Abo

Sensation im Straßenbild„Köln war das Zentrum der Innovationen für den Motorbau“

3 min
Motorwagen mit Erstbesitzern

Der Vis-à-Vis Motorwagen mit den Eheleuten Frauz.

Köln – Viel Technik war damals nicht im Spiel und doch war der „Vis-à-Vis“-Motorwagen zur Jahrhundertwende eine Sensation im Kölner Straßenbild. Eine Kutsche ohne Pferde, das war recht neu im Jahre 1902. Ein Viertakt-Motörchen mit einem Zylinder und sechs PS sorgte für eine Beschleunigung auf maximal 25 Stundenkilometer. Was heute fast schon rührend anmutet, galt damals als Wunderwerk der Ingenieurskunst. Das Zeitalter des Automobils hatte gerade begonnen. Und Köln mischte mit etwa 16 kleineren Herstellern kräftig mit.

Seit 2011 stand der Vis-a-Vis-Motorwagen im Kölnischen Stadtmuseum. Das älteste erhaltene Automobil aus Kölner Produktion wurde zu einem Hingucker der Dauerausstellung. Gefertigt wurde es 1902 von der „Kölner Motorwagen GmbH“ in Sülz, später bekannt als Priamus-Automobilwerke.

Jedes Teil ist von großem historischem Wert

Mittlerweile befindet sich das kuriose Gefährt im Labor des Instituts für Fahrzeugtechnik der Technischen Hochschule Köln in Deutz. Der hölzerne Aufbau, auf dem sich Fahrer und Beifahrer wie in einer Kutsche gegenübersaßen (vis-a-vis also), steht auf einem Tisch, das Fahrwerk mit seinem steil aufragenden Lenkstock getrennt daneben. Restaurator Philip Mandrys hat sich weiße Handschuhe angezogen, um das urtümliche Fahrobjekt mit dem simplen Riemenantrieb zu erklären. Jedes Teil ist von großem historischem Wert und will entsprechend behandelt werden.

Motorwagen Karneval

Der Vis-à-Vis Motorwagen im Karneval.

Philip Mandrys wird sich in den kommenden Monaten intensiv dem Wagen widmen. Denn zur Wiedereröffnung des Stadtmuseums an seinem neuen Standort an der Minoritenstraße soll im Herbst kommenden Jahres auch der Vis-à-Vis-Motorwagen wieder bestaunt werden können – frisch konserviert und restauriert allerdings. „Die Automobilgeschichte ist eine ganz wichtige Angelegenheit für die Stadt und das Museum“, sagte Alexander Krahé vom Förderverein „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums“ am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts.

„Köln war das Zentrum der Innovationen für den Motorbau“

Spätere Berühmtheiten wie Ettore Bugatti oder August Horch hätten zur Jahrhundertwende in Köln gewirkt. Nicolaus August Otto habe 30 Jahre zuvor den Viertakt-Motor erfunden: „Köln war damals das Zentrum der Innovationen für den Motorbau.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Philip Mandrys geht es nicht darum, den Wagen aufzuhübschen. Vielmehr wolle er den Originalzustand rekonstruieren. Sprühnebel am Lenkstock verriet dem 42-Jährigen, dass der aktuelle knallrote Lack nachträglich aufgebracht wurde. Denn eine solche Technik habe 1902 noch nicht existiert.

Intrige

Ein Großteil der Geschichte des Vis-à-Vis-Motorwagens liegt im Dunkeln. Als die Priamus-Werke Insolvenz anmeldeten, ging der Wagen an das Unternehmen Fouquet & Frauz, ein Zulieferer aus Baden-Württemberg. Lange befand sich das Auto im Besitz der Familie Frauz, die es auch bei Karnevalsumzügen einsetzte. 2005 verkaufte die Familie es an ein Automobilmuseum in Ladenburg, das es wiederum 2011 an die Stadt Köln veräußerte. (cht)

An einer der Sitzbänke hat der Restaurator schon einen Teil der ursprünglichen Farbe freigelegt. Es ist ein etwas dunkleres Rot, verfeinert mit weißen Linien. „Das soll wiederhergestellt werden“, so der Experte. Seine Arbeit wird kleinteilig, zur Beseitigung der alten Lackschicht wird er unter anderem Wattestäbchen einsetzen. Teuer wird das Vorhaben ebenfalls. Alexander Krahé schätzt die Gesamtkosten auf 50.000 bis 55.000 Euro. Der Freundeskreis stelle in einem ersten Schritt 10.000 Euro zur Verfügung. Davon soll der Wagen komplett zerlegt werden, um festzustellen, welche Arbeiten überhaupt nötig sind.

Der Rest soll durch Spenden finanziert werden. Zwar soll das Uralt-Auto auch nach der Restaurierung nicht fahrbereit sein, Silvia Rückert, stellvertretende Direktorin des Stadtmuseums, freut sich trotzdem auf die Wiederauferstehung: „Der Wagen soll ein Highlight der neuen Dauerausstellung sein.“ Nähere Informationen zur Spendenaktion des Fördervereins gibt es hier.