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FusionDie sieben Pulheimer Kirchengemeinden schließen sich zusammen

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Eine Krippe, zu sehen sind die Kirchen im Stadtgebiet Pulheim.

Die Krippe in der Abteikirche St. Nikolaus hat die anstehende Fusion thematisiert.

Mehr als 50 ehrenamtlich Engagierte planen die neue Kirchengemeinde St. Benedikt und erarbeiten Wege des Zusammenwachsens.

Die Weichen sind gestellt. Die sieben Kirchengemeinden der Pastoralen Einheit Pulheim – St. Nikolaus (in Brauweiler), St. Martinus (in Stommeln und in Sinthern), St. Cornelius (in Geyen), St. Bruno (in Stommelerbusch), St. Hubertus (Sinnersdorf) und St. Kosmas und Damian (Pulheim) – werden zu einer neuen großen Kirchengemeinde. Darauf, wie auch auf den Namen St. Benedikt, haben sich alle Gremien der sieben Gemeinden im September 2025 geeinigt. Stichtag für die Fusion ist der 1. Januar 2027.

„Dass dieser Schritt nun beschlossen ist, verdanken wir vielen Menschen, die sich engagiert, beraten, zugehört und Brücken gebaut haben. Die neuen Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte, die inzwischen gewählt wurden, stehen nun vor einer spannenden, verantwortungsvollen Aufgabe“, erläutert Dr. Hubert Becker in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Der Pulheimer ist Mitglied des Kirchenvorstandes von St. Kosmas und Damian und gehört der Koordinierungsgruppe für die anstehende Fusion an.

Pulheim: Kirchorte dauerhaft erhalten

In verschiedenen Arbeitsgruppen arbeiten mehr als 50 ehrenamtlich Engagierte an unterschiedlichen Themenschwerpunkten und werden das laufende Jahr nutzen, um die neue Kirchengemeinde St. Benedikt zu planen und Wege des Zusammenwachsens zu finden, schildert er weiter. Hinzu kommen rund 80 Gremienmitglieder in Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen.

Unterstützt werden sie dabei vom gemeinsamen Seelsorgeteam unter der Leitung von Pastor Peter N. Cryan, das bereits seit September alle Gemeinden begleitet. In einer Rundreise hat Cryan mit der Koordinierungsgruppe in allen Gemeinden über die kommende Fusion informiert. Die Resonanz war positiv. „Nun diskutieren wir gerade, wie wir die Synergien nutzen, möglichst viele Kirchorte dauerhaft erhalten und Menschen ansprechen und gewinnen können. Es ist wichtig in den Austausch zu kommen.“

Es ist wichtig ein Netz von Angeboten zu schaffen, statt alles an jedem Kirchort anzubieten
Dr. Hubert Becker, Koordinierungsgruppe für die anstehende Fusion

Eine zentrale Rolle spielt die Frage, welche Schwerpunkte man in den jeweiligen Kirchorten bilden möchte. Als „griffiges Beispiel“ nennt Hubert Becker das buk Stommeln (buk steht für das Projekt „Buch und Kultur“, es ist angebunden an die Bücherei Stommeln). Wobei er betont, dass es sich um ein naheliegendes Beispiel handelt. „In Stommeln wird ein Ort geschaffen, wo Menschen zusammenkommen und wo viele Veranstaltungen organisiert werden. Das buk ist ein Ort, der eine Verbindung von Kirchenleben und sonstigem Gemeindeleben schafft.“

Es sei sinnvoll, dieses Angebot auch für Menschen greifbarer zu machen, die nicht in Stommeln leben und möglicherweise noch nichts oder nicht viel davon gehört hätten. Hubert Becker hat noch einen weiteren Vorschlag. „Ich könnte mir vorstellen, dass eine der Kirchen unsere Jugendkirche wird.“ Man könnte ein Budget zur Verfügung stellen, das die Jugend nutzen könne, um beispielsweise zehnmal pro Jahr eine Jugendmesse zu veranstalten.

