Seit mindestens zwei Jahren hat Crack Heroin als dominierende Droge in der harten Drogenszene in Köln abgelöst. Was das bedeutet.
Verelendung auf Kölns PlätzenWie Crack die Drogenszene flutet

Am Neumarkt, am Friesenplatz oder wie hier in der Südstadt: Die Lage in der offenen Drogenszene Kölns hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch zugespitzt. (Archivbild)
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Am Neumarkt, am Friesenplatz oder am Appellhofplatz: Die Lage in der offenen Drogenszene Kölns hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch zugespitzt. Viele Experten machen dafür die Droge Crack verantwortlich.
Seit mindestens zwei Jahren hat Crack Heroin als dominierende Droge in der harten Drogenszene in Köln abgelöst. Das geht unter anderem aus einer Befragung im Auftrag des NRW-Gesundheitsministeriums in der Szene rund um den Neumarkt hervor. Demnach gaben 54 Prozent der Befragten an, in den vergangenen 24 Stunden Crack geraucht zu haben; Heroin hatten 51 Prozent konsumiert. 2023 lag der Anteil der Crack-Nutzer bei einer vergleichbaren Befragung noch bei 21 Prozent. Ähnliche Entwicklungen werden auch aus anderen deutschen Städten berichtet.
Crack macht extrem schnell abhängig
Crack wird aus Kokain hergestellt und meist als „Stein“ in einer Pfeife geraucht. Im Vergleich zu Kokain ist die Droge günstiger, wirkt deutlich schneller und intensiver – und sie macht extrem schnell abhängig.
Im Unterschied zu Heroin, das eher dämpfend wirkt, ist Crack ein stark stimulierendes Mittel. Die Wirkung hält oft nur kurz an und flacht rasch ab. Für Abhängige entsteht dadurch ein starker Druck, schnell nachzulegen – teils viele Male am Tag. Das ist auch ein Grund, warum Konsumräume seltener aufgesucht werden und stattdessen häufiger im Freien geraucht wird. Die gesundheitlichen und psychischen Schäden können erheblich sein.
„Die Dynamik ist bei Crack eine völlig andere als bei Heroin. Bei Heroin wird über den Tag verteilt vier- bis fünfmal konsumiert, es hat eher sedierende Wirkung. Die Leute sind eher in der Lage, einen Tagesrhythmus aufrechtzuerhalten. Bei Crack konsumieren die Leute zehn, 15, 20-mal am Tag, dadurch auch öfter im öffentlichen Raum, es ist stimulierend, es gibt mehr Aggressionen“, sagte der Suchtexperte Daniel Deimel im vergangenen Jahr.
Ein ehemaliger Abhängiger beschrieb die Wirkung gegenüber dieser Redaktion so: „Du fühlst dich wach und glücklich. Als ob die Welt dir gehört. Aber das Verlangen nach dem nächsten Stein ist enorm. Es ist, als ob du dich in einem Käfig befindest. Du kommst da nicht mehr heraus, kannst an nichts anderes mehr denken.“
Erschwerend kommt hinzu: Für Crack gibt es bislang keinen etablierten Ersatzstoff, der die Behandlung erleichtern könnte – anders als in der Opiattherapie. Die Stadt Köln will sich allerdings an einem Modellprojekt zur Abgabe eines Crack-Ersatzstoffs beteiligen. Als Option wird etwa das ADHS-Medikament Lisdexamfetamin genannt. Gleichzeitig bestehe noch „umfassender Klärungsbedarf“ zu rechtlichen Rahmenbedingungen, unter anderem im Betäubungsmittelrecht. Auch die Finanzierung des Modellprojekts ist bislang offen, hieß es im vergangenen Jahr.
Als Treiber der schnellen Verbreitung nennen Experten zudem die sogenannte Kokain-Schwemme: Seit einigen Jahren gelangt deutlich mehr Kokain auf den europäischen Markt – was Crack indirekt billiger, verfügbarer und damit präsenter macht.
