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150 aus 150Sibille Hartmann war Gründungsmitglied der CDU

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Archivbild von Sibille Hartmann

Sibille Hartmann war eine langjährige engagierte Stadträtin.

Sie war als einzige Frau maßgeblich an der Formulierung der „Kölner Leitsätze“ der Partei beteiligt und rief die Frauenvereinigung der CDU ins Leben.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 118. Teil der Serie geht es um die Politikerin Sibille Hartmann.

Bedeutung

Sibille Hartmann war eine langjährige engagierte Stadträtin. Als sie neun Jahre alt war, starb ihre Mutter. Mit fünf Geschwistern und einem kranken Vater lebte sie in bitterer Armut. Neben ihrer Arbeit in einer Fabrik nähte sie zu Hause Schirme. Sie wurde Mitglied in der Jugendorganisation der katholischen Zentrumspartei und kam so zu einem Fortbildungskurs. Dieser ermöglichte ihr eine Anstellung als Gewerkschaftssekretärin.


Sibille Hartmann

Geboren: 19. Februar 1890 in Köln

Gestorben: 23. September 1973 in Köln


Während des Ersten Weltkriegs arbeitete sie als Betriebsfürsorgerin bei den Städtischen Bahnen. 1916 protestierte sie mit anderen Frauen vor dem Rathaus gegen ungenügende Lebensmittelverteilung. Sie errang die Aufmerksamkeit des damaligen Beigeordneten Konrad Adenauer, der ihr Gelegenheit zur Mitarbeit in dem zuständigen Ausschuss gab. Hartmann dankte es ihm durch eine lebenslange Verbundenheit, trat aber in Sachfragen ihm gegenüber, zu seiner stillen Bewunderung, energisch auf.

Wirken in Köln

Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete sie beim Arbeitsamt, wo sie sich um arbeitslose Frauen kümmerte. Bei der ersten Stadtratswahl unter Beteiligung von Frauen erhielt Hartmann 1919 ein Mandat als erste Stadtverordnete des Zentrums. 1933 musste sie nach der Auflösung des Zentrums ihr Mandat niederlegen. Während der NS-Diktatur unterstützte sie im Verborgenen Verfolgte und wurde 1944 verhaftet.

Am 17. Juni 1945 gründete sie im Kolpinghaus mit 17 anderen Kölnerinnen und Kölnern die CDU. Sie war als einzige Frau maßgeblich an der Formulierung der „Kölner Leitsätze“ der Partei beteiligt und rief die Frauenvereinigung der CDU ins Leben. 1946 wurde sie wieder in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Die streitbare Sozialpolitikerin kämpfte energisch für die kommunalen Sozialeinrichtungen. Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ war sie im Rat „eine der kölschesten Figuren“. Loslassen konnte sie nicht, 1969 stellte die CDU sie nicht mehr für die Kommunalwahl als Kandidatin auf.

Bemerkenswert

1957 eröffnete in Mülheim das erste von ihr entwickelte „Kinderhaus“, in dem Pflegemütter mit mehreren Kindern als Alternative zum Waisenhaus lebten.

Spuren in der Stadt

In Zollstock erinnert eine Straße an sie.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.