Köln ist in der neuen Saison mit drei Clubs im bezahlten Fußball vertreten – einmalig in Deutschland.
Nach dem Fortuna-AufstiegWarum Köln die Hauptstadt des Fußballs ist

Ausgiebig feierten die Spieler von Fortuna Köln den Aufstieg am Wochenende.
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Das sieht man am Rande des Südstadions nicht alle Tage. Ein Fan geht unruhig vor dem Eingang auf und ab, in seinen Händen ein Schild mit der Aufschrift „Suche Karte“. Beim Spiel gegen die Sportfreunde Siegen war der Heimbereich ausverkauft. Viele, die man schon länger nicht an der Vorgebirgstraße gesehen hatte, wollten mit der Fortuna die Rückkehr in die Dritte Liga feiern. Weil dies gelang, wird Köln in der kommenden Saison mit gleich drei Clubs im bezahlten Fußball vertreten sein: neben dem FC und Viktoria Köln nun auch die Fortuna. Und weil das keine andere deutsche Stadt von sich behaupten kann, ist Köln die Hauptstadt des Fußballs.
Große Duelle mit dem 1.FC Köln
Die Rivalität zwischen den drei Clubs ist unterschiedlich ausgeprägt. Der FC in Müngersdorf gratuliert im Fall sportlicher Erfolge den Clubs wie aktuell gönnerhaft und wohlwollend. Man freue sich, dass Köln nun mit einem weiteren Verein in der Dritten Liga vertreten ist, sagte Vize-Präsident Ulf Sobek. „Das ist ein wichtiges Zeichen für die Sportstadt Köln.“ Dabei haben sich beide Clubs zwischenzeitlich auf Augenhöhe bewegt. Kurz vor der Jahrtausendwende spielten sowohl der FC als auch die Südstädter in der Zweiten Liga gegeneinander: Die Fortuna gewann drei der vier Spiele. Mit dabei war 1999 Dirk Lottner, der für Fortuna Köln sechs Jahre lang in der Zweiten Liga gespielt hatte, aber in dieser Zeit für den FC auflief. Beim 3:0-Heimsieg schoss er zwei Tore.

Das Südstadion ist die Heimstätte von Fortuna Köln
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„Die Rivalität war immer da, aber sie war in Köln nie so groß wie in Hamburg, wenn heute der HSV und St. Pauli aufeinandertreffen“, sagt er. Lottner (54) ist seit vier Jahren in Hannover tätig, wo er die U19 betreut. In Köln ist der FC so dominant, da war nie Platz für einen großen zweiten Club. „Das liegt vor allem an den Stadien. Das Südstadion ist nicht mehr zeitgemäß, niemand will im Herbst weit weg vom Spielfeld in der Kurve stehen und sich nassregnen lassen.“ Er habe als Fortuna-Spieler selbst immer neidisch auf die Zuschauerzahlen des FC geschaut. Witziger Fakt: Von den zwölf Pflichtspielen gegeneinander konnten beide Teams jeweils fünf gewinnen, zwei endeten unentschieden.
Zum FC pilgern jede zweite Woche 50.000 Fans
Heute pilgern jede zweite Woche 50.000 Menschen zu den Spielen des FC, das Stadion ist zuverlässig ausverkauft. Das sieht bei Viktoria Köln ganz anders aus. In dieser Spielzeit kamen im Schnitt 4356 Besucher zu den Partien nach Höhenberg. In der Rangliste der Dritten Liga bedeutet dies Platz 14 von 20 Teams. Oft sind es die Gastmannschaften, die den Sportpark im Rechtsrheinischen voll machen. Traditionsklubs wie 1860 München, Hansa Rostock oder zuletzt Alemannia Aachen bringen meist mehr Fans mit als die heimische Viktoria. Das dürfte bei dem neuen Drittliga-Rivalen Fortuna nicht anders aussehen. Im Südstadion sind auch in der zurückliegenden Erfolgssaison noch viele Plätze freigeblieben. Im Schnitt kamen 2888 Besucher, das war der zweithöchste Zuspruch aller Viertligisten. Auch in der nächsthöheren Liga dürften die Besucher aber nicht das Südstadion stürmen.

