Nach dem Sieg bei den 24-Stunden von Le Mans wurde das Team von Toyota Racing bei der Rückkehr in die Kölner Zentrale begeistert empfangen.
Erster und dritter PlatzSo feiert Toyota in Köln den Sieg beim legendären Rennen in Le Mans
Als der Lkw-Konvoi mit den Siegerautos unter lautem Hupen auf den Werkshof von Toyota Racing in Marsdorf fährt, brandet Jubel auf. Hunderte Mitarbeiter des Kölner Rennsportteams sind gekommen, um den spektakulären Sieg beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans (Frankreich) am Wochenende zuvor zu feiern. Trotz einiger Probleme in der Anfangsphase gewannen Mike Conway, Kamui Kobayashi und Nyck de Vries bei der 94. Auflage des Langstrecken-Klassikers mit ihrem Toyota #7 knapp vor BMW – mit 10,9 Sekunden Vorsprung nach 381 Runden und mehr als 5200 Kilometern. Platz 3 ging an Toyota #8.
Das wird in Köln natürlich groß gefeiert. Hier, am Hauptsitz des Langstrecken-Rennteams von Toyota, arbeiten rund 500 Menschen für den Erfolg im Motorsport. In Marsdorf wurde das Siegerfahrzeug von Le Mans, der Toyota TR010 Hybrid, entwickelt. Chassis, Getriebe und Karosserie werden in Köln gefertigt, während Motor und Antriebsstrang aus Japan kommen. Bei der Rallye-Weltmeisterschaft ist es umgekehrt. Hier bauen die Kölner den Hochleistungsmotor für den Toyota Yaris WRC, während das Fahrzeug in Finnland produziert wird. Der Kölner Rennstall war von 2002 bis 2009 auch in der Formel 1 aktiv.
Toyota-Mitarbeiter freuen sich über ersten Sieg in Le Mans seit 2022
Unter dem Applaus der Mitarbeiter werden die beiden Rennwagen #7 und #8 aus den Lastwagen gerollt und im Hof aufgebockt. An den Boliden klebt noch der Schmutz von dem Langstreckenrennen am 13./14. Juni, gewaschen wurden sie nicht. „Die Autos werden exakt in dem Zustand konserviert, wie sie von der Rennstrecke kommen, und dann in unserem Museum ausgestellt. Sie sollen einen authentischen Eindruck vermitteln“, erläutert Peter Hesse, Leiter Business Operations bei Toyota Racing. Unter der Haube steckt Leistung ohne Ende: Der wassergekühlte 3,5-Liter-V6-Twin-Turbo-Motor liefert in Kombination mit einem Elektromotor an der Vorderachse 680 PS (500 kW).
Kfz-Mechatroniker Sven Weiler (34), der am Motorenprüfstand arbeitet, freut sich mit seinen Kollegen über den Sieg. „Es ist schön zu sehen, wie viele Leute hier gemeinsam für solche Erfolge arbeiten. Alle sind mit Herzblut dabei.“ Niklas Pehl (26) und Maikel Szoglio (24), die im Toyota-Lager tätig sind, lassen sich vor den Rennwagen fotografieren. „Es war der erste Sieg in Le Mans seit drei Jahren. Wir sind sehr stolz, für so ein Projekt zu arbeiten“, sagt Pehl. Einen Großteil des Rennens habe er am Fernseher mitverfolgt.

Rennfahrer Kamui Kobayashi vor dem Toyota TR010 Hybrid. Er saß im Siegerauto, als es über die Ziellinie fuhr.
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Für Produktionsplanerin Nina Hahn (28), die seit September bei Toyota Racing arbeitet, ist es der erste Sieg, den sie im Unternehmen erlebt. „Le Mans ist das härteste Langstreckenrennen der Welt. Dass wir dort trotz einer ungünstigen Ausgangsposition Platz 1 und 3 geholt haben, war eine klasse Leistung.“ Hahn ist selbst im Rennsport aktiv, sie fährt unter anderem im Radical Cup in Großbritannien. Der jüngste Sieg in Le Mans sei besonders wertvoll, weil Toyota diesmal gegen große Teams wie BMW, Cadillac und Ferrari gewonnen hat, betont sie.
Es war bereits der sechste Sieg an der Sarthe für den Kölner Rennstall, nachdem Toyota dort ab 2018 fünfmal in Folge siegreich war. Zuvor hatten sich allerdings Audi und Porsche aus der Langstrecken-WM zurückgezogen. Spötter unkten, Toyota sei der Sieg dadurch leichtgefallen. Doch nun hat das Kölner Team endgültig bewiesen, dass es große Gegner schlagen kann. „Ich denke, das ist einer der größten Siege, weil die Konkurrenz so stark ist“, erklärte Fahrer Kamui Kobayashi nach dem Rennen.
Toyota-Motorsport ist seit 1979 in Köln zu Hause
Bei den Grußworten lobt die Kölner Bürgermeisterin Maria Helmis-Arend die „herausragende Teamleistung“ des Rennstalls und betont, wie stolz Köln auf diesen „grandiosen Sieg“ sei. „Die Stadt ist ein Fan.“ Sie erinnert an die lange Verbindung von Toyota mit Köln und hebt die Bedeutung des weltgrößten Automobilherstellers für die lokale Wirtschaft hervor. 1971 hatten die Japaner in der Domstadt ihre Deutschland-Zentrale gegründet, acht Jahre später kam die Motorsport-Sparte dazu.
Neben den beiden sogenannten „Hypercars“, die ausschließlich mit Bio-Kraftstoff fahren, begutachten die Mitarbeiter auf dem Werkshof in Marsdorf auch den wasserstoffbetriebenen Prototypen TR LH2. „Der Wagen ist in Le Mans einige Demonstrationsrunden gefahren“, berichtet Hesse. Das Fahrzeug sei Teil der Strategie von Toyota, nachhaltige Antriebe für den Rennsport der Zukunft und für die Straße zu entwickeln.
Beim Empfang für das Siegerteam dankt Masato Hirai, Präsident von Toyota Racing, allen Beteiligten. Und dann verdeutlicht das ganze Team mit dem japanischen Ausruf „Wasshoi“ seine Philosophie. Der Jubelruf wird in Japan traditionell bei Prozessionen eingesetzt, um die Bewegungen der Schreinträger zu synchronisieren. Er besteht aus den Begriffen „wa“ (Harmonie) und „issho“ (zusammen) und verkörpert Einheit und Stärke. Am 12. Juli geht die Reise weiter. Dann tritt Toyota im Rahmen der Langstrecken-WM in Brasilien bei den sechs Stunden von São Paulo an.
