Die Stadt Köln und die KVB stehen vor einer großen Investition. Die Sonderhaltestelle muss auch für Hochrisikospiele gerüstet sein.
Mehr als 40 Millionen EuroWarum der Umbau der KVB-Haltestelle am Kölner Stadion so teuer wird

Die Sonderhaltestelle am Rhein-Energie-Stadion steht vor einem Umbau.
Copyright: Alexander Schwaiger
Insbesondere bei Fußballspielen des 1. FC Köln halten die Bahnen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) am Rhein-Energie-Stadion in Müngersdorf an einem überdachten Sonderbahnsteig. Dieser befindet sich hinter einer großen Abstellanlage und somit deutlich näher am Stadion als die reguläre Haltestelle für die Bahnen der Linie 1. Die Stadt Köln und die KVB wollen die Anlage jetzt aufwendig umbauen und dafür bis zu 41,2 Millionen Euro ausgeben.
Da auf der sogenannten Ost-West-Achse, auf der die Bahnen der Linie 1 unterwegs sind, in Zukunft neue, 90 Meter lange Stadtbahnen fahren sollen, ist es notwendig, sämtliche Bahnsteige entlang der Trasse zu verlängern – also auch den Sonderbahnsteig am Stadion. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Wie teuer ist das Projekt im Vergleich?
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Sehr teuer. Zum Vergleich: Die Bahnsteigverlängerungen an 17 Haltestellen der Linien 4, 13 und 18 sollen insgesamt 11,2 Millionen Euro kosten, also knapp ein Viertel der prognostizierten Kosten für die Sonderhaltestelle am Rhein-Energie-Stadion.
Wer bezahlt die Umbaukosten?
Die Stadt Köln trägt 70 Prozent der Kosten, die KVB 30 Prozent – so ist es im Stadtbahnvertrag festgehalten. Für den ohnehin stark angeschlagenen städtischen Haushalt würde das eine Belastung von 29,4 Millionen Euro