Die Betreiber einer Kölner Bar meldeten sich auf Instagram mit Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft hat eine Aufenthaltsermittlung angestoßen.
Staatsanwaltschaft ermitteltSchwere Vorwürfe nach Heiratsantrag bei FC-Spiel

Das Rhein-Energie-Stadion erstrahlt zum „Diversity Day“ in Regenbogenfarben.
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Der Heiratsantrag beim Heimspiel des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg hat ein unbequemes Nachspiel für den Antragssteller. Offenbar versucht die Staatsanwaltschaft (StA), den Aufenthaltsort des Mannes zu ermitteln.
Mehr als 50.000 Menschen verfolgten am Freitag den romantischen Antrag des Amateurschiedsrichters an seinen Partner live, Tausende mehr sahen die Bilder im Netz. Er wolle sich „nicht verstecken, sichtbar sein“, erklärte der Mann seinem Partner vor laufenden Kameras im Rhein-Energie-Stadion, bevor er ihm die entscheidende Frage stellte.
Kölner Bar erhebt Vorwürfe
Die rührende Liebeserklärung war allerdings auch sichtbar für ehemalige Mitarbeitende des Kölners, die ihm gegenüber schwere Vorwürfe erheben. Die Betreiber einer Kölner Bar meldeten sich kurz nach dem Heiratsantrag auf Instagram zu Wort und behaupteten: Der Schiedsrichter, der vor einigen Jahren Betriebsleiter der Bar war, würde polizeilich gesucht. Nachdem das Video die Runde gemacht hatte, meldeten sich offenbar weitere Menschen mit Vorwürfen.
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Auf Anfrage erklärt die Staatsanwaltschaft Köln, dass „Verantwortliche einer in Köln beheimateten Bar“ 2024 Strafanzeige gegen einen ehemaligen Angestellten erstattet hätten. Das Verfahren sei Anfang 2025 vorläufig eingestellt worden, „weil keine sicheren Erkenntnisse dazu vorlagen, wo der frühere Angestellte tatsächlich wohnte, beziehungsweise wo er sich länger aufhielt“. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft „strafprozessuale Maßnahmen zur Aufenthaltsermittlung“ veranlasst. Und weiter: „Geschehnisse rund um das Heimspiel des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg sowie Erkenntnisse aus den sozialen Netzwerken wird die Staatsanwaltschaft bei ihren weiteren Ermittlungen natürlich berücksichtigen.“
Dass es sich bei dem Gesuchten um den Amateurschiedsrichter handelt, bestätigt die Staatsanwaltschaft nicht explizit und verweist „auf die im Ermittlungsverfahren geltende Unschuldsvermutung“.
Schiedsrichter weist Vorwürfe zurück
Ein Anwalt des Schiedsrichters weist die Vorwürfe auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ zurück. Dem Mann sei nicht bekannt gewesen, „dass eine Strafanzeige vorliegt und die StA seinen Aufenthaltsort ermittelt“.
Der FC erklärt: „Als wir die Anfrage für den ersten homosexuellen Heiratsantrag in einem Bundesliga-Stadion erhielten, war es für uns selbstverständlich, diesem wichtigen Zeichen für queere Sichtbarkeit einen entsprechenden Rahmen zu geben.“
Man habe die Vorwürfe im Anschluss mit Überraschung zur Kenntnis genommen und sowohl den Kontakt zum Schiedsrichter als auch zu den Ermittlungsbehörden gesucht. „Die rechtliche Bewertung der Vorwürfe obliegt den zuständigen Behörden.“
Der aufsehenerregende Heiratsantrag im Rhein-Energie-Stadion fand im Rahmen des „Diversity Day“ statt – ein Aktionsspieltag, bei dem der 1. FC Köln gemeinsam mit Partnern ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Akzeptanz und Gleichberechtigung setzt und sich klar gegen Diskriminierung positioniert. Der Aktionstag steht unter dem Motto „Lebe wie du bist“. (tli, ken)

