Seit drei Jahren sind fünf Turnhallen an Lindenthaler Grundschulen zumindest teilweise nicht nutzbar. Ortstermin an der Albert-Schweitzer-Schule in Weiden.
„Bewegung ist ein Grundbedürfnis“Fünf Lindenthaler Turnhallen seit Jahren teilweise gesperrt

Elke Hackländer, Bettina Spillmann und Janina Buchwald (v.l.) stehen vor dem Schultor der Albert-Schweitzer-Schule in Weiden.
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Der Sportunterricht an der Albert-Schweitzer-Schule findet seit einigen Jahren auf ungewöhnliche Weise statt: Die Viertklässler marschieren einmal wöchentlich zur Padelbox des Tennisklubs Weiden. Die Zweitklässler fuhren eine Weile mit dem Bus zur Soccerhalle nach Lövenich – bis die Stadt kein Busunternehmen mehr fand für die Touren. „Eine vierte Klasse hat auch ein Jahr lang gar keinen Sportunterricht gehabt“, erzählt Janina Buchwald, Mutter zweier Grundschulkinder. Denn die eigene Turnhalle der Schule an der Breslauer Straße ist seit drei Jahren teilgesperrt.

Die Turnhalle an der Grundschule Lohrbergstraße ist ein Sonderfall, da sie durch einen Brand beschädigt wurde.
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Weil der Prallschutz an den Wänden und Rolltore vor dem Geräteraum fehlen, darf sie nicht mehr für Ball- und Laufsportarten genutzt werden. Damit fällt der Sportunterricht für die Grundschulkinder aus. Die Bezirksvertretung Lindenthal hat die Verwaltung gefragt, warum es so lange dauert, bis das Problem behoben ist. Zudem wollte sie wissen, welche anderen Sporthallen im Stadtbezirk Lindenthal ebenfalls gesperrt oder teilgesperrt sind.
Brandschutz-Erfordernisse erschweren den Planungsprozess für die Nachrüstung der Turnhallen
Die Antwort der Verwaltung in der vergangenen Sitzung ergab, dass auch die Grundschulen an der Lohrbergstraße, der Bachemer Straße, der Stenzelbergstraße an der Lindenburger Allee und der Wendelinstraße betroffen sind. Die Turnhalle an der Lohrbergstraße ist ein Sonderfall, da sie durch einen Brand beschädigt wurde. Immerhin fünf Schulen benötigen neuen Prallschutz und Rolltore – und warten seit Jahren darauf. Die Verwaltung gibt auf Nachfrage zu Protokoll, dass sich der Planungsprozess wegen „noch zu klärender Grundlagen“ verzögere.
Unter anderem müsse „wegen der Änderung der Nutzungssituation vor Ort ein neuer Bauantrag gestellt und die brandschutzrechtlichen Voraussetzungen angepasst werden.“ Eine Nutzungsänderung muss beantragt werden, weil die Geräteräume bislang nur durch einen Vorhang von der Halle abgetrennt sind, es sich nach Einbau der Tore aber um geschlossene Räume handelt. Dann müssen auch brandschutzrechtliche Regeln beachtet werden, wie das Erfordernis eines zweiten Rettungswegs.
Verwaltung: „Grundlagen müssen geklärt werden“
Die Bezirkspolitik ist mit der Antwort der Verwaltung allerdings nicht zufrieden. Sie vermisse Transparenz, sagt Bettina Spillmann (CDU), die Auskunft, welche Grundlagen geklärt werden müssen und warum es so lange dauert, einen Bauantrag für die Nutzungsänderung zu stellen. Auf erneute Nachfrage bei der Stadtverwaltung, wird die Ursache des Problems nicht klarer: „Bau- und verfahrenstechnische Komplikationen in der ersten Planungsphase haben eine grundlegende, zeitintensive Überarbeitung der gesamten Ausschreibungsunterlagen notwendig gemacht“, schreibt eine Sprecherin der Stadt. Aus einem scheinbar simplen Prozess sei ein umfangreiches Projekt mit komplexeren behördlichen Auflagen geworden. Ziel sei es jedoch, die Rolltore zeitnah neu auszuschreiben.
Janina Buchwald wurde eine mögliche Ursache des Problems zugetragen: „Man fand wohl zunächst keinen Anbieter, weil der Auftrag, einige Tore für eine Halle zu liefern, zu gering war“, sagt sie. Man hätte nur ein Angebot gehabt, habe aber drei benötigt, um die Regeln bei der Ausschreibung zu befolgen. Nun sei man dazu übergegangen, ein Paket für alle Schulen auszuschreiben. Ärgerlich sei auch, dass die Turnhallen in den Jahren 2018/2019 schon einmal längere Zeit gesperrt gewesen seien, weil der Boden saniert werden musste.
Spillmann ärgert das: Man hätte schon bei der Bodensanierung die gesamte Halle betrachten und die Ausschreibung für die Rolltore auf den Weg bringen und die Nutzungsänderung beantragen können, sagt sie. Die zweite Vorsitzende des Fördervereins der Schule und Schülermutter Elke Hackländer findet die dauerhafte Sperrung ebenfalls nicht tragbar: „Bewegung ist ein Grundbedürfnis“, betont sie. „Es gibt immer mehr übergewichtige Kinder. Die Stadt bewirbt sich als Austragungsort für Olympia. Wir können doch nicht die weite Welt einladen und unsere eigenen Grundschulkinder vergessen.“
