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Auftaktabend am FreitagLaien planen ein „spirituelles Zentrum“ an St. Maria im Kapitol

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14.11.2021, Köln: St. Maria im Kapitol. Viaculturalis. Foto: Uwe Weiser

An der romanischen Kirche Sankt Mari im Kapitol soll ein „Spirituelles Zentrum Köln“ entstehen.

Der Kölner Citypfarrer Dominik Meiering unterstützt ein neues geistliches Angebot  für Menschen, die auf der Suche nach Sinn sind

Mit einem neuen geistlichen Angebot wendet sich eine Gruppe engagierter Laien an Menschen auf der Suche nach einem inneren Weg zur Vertiefung ihres Lebens. Als „Ort für Sinnsuchende, spirituelle Begegnung und Stille“ soll an der romanischen Basilika Sankt Maria im Kapitol das „Spirituelle Zentrum Köln“ entstehen, erklärt Wolfgang Dichans als Mitinitiator.

Die Mitwirkenden seien allesamt „kirchlich sozialisiert“, kämen aus einem „spirituell aufgeladenen Umfeld“, erklärt der Diplompädagoge Dichans, der früher im Bundesfamilienministerium gearbeitet hat. Viele Menschen heute würden von den verfassten Kirchen nicht mehr erreicht. „Wir glauben, dass im Menschen eine tiefe Sehnsucht nach Sinn, nach Verbindung, einem inneren Zuhause lebt“, sagt Dichans. Dafür wolle das neue Projekt Raum bieten. Der Ansatz sei „lebensgeschichtlich und erlebensorientiert“, erläutert Dichans. Als Beispiel für geplante Formate nennt er „spirituelle Stadt- oder Landspaziergänge“ – nicht als touristische Entdeckungstouren, sondern als Spurensuche nach der (geistlichen) Ausstrahlung von Orten. „Gott lässt sich überall entdecken“, davon ist Dichans überzeugt.

Offen für Erkenntnisse anderer Religionen

Was unter „Gott“ zu verstehen ist, soll bewusst offen bleiben. Das „spirituelle Zentrum“ komme zwar ideell aus der christlichen Tradition, sei aber – wie die Botschaft Jesu selbst – „offen für Erkenntnisse anderer Religionen und für Menschen, die auf ihrem je eigenen Weg Gott suchen oder an ihm verzweifeln“.

Citypfarrer Dominik Meiering

Citypfarrer Dominik Meiering

Citypfarrer Dominik Meiering unterstützt das Projekt. Er versteht es als Teil des Programms, die verschiedenen Kirchorte in der Kölner Innenstadt mit eigenen, auch neuen Schwerpunkten zu profilieren. Als älteste romanische Kirche in Köln biete sich Sankt Maria im Kapitol für einen Akzent auf Meditation und Kontemplation besonders an. „Ich spüre eine Ernsthaftigkeit, eine Suchbewegung und möchte dafür Erfahrungs- und Begegnungsräume öffnen.“

Lockere Folge von Einzelveranstaltungen

Der Name „spirituelles Zentrum“ ist derzeit erklärtermaßen mehr Ambition und Anspruch als ein eingelöstes Angebot. Anders als in Städten wie Frankfurt am Main gibt es keine institutionalisierte Anlaufstelle mit Öffnungszeiten oder gar hauptamtlichem Personal, sondern eine lockere Folge von Einzelveranstaltungen. Auch individuelle geistliche Begleitung durch eine erfahrene Supervisorin gehört zum Portfolio.

Mit eigenen Veranstaltungen wird Meiering sich auch selbst am Programm beteiligen, das sich in den kommenden Monaten weiter füllen soll. Als bereits getesteten „Piloten“ nennt er das „ästhetisch-affektive“ Format „Sehet und höret“, einen Rundgang im Museum Kolumba mit „Kunstbetrachtung und Musik“. Ein Referat am 18. Februar widmet Meiering dem „Christusbild in der Kunst“.

Auftaktabend zu einem „Alphabet der Spiritualität“

Vorbehalte formuliert ausgerechnet der Co-Referent des Premierenabends am kommenden Freitag, der Jesuitenpater Stephan Kessler SJ, Pfarrer von Sankt Peter am Neumarkt mit der weit über Köln hinaus bekannten „Kunststation“. Mit dem ganzen Gewicht der spirituellen Tradition seines Ordens im Rücken formuliert Kessler die Sorge, dass das neue „Zentrum“ allzu behende mit so schweren Begriffen wie Spiritualität oder Mystik operiere und lediglich das vervielfältige, was Pfarrgemeinden, geistliche Gemeinschaften oder religiöse Einrichtungen in Köln doch längst und zur Genüge vorhielten.

Dichans und Meiering möchten diese Bedenken zerstreuen. Das Ziel sei es, Menschen zu interessieren, die das Vorhandene eben nicht wahrnehmen oder gar nicht kennen, betont Dichans. Meiering spricht von einem ersten „Aufschlag“, der zugegebenermaßen noch „etwas undefiniert und weich“ sei, aber vielleicht gerade deswegen charmant – und auf keinen Fall unprofessionell oder rein gefühlsselig.

Auf genau diese Abgrenzung legt auch der Philosoph und Buchautor Frank Berzbach („Die Kunst zu glauben“) Wert, der zusammen mit Kessler und der Musikerin Nina Brunetto den Auftaktabend „Alphabet der Spiritualität“ in Anlehnung an Berzbachs Buch „Das Alphabet der Lebenskunst“ gestaltet. Passend zum Jahreswechsel und zum Start des „spirituellen Zentrums“ geht es um „A = Anfangen“.

Freitag, 16. Januar, 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr). Kasinostraße 6, 50676 Köln. Der Eintritt ist frei.