Ein Mann schaut in die Kamera.

Dr. Hubert Becker gehört der Koordinierungsgruppe für die anstehende Fusion an.

Auch Familien und Seniorinnen und Senioren – Stichwort hier: Mobilität – sind im Fokus. „Es ist wichtig ein Netz von Angeboten zu schaffen, statt alles an jedem Kirchort anzubieten. Solche Themen müssen wir gemeinsam erarbeiten.“ Es gibt auch schon konkret Gemeinsames: Dazu gehört der Pilgertag, an dem sich die Gemeinden von ihren Orten zu einem gemeinsamen Treffpunkt aufmachen. Das wird im Juni zum zweiten Mal stattfinden.

Auch mit der Frage, wie das Kirchenjahr gestaltet wird, also wo Gottesdienste abgehalten werden, oder in welcher Form Firmungen oder Kommunionsfeiern stattfinden, werden sich die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler befassen müssen. Ein schwieriges Thema, „denn wir wissen natürlich nicht, wie viele Priester wir langfristig haben werden. Wir wissen nur – das jedenfalls sagt uns das Erzbistum –, dass es weniger werden.“

Jetzt müssen wir schauen, was umsetzbar ist.
Hubert Becker, Mitglied des Kirchenvorstandes von St. Kosmas und Damian

Die Liste der Themen ist lang. An die 60 haben die beiden Arbeitsgruppen Struktur und Verwaltung und Pastoral- und Gemeindeleben über einen Zeitraum von drei Jahren zusammengetragen. „Jetzt müssen wir schauen, was umsetzbar ist. Diese Aufgaben werden sicherlich  nicht alle in diesem Jahr erledigt sein. Jetzt muss erst einmal die Fusion organisiert werden“, dämpft Hubert Becker die Erwartungen.

Bis Ende des Jahres müssten die dafür erforderlichen organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden. Konkret bedeutet das beispielsweise: „Wir müssen einen gemeinsamen Wirtschaftsplan für das Jahr 2027 aufstellen. Bislang wurde dies siebenmal gemacht, das wird dann ein Mal gemacht – für die Großgemeinde.“

Eine ebenfalls wichtige Rolle im Fusionsprozess spielt die Kommunikation. „Gerade etabliert sich ein neues Kommunikationsteam, um den Menschen das Ganze näher zu bringen.“ Es gebe diverse Kommunikationswege, der Pfarrbrief sei sicherlich ein Schwerpunkt. Der Internetauftritt, Newsletter und Social Media müssen das ergänzen.

Die Großgemeinde St. Benedikt zu planen, sei ein spannender und herausfordernder Prozess, ist Hubert Becker überzeugt. „Ein Weg, der Offenheit braucht und Vertrauen. Offenheit für neue Erfahrungen, neue Begegnungen, neue Orte.“


Neue Strukturen im Erzbistum

Die 177 Seelsorgebereiche des Erzbistums sind im September 2023 zu 67 Pastoralen Einheiten geworden. Die dazu aufgeforderten Pastoralen Einheiten haben inzwischen die Entscheidung darüber getroffen, ob sie zu einer Pfarrei oder zu einer Pfarreiengemeinschaft fusionieren, teilt ein Sprecher des Erzbistums auf Nachfrage mit.

Ausgangspunkte für die Bildung größerer Pastoraler Einheiten seien tiefgreifende Veränderungen im kirchlichen Leben. Dazu gehörten die abnehmende Katholikenzahl, die weniger werdenden Ehrenamtlichen und Engagierten, der Rückgang der Finanzkraft, gesellschaftlich beobachtbare säkulare Veränderungen sowie der Rückgang des pastoralen Personals.

„Diese Trends sind nicht neu, und wir möchten diese Entwicklung im Erzbistum Köln nicht einfach erleiden, sondern aktiv gestalten. In verlässlichen Rahmenbedingungen und gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort", erläutert der Sprecher des Erzbistums Köln weiter. (mma)