Köln, sieht an dieser Stelle der Stadt kein Problem mit der Verkehrsführung. Er kritisiert hier allenfalls die Ampelschaltung, weil geradeausfahrender und rechtsabbiegender Verkehr gleichzeitig grün haben, was zwangsläufig zu Konflikten führe: „Solche Ampelschaltungen müsste man an vielen Kreuzungen trennen.“

Vielmehr aber wüssten viele Lkw-Fahrer immer noch nicht, wie sie ihre Außenspiegel ausrichten müssen, um die gesamte Wagenseite einsehen zu können. „Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, dass ein Abbiegevorgang mit einem Lkw komplex ist. Aber die Fahrer haben mit bis zu sieben Außenspiegeln genug Möglichkeiten, alles zu überblicken. Aber die Spiegel sind oft nicht richtig eingestellt.“, sagt Schmidt. „Das muss viel mehr geschult werden“, fordert er.

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Schmidt sieht hierbei die Polizei in der Pflicht, der der ADFC Köln „als Dauerleihgabe“ eine so genannte „Spiegeleinstellplane“ zur Verfügung gestellt habe. Die Plane wird auf den Boden neben den Laster gelegt und besteht aus mehreren bunten Felder, nach denen die verschiedenen Außenspiegel ausgerichtet werden, so dass der gesamte Bereich lückenlos einzusehen ist. Der Bauhof der Stadt hat diese Idee schon vor vier Jahren aufgegriffen und als feste Markierung auf den Boden des Fahrzeugdepots gemalt. Die Mitarbeiter können damit vor jeder Fahrt ihre Spiegel perfekt einstellen.

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Dennoch wüssten offenbar noch zu viele Lkw-Fahrer nicht, wie die Spiegel ordentlich zu justieren sind. Oder hielten es nicht für nötig, dies zu tun. Natürlich seien auf Radfahrende in der Pflicht, sorgfältig auf den Verkehr achtzugeben. „Aber wir müssen bei denen das Bewusstsein schaffen, die die gefährlichere Maschine fahren“, sagt Schmidt. Zudem solle für alle Lkw eine Abbiege-Assistenzsystem verpflichtend sein, fordert er.

Die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) gingen hier mit gutem Beispiel voran, lobt Schmidt. Sie haben inzwischen ihre großen Lkw mit Kameras ausgestattet, die Abbiegevorgänge zusätzlich im Blick haben. Der Anlass, diese schon länger diskutierte Nachrüstung auch vorzunehmen, war tragisch. Im Mai 2018 überrollte in Widdersdorf ein Müllwagen beim Abbiegen einen Siebenjährigen auf dem Weg zur Schule. Der Junge starb.

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