Das Rhein-Energie-Stadion ist bei fast jedem Spiel ausverkauft.
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Die Spieler selbst hoffen auf eine neue Euphorie beim frisch gebackenen Drittligisten. Nach dem Abpfiff am Samstag legte sich Robin Afamefuna mit ausgestreckten Armen auf den Rasen des Südstadions. Sekunden später hatte die halbe Mannschaft ihn schreiend unter sich begraben. „Mir ist kurz die Luft weggeblieben. In dem Moment ist der ganze Druck der Saison abgefallen, die Freude war unbeschreiblich“, sagt der Kapitän von Fortuna Köln zwei Tage nach dem Aufstieg in die Dritte Liga.
Fortuna feierte auf der Friesenstraße
Die Aufstiegsparty nach dem 2:1-Sieg gegen Siegen startete am Samstagnachmittag mit Fans im Vereinsheim. Später feierten Mannschaft und deren Frauen und Familien weiter im Heising & Adelmann auf der Friesenstraße, wo auch der 1. FC Köln gern absteigt, wenn es etwas zu begießen gibt. „Bei einigen ging es recht lang – die Regeneration dauert etwas länger, das haben sich alle verdient“, sagt Afamefuna.

Viktoria Köln ist im Sportpark Höhenberg zuhause.
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Bis Mittwoch hat Trainer Matthias Mink der Mannschaft freigegeben. „Ab dann startet unsere Vorbereitung für das Pokalfinale“, so Afamefuna. „Die Vorfreude ist riesig – wir wollen nicht nur die Meisterschaft, sondern unbedingt auch den Pokal.“ Einen besonderen Stellenwert hat das Finale um den Mittelrheinpokal für Fortuna Köln nicht nur, weil der Sieger sich für den DFB-Pokal qualifiziert und jeder Erstrundenteilnehmer knapp 212.000 Euro erhält – es geht auch noch gegen den Erzrivalen: Viktoria Köln wird am 23. Mai im Sportpark Höhenberg die Fortuna empfangen. „Viktoria ist der Favorit – aber wir werden alles daransetzen, um das Spiel zu gewinnen“, sagt Afamefuna.
Viktoria freut sich auf die Derbys
Zwischen den neuen Liga-Konkurrenten ist die Rivalität deutlich größer als zum übermächtigen FC. Eingefleischte Fans vermeiden traditionell, den Namen des konkurrierenden Clubs auch nur zu erwähnen. Viktoria-Sportvorstand Franz Wunderlich gratulierte am Wochenende: „Wir freuen uns auf die beiden Derbys.“

Aachener Fans im Sportpark Höhenberg.
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Für Oliver Seeck (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses, ist der Fortuna-Aufstieg ein starkes Signal für den gesamten Sportstandort Köln. Besonders freue es ihn, dass der zukünftige Drittligist auch im Kinder- und Jugendbereich sowie im Mädchen- und Frauenfußball seit Jahren „kontinuierlich starke Arbeit“ leiste. Seeck: „Dieses Engagement ist von großer Bedeutung für die Entwicklung des Sports in Köln und verdient höchste Anerkennung.“ Der Aufstieg der Fortuna, der gesicherte Mittelfeldplatz der Viktoria in der Dritten Liga sowie der Verbleib des 1. FC Köln in der ersten Bundesliga zeigten eindrucksvoll, welche sportliche Qualität und Vielfalt Köln zu bieten habe.
Pläne für den Ausbau im Südstadion
Die Planungen für den Jean-Löring-Sportpark müssten laut Seeck im Sinne der Fortuna weiterverfolgt werden. Durch Sanierungsarbeiten sowie den Einbau einer Rasenheizung vor rund zehn Jahren entspricht das 1978 erbaute Südstadion den Anforderungen an die Dritte Liga – mit einer Ausnahme: Bei der Flutlichtanlage muss nachgerüstet werden. „Die Anforderungen für Fernsehübertragungen haben sich im Vergleich zur letzten Drittligazugehörigkeit verändert“, sagt Lukas Wachten, Sprecher der Kölner Sportstätten. Die städtische Tochtergesellschaft ist Betreiberin des Südstadions.

