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FinanznotKostet der Kölner Dom bald Eintritt?

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Der Dreikönigenschrein im Kölner Dom gilt als künstlerisch bedeutendste und größtes Reliquar des Mittelalters. Dort sollen die Gebeine von Caspar, Melchior und Balthasar ruhen. (Archiv)

Der Dreikönigenschrein im Kölner Dom gilt als künstlerisch bedeutendste und größtes Reliquar des Mittelalters. Dort sollen die Gebeine von Caspar, Melchior und Balthasar ruhen. (Archiv)

Steigender Kostendruck in den Bereichen Sauberkeit, Sicherheit und Sanierung bringt ein altes Thema wieder auf den Plan.

Steigende Kosten und sinkende Kirchenfinanzen könnten für Besucherinnen und Besucher des Doms zu einer einschneidenden Veränderung führen. Wie der Sprecher des Domkapitels, Markus Frädrich auf Anfrage bestätigte, befasst sich das für den Dom verantwortliche Gremium auf einer zweitägigen Klausurtagung unter anderem mit der „Entwicklung der Wirtschaftslage“ am Dom. Dabei gehe es auch um die Frage, „wie das Domkapitel die Pflege, den Schutz und den laufenden Betrieb des Domes auch künftig sicherstellen möchte.“

Nach unbestätigten Meldungen soll es dabei wieder einmal auch um ein Eintrittsgeld für den Dom gehen. Bislang hat das Domkapitel eine solche Maßnahme immer abgelehnt beziehungsweise als „Szenario für den äußersten Notfall“ abmoderiert: Der Dom, der jährlich von sechs Millionen Menschen besucht wird, soll als Haus des Gebetes und des Gottesdienstes grundsätzlich offen für jedermann sein. Allerdings ergänzte Dompropst Guido Assmann 2025 seine Ausführungen zum eigentlichen Sinn und Zweck des Doms als Gotteshauses um den sibyllinischen Satz, so etwas wie ein Eintrittsgeld könne „natürlich nie für alle Zeiten ausgeschlossen werden“.

Zusätzliche Sammelboxen am Dreikönigenschrein

Zudem musste das Kapitel 2025 bereits auf die Entscheidung des Erzbistums reagieren, im Zuge umfassender Einsparungen seine Zuschüsse für den Dom einzufrieren – was nach Assmanns Angaben faktisch eine Kürzung von 400.000 Euro bedeutet. In der Folge ist der Zugang zur Kathedrale für Gottesdienstbesucher frühmorgens nur noch über das Nordportal an der Seite zum Hauptbahnhof möglich.

Auf der Einnahmenseite hoffte das Domkapitel zum einen auf die Spendenfreudigkeit der Besucherinnen und Besucher. Am Umgang des Chors mit dem Dreikönigenschrein und am Haupteingang wurden dafür zusätzliche Sammelboxen aufgestellt. Zum anderen wurden die Eintrittspreise für die Turmbesteigung und die Domschatzkammer erhöht.

Erzbistum nennt Aufwendungen von 4,5 Millionen Euro

Nach aktuellen Zahlen für das Jahr 2024 beliefen sich die Einnahmen aus Spenden auf 185.000 Euro, die Erlöse aus Eintrittskarten für den Südturm und die Schatzkammer auf 2,65 Millionen Euro. Vom Erzbistum kamen 1,68 Millionen Euro für den Bauerhalt, der zum weitaus größten Teil (4,3 Millionen Euro) durch den Zentral-Dombau-Verein finanziert wird. Weitere 1,06 Millionen Euro zahlte das Erzbistum für den laufenden Betrieb im Dom. Hinzu kommen dann noch die Ausgaben für das Domkapitel. Insgesamt beziffert das Erzbistum seine Aufwendungen auf 4,5 Millionen Euro.

Inzwischen, so heißt es, habe sich der Kostendruck in den Bereichen Sauberkeit, Sicherheit und Sanierung weiter erhöht. Wie groß die Finanzierungslücke ist und welche Konsequenzen daraus gezogen werden, darüber will das Domkapitel laut seinem Sprecher Markus Frädrich an diesem Donnerstag (5. März) in einer Pressekonferenz informieren. Dombaumeister Peter Füssenich war auf Anfrage für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Binnenchor künftig gegen Geld sehen?

Als „kleine Lösung“ wird nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ unter den Verantwortlichen schon seit geraumer Zeit diskutiert, den Binnenchor mit dem weltberühmten Dreikönigenschrein, dem größten kunsthistorischen Kleinod des Doms, für den allgemeinen Publikumsverkehr zu sperren und für die Besichtigung eine Eintrittsgebühr zu erheben. Die Vorteile: Der Dom bliebe weitestgehend für alle offen, Interessierte könnten den Dreikönigenschrein auch künftig zumindest aus der Entfernung bewundern. Die Ticketkontrolle ließe sich aufgrund der baulichen Situation im Dom ohne größeren Aufwand realisieren.

Nachteil: Der Besuch am Dreikönigenschrein mit den Reliquien der heiligen drei Könige wurde von den Verantwortlichen des Doms bislang immer auch als ein geistliches Geschehen inszeniert – als Ziel- und Höhepunkt eines Pilgerwegs zu den Heiligen drei Königen. Im Rahmen der jährlichen Domwallfahrt ziehen die Besucherinnen und Besucher symbolträchtig unter dem per Hydraulik in die Höhe gefahrenen Schrein hindurch. Soll die Begegnung aus der Nähe mit den hochverehrten Zeugen der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus also nur noch einer zahlenden Kundschaft möglich sein?

Das wäre eine der kritischen Fragen, die das Domkapitel beantworten müsste, wenn es sich für eine Kostenpflicht entscheidet. Aber in angespannter finanzieller Lage gilt, wie so oft: Einen Tod stirbt man immer.