Köln erwartet mehr als vier Milliarden Euro Verlust bis 2031 – das trifft viele Menschen. Hier schildern einige, was das für sie heißt.
Kölner FinanzkriseJetzt sprechen die Betroffenen – „Trifft meistens die Schwächsten“

Die Geschäftsführer des Bürgerzentrums Alte Feuerwache im Agnesviertel: Gregor Kirchner und Anke Schmitz-Traoré.
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Gisela Neumann, Sozialpädagogin in der Beratungsstelle Frauen gegen Erwerbslosigkeit

Gisela Neumann berät Frauen in der Erwerbslosigkeit.
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„Die institutionelle Förderung für Frauenprojekte wurde gestrichen und das würde für uns die Schließung bedeuten. Das betrifft die ganze Verwaltungsarbeit im Hintergrund, Kosten für Personal, Miete, Bürobedarf, Telefon – also die Grundlage, dass wir überhaupt existieren können. Die ganze Infrastruktur, die mühsam über 30, 40 Jahre aufgebaut worden ist und eigentlich gut funktioniert hat in Köln, würde komplett entfallen.
Für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, für Frauen, die von Armut betroffen sind, für Migrantinnen, für Alleinerziehende und Seniorinnen. Ich arbeite auch im Förderprogramm Borea der Stadt Köln, für das ebenfalls die Hälfte der Mittel gekürzt worden ist, im Rahmen des Beratungsnetzes der Erwerbslosenberatungsstellen und Arbeitslosenzentren.
Damit wird die Erwerbslosenberatung für Frauen gefährdet. Gerade in Zeiten, in denen Gewalt und Armut an Frauen immer mehr zunehmen, dürfen Unterstützungsmöglichkeiten nicht gestrichen werden.“
Lars Hüttler, Geschäftsführer Kinderschutzbund Köln

Lars Hüttler vom Kinderschutzbund Köln, Geschäftsführer
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„Die Zuwendungen für die Familienberatung bei freien Trägern ist auf dem gleichen Niveau fortgeschrieben worden. Die tariflichen Lohnsteigerungen der letzten Jahre verursachen bei uns aber schon Steigerungen von über zehn Prozent. Ohne eine höhere Zuwendung werden wir in den kommenden zwei Jahren finanziell vor eine Wand fahren. Für die Personalaufwendungen der städtischen Beratungsstellen wird im Übrigen eine Steigerung eingestellt, was ja absolut richtig und notwendig ist, aber eine ungleiche Behandlung uns gegenüber freien Trägern bedeutet – für dieselbe Dienstleistung.“
Jens Röskens, Vorstand für das Thema Sozialpolitik beim Sozialdienst Katholischer Männer (SKM)

Der SKM ist Träger von über 70 ambulanten und stationären Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sowie der Gesundheits- und Integrations- und Obdachlosenhilfe.
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„Wir wissen um die enormen finanziellen Herausforderungen, vor denen die Stadt Köln steht. Doch der vorliegende Haushaltsentwurf trifft das soziale Köln hart. Die geplanten Streichungen und Kürzungen gefährden wichtige Angebote und Unterstützungsstrukturen beim SKM Köln. Auch das Einfrieren vieler Zuschüsse bedeutet angesichts stetig steigender Personal-, Sach- und Betriebskosten faktisch eine weitere Kürzung. Bereits seit Jahren werden viele Leistungen nicht mehr angemessen gefördert.
Für uns als sozialen Träger ist das eine erhebliche Belastung: Die Kosten steigen, die Zuschüsse bleiben unverändert. In der Konsequenz werden Träger gezwungen sein, Leistungen einzuschränken oder Angebote vollständig einzustellen. Die Folgen werden wir als Gesellschaft in der Zukunft spüren. Eine verlässliche und leistungsfähige soziale Infrastruktur ist unverzichtbar, damit Köln sozial bleibt und Menschen in schwierigen Lebenslagen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Soziale Arbeit kann die Herausforderungen von morgen nicht dauerhaft mit den Mitteln von gestern bewältigen.“
Christiane Hartmann, Leiterin der James-Krüss-Grundschule in Ostheim

Christiane Hartmann ist Schulleiterin der James-Krüss-Grundschule.
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„Wir fürchten, dass es zu erheblichen Kürzungen kommen kann. Wir haben die Sorge, dass Investitionen in den Schulbau oder Sanierungen nicht nur aus organisatorischen Gründen auf die lange Bank geschoben werden könnten. Es gibt einerseits derzeit einen enormen Druck, der auf dem Schulträger lastet, andererseits muss die Stadt einen ordnungsgemäßen Betrieb an den Schulen gewährleisten. Das steht im Moment in einem Spannungsverhältnis. Ich befürchte, dass wir Restmittel vielleicht nicht mehr vollständig ins Folgejahr übertragen könnten.
Eine Schuljahresplanung und auch eine längerfristige Mittelverwendung wären dann nicht mehr möglich. Andererseits ist bereits das Projekt „Klasse“ ausgelaufen. Im Rahmen dieses Projektes wurden die Schulen angehalten, möglichst viel Müll einzusparen, und konnten die Hälfte der eingesparten Summe zusätzlich zum normalen Schulbudget selbstständig verwenden. Die Einrichtung hat damit unter anderem die steigenden Kosten für Druckmaterial bezahlt.“
Gregor Kirchner und Anke Schmitz-Traoré, Geschäftsführer des Bürgerzentrums Alte Feuerwache

Die Geschäftsführer des Bürgerzentrums Alte Feuerwache im Agnesviertel: Gregor Kirchner und Anke Schmitz-Traoré.
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„Wir als Alte Feuerwache Köln reagieren mit großer Sorge auf die darin vorgesehenen Kürzungen – für das eigene Haus, die Bürgerzentren und freie Szene der Stadt insgesamt.
Nach dem vorliegenden Entwurf sollen die kommunalen Zuschüsse der Alten Feuerwache (wie für alle anderen Zentren) im Jahr 2028 um rund 29 Prozent gekürzt werden. Eine Kürzung in dieser Höhe gefährdet den Großteil der pädagogischen, kulturellen und partizipativen Angebote. Der mögliche Wegfall von freien Projektgeldern trifft das Haus darüber ebenfalls massiv, da ein Großteil der inhaltlichen Arbeit durch Projektanträge finanziert wird. Zudem ist geplant, die Gelder für die Ehrenamtskoordination der freien Träger vollständig zu streichen.
Kürzungen in dieser Höhe gefährden die Stabilität und den Fortbestand des Hauses und treffen vorrangig die Schwächsten in unserer Gesellschaft – Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren und Seniorinnen und Geflüchtete –, die keine Stimme in unserer Gesellschaft haben.
Die Alte Feuerwache trägt schon heute über die Hälfte ihrer Betriebskosten durch eigene Anstrengungen, Vermietungen und eingeworbene Projektmittel. Dieser Spielraum ist nach Jahren steigender Kosten – bei Energie, Personal und laufendem Betrieb – weitgehend ausgeschöpft. Kürzungen in dieser Größenordnung lassen sich nicht mehr durch Effizienzsteigerungen auffangen, sondern gehen unmittelbar zulasten der Angebote für Kinder, Jugendliche, junge Frauen und Queers, für geflüchtete Menschen und für die vielen selbstorganisierten politischen und kulturellen Gruppen im Haus.
Die Alte Feuerwache fordert die Rücknahme der geplanten Kürzungen der institutionellen Förderungen und Projektmittel der freien Szene.