Robbie Williams Ehrenmitglied bei Fortuna Köln, 2023
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Ein großes Bauvorhaben kommt seit April 2025 nicht richtig voran: So soll das Südstadion über dem Bereich Stehplatz-Mitte auf der Gegentribüne überdacht werden. Derzeit laufen Gespräche mit Sponsoren über die Finanzierung des Vorhabens, ebenso lotet der Verein mögliche Fördermittel aus. Wie Fortuna-Vizepräsident Jürgen Drolshagen gegenüber dieser Zeitung berichtete, muss der Verein als Mieter die Kosten in Höhe von 750.000 Euro tragen – nicht die Kölner Sportstätten. „Ein Dach ist keine Vorgabe für die Dritte Liga, daher geschieht der Bau auf Wunsch der Fortuna“, so Wachten.
Ein Dach ist keine Vorgabe für die Dritte Liga.
Sorgen bereitet der Vereinsführung auch die Parkplatzsituation bei Heimspielen, wenn in der Dritten Liga vermehrt fanstarke Clubs wie der Zweitliga-Absteiger Preußen Münster nach Zollstock kommen. Schon in der Regionalliga waren die Zustände mitunter prekär, und die Parkplätze auf dem benachbarten Aschenplatz belegt. Ausweichmöglichkeiten sind begrenzt. Um ein Verkehrschaos im Zwei-Wochen-Rhythmus zu vermeiden, wird auch hier nach Lösungen gesucht. Nach Worten von Fortuna-Präsident Hanns-Jörg Westendorf gab es bereits Gespräche mit Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD).
Der ist regelmäßig bei der Fortuna. Er sagte am Montag: „Ich habe lange in der Südstadt gewohnt und wohne auch heute nur einige hundert Meter vom Südstadion entfernt. Daher verbinde ich mit der Fortuna viele persönliche Erinnerungen. Die persönliche Atmosphäre, die Tradition, aber auch das besondere Engagement und der Fokus des Vereins auf die Jugendförderung machen dieses besondere Flair der Fortuna aus. Deshalb verdient sie es zurück im Profifußball zu sein. ,Der Schäng’, Jean Löring, wäre stolz auf diesen Aufstieg und diese Mannschaft.“ Der OB vergaß nicht zu erwähnen, dass er auch die Spiele der Viktoria und des FC regelmäßig besuchen werde.
Gefreut haben sich mit der Fortuna am Samstag auch zwei berühmte Ehrenmitglieder: Popstar Robbie Williams war im Jahr 2023 am Rande eines Auftritts in der Lanxess-Arena Ehrenmitglied des Vereins geworden (Mitgliedsnummer 1974, sein Geburtsjahr). Seit vergangenem Jahr ist Star-Tenor Plácido Domingo Ehrenmitglied des Vereins (Mitgliedsnummer 1941). Domingo hatte mit signierten Fußbällen im Jahr 2003 geholfen, den Südstadt-Verein vor der Insolvenz zu retten.
Auf Wechsel zwischen den Kölner Vereinen lag schon immer ein besonderes Gewicht: Trainer bei Fortuna Köln, die auch beim FC unter Vertrag standen, waren Bernd Schuster (1997/98), Toni Schumacher (1998/99) und Hannes Linßen (Spieler und Trainer bei Fortuna Köln und Co-Trainer sowie Sportdirektor beim 1. FC Köln). Spieler, die für beide Clubs spielten, waren Stephan Engels, Uwe Fuchs, Thomas Bröker, Wolfgang Rolff, Matthias Scherz, Tony Woodcock, Anthony Baffoe und Dirk Lottner. Lottner war auch Co-Trainer beim 1. FC Köln 2010–2011 und 2012.
Der wohl bekannteste Spieler, der beim FC, aber auch für Viktoria spielte, ist Shooting-Star Said El Mala. Auch sein Bruder Malek war für beide Clubs aktiv. Dies gilt auch für Carl-Heinz Rühl, Marcel Risse, Mike Wunderlich und Herbert Dörner - er spielte erst für Viktoria (damals Preußen Dellbrück) und wechselte später zum 1. FC Köln, wo er Nationalspieler wurde.
