Ein drittes Frauenhaus soll 2028 öffnen. Es bräuchte noch viel mehr – für sie dürfen nicht wieder Jahrzehnte vergehen.
Ausbau von FrauenhäusernDas Schneckentempo ist nicht nur peinlich, es ist verantwortungslos


Jede dritte Frau in Deutschland erlebt körperliche und/oder sexualisierte Gewalt: Eine Bank in Münster macht darauf aufmerksam (Symbolbild).
Copyright: IMAGO/David Ebener
Das Schneckentempo beim Ausbau der Schutzplätze ist nicht nur peinlich: Es ist verantwortungslos.
Jedes Jahr weisen die Frauenhäuser in Köln mehr als 500 Frauen ab, die um Schutz bitten. Gleichzeitig wird jeden dritten Tag eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet.
Es braucht ein Netz an Schutzhäusern, dessen Finanzierung über kommunale Grenzen hinweg gesichert ist. So wird es zurzeit auch debattiert: die Alleinfinanzierung durch das Land ab 2027. Die Kommunen bräuchten dringend Klarheit.
Aus heutiger Sicht scheint die Errungenschaft der Aktivistinnen vor 50 Jahren fast unwirklich. Trotz erheblicher Widerstände eröffneten sie wenige Monate nach ihrer Vereinsgründung das erste Frauenhaus Kölns.
Ein Tempo, das heute utopisch scheint: Stand jetzt werden 23 Jahre seit den ersten Gesprächen vergangen sein, bis Köln ein weiteres Schutzhaus erhalten wird. Dabei braucht Köln nicht nur ein drittes, sondern ein viertes, fünftes und sechstes Frauenhaus.
Auch rechtlich drängt die Zeit für den Ausbau an Plätzen: Das 2025 verabschiedete Gewalthilfegesetz sagt jeder betroffenen Frau und ihren Kindern ab 2032 einen einklagbaren Anspruch auf einen Schutzplatz zu.
Schon ab 2027 sind die Länder verpflichtet, den regionalen Bedarf an Hilfeplätzen systematisch zu erheben. Und ein flächendeckendes Netz an Schutz- und Beratungsangeboten aufzubauen. Viele Frauen auf der Flucht vor Gewalt zieht es eher weg vom Land in die Großstadt, in der es sich durch mehr Jobs und höhere Anonymität oft leichter neu starten lässt. Köln kommt also eine Schlüsselrolle im Schutz von Frauen zu. Es dürfen nicht wieder Jahrzehnte vergehen, bis neue Schutzhäuser folgen.
