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Stadt Köln will Förderung ausbauenMehr Geld für grüne Dächer und Fassaden – es geht um die „Goldene Gießkanne“

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Hanna Kaya im begrünten Innenhof über einer Lagerhalle im Gewerbegebiet zwischen Fühlingen und Langel.

Hanna Kaya im begrünten Innenhof über einer Lagerhalle im Gewerbegebiet zwischen Fühlingen und Langel.

Im Rahmen der städtischen Klimawandelanpassung soll das Förderprogramm „Grün hoch 3“ ausgeweitet werden. Entscheidung in der nächsten Ratssitzung. 

Von außen sieht die Immobilie von Hanna Kaya aus, wie Objekte dieser Art in Gewerbegebieten eben aussehen. Unten Lagerhallen, oben Büros. Viel nackte Fassade und drumherum versiegelte Flächen. Alles ziemlich steril. Und im Sommer ziemlich heiß. Oben, auf dem Dach der Lagerhalle, eingerahmt von den aufgesetzten Büroeinheiten, versteckt sich jedoch ein grünes Paradies. Ein begrünter Innenhof mitten im Gewerbegebiet zwischen Fühlingen und Langel.

Hier möchte man einen Liegestuhl aufstellen und die munter vorbeiziehenden weißen Wolken am blauen Himmel zählen. Im Sonnenschein einen Kaffee trinken, nur das Summen der Hummeln in den bunten Beeten im Ohr. „Hier oben ist es total entspannend und viel kühler als unten“, sagt Immobilien-Eigentümer Kaya. Für den begrünten Dachterrassen-Innenhof hat er die „Grün hoch 3“-Förderung der Stadt Köln in Anspruch genommen.

Förderprogramm der Stadt Köln läuft seit acht Jahren – 1041 Anträge

„Wir wollten nicht den üblichen Büroflächen-Charakter, sondern etwas Ansprechendes für unsere Mieter“, sagt Kaya: „Außerdem tun wir der Umwelt etwas Gutes, wenn wir nicht alles versiegeln.“ Das ist ganz im Sinne der Stadt Köln und ihrer Strategie zur Klimawandelanpassung. Seit Oktober 2018 gibt es das Förderprogramm „Grün hoch 3“. Es werde von den Kölnerinnen und Kölnern gut angenommen, ist aus dem Umweltdezernat zu hören. Aber ganz so groß wie etwa bei der Förderung von Photovoltaik-Anlagen ist das Interesse nicht, der „Grün hoch 3“-Fördertopf der Stadt war bislang am Jahresende nie voll ausgeschöpft.

Es seien 1041 Anträge gestellt worden – 531 Dachbegrünungen mit einer Gesamtfläche von 47.968 Quadratmetern sowie 100 Fassadenbegrünungen, 107 Entsiegelungen und 45 Regenwasserspeicherungen seien realisiert worden, heißt es in einer aktuellen Beschlussvorlage der Stadtverwaltung für den Umweltausschuss am Donnerstag und die nächste Ratssitzung am 2. Juli. Die Verwaltung möchte die Förderung anpassen und erweitern, dafür braucht sie die Zustimmung der Politik. Ziel ist es, noch mehr Kölnerinnen und Kölner für eine Entsiegelung zu begeistern – denn in diesem Jahr geht es um die „Goldene Gießkanne“. Köln befindet sich in einem Wettbewerb mit den Nachbarstädten Düsseldorf und Bonn. Wer bis zum 31. Oktober mehr Fläche entsiegelt, gewinnt.         

Von der Stadt Köln geförderte Fassadenbegrünung an einem Haus in Deutz.

Von der Stadt Köln geförderte Fassadenbegrünung an einem Haus in Deutz.

„Der Klimawandel ist mit zunehmenden Hitzeperioden und vermehrten Starkniederschlägen längst in Köln angekommen. Aktuelle Prognosen zeigen, dass dieser Trend sogar noch zunimmt“, sagt Kölns Umweltdezernent William Wolfgramm. Daher seien Bäume und Grünflächen wichtiger denn je.

In der Arminiusstraße in Köln-Deutz sticht ein Haus hervor, hier klettern eine rote und eine weiße Rose die Fassade empor. Katzenminze, eine Malve und weitere insektenfreundliche Stauden blühen üppig in einem bodengebundenen Hochbeet auf dem Bürgersteig. Es ist nach unten offen, so dass die tiefwurzelnden Rosen sich langfristig auch aus tieferen Schichten mit Wasser versorgen können.

Viel Zuspruch aus der Nachbarschaft für die Fassadenbegrünung in Köln-Deutz

Im vergangenen Juni hat einer der Wohnungseigentümer die Fassadenbegrünung anlegen lassen und schon ein Jahr später freut er sich, wie weit die Rosen bereits gekommen sind. „Das bereichert die ganze Nachbarschaft“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung nennen möchte. Immer wieder blieben Menschen stehen und äußerten sich begeistert, und bisher habe auch noch niemand das Beet mit leeren Bierflaschen oder Zigarettenkippen verunstaltet. Perspektivisch solle das Grün an der Fassade für Abkühlung sorgen, denn im Sommer knallt hier die Sonne mit voller Kraft auf das Haus.   

Insektenfreundliche Farbenpracht im begrünten Innenhof von Hanna Kaya.

Insektenfreundliche Farbenpracht im begrünten Innenhof von Hanna Kaya.

8000 Euro habe die Begrünung der Fassade gekostet, so der Wohnungsbesitzer. Der Zuschuss der Stadt habe sich auf die Hälfte der Summe belaufen. „Ein Glück, dass für so etwas noch Geld da ist“, sagt der Mann. Die Beantragung sei unkompliziert und die Fördersumme schnell auf dem Konto gewesen. Das läuft offenbar besser als bei der städtischen Photovoltaik-Förderung, wo Kölnerinnen und Kölner vermehrt berichten, lange auf ihr Geld warten zu müssen.

Die Förderung einer Dachbegrünung will die Stadt Köln von 40 auf 50 Euro pro Quadratmeter anheben, maximal werden weiterhin 50 Prozent der Kosten beigesteuert. Der „Biologische Bonus“ bei zusätzlichen Maßnahmen zur Erhöhung der biologischen Vielfalt soll von 150 auf 200 Euro (Flächen ab zehn Quadratmetern) und von 300 auf 400 Euro (Flächen von mehr als 50 Quadratmetern) steigen. Das jährliche Gesamtvolumen des Fördertopfes soll bestehen bleiben, eine Mehrbelastung der knappen Kölner Stadtkasse ist also nicht geplant. 

Auch Hanna Kaya berichtet von einer unkomplizierten Abwicklung. Er habe gut 40.000 Euro in die Dachterrassenbegrünung investiert, 12.000 Euro habe die Stadt dazugegeben. Das Plus an Lebensqualität durch das Grün gefällt Kaya so gut, dass er sich für den geplanten Bau einer weiteren Lagerhalle mit Büroflächen und Wohnungen schon vorgenommen hat, dort nicht nur das Dach, sondern auch die Fassade zu begrünen. 

Info-Veranstaltung der Stadt Köln

Zur Klimaanpassung am eigenen Haus informiert die Stadt Köln im Rahmen einer Veranstaltung am Donnerstag, 18. Juni im Stadthaus, Westgebäude, Raum 16 F 43 ab 17 Uhr (Einlass 16.30 Uhr). Der Eintritt ist kostenlos, um Anmeldung wird gebeten: gruenhoch3@stadt-koeln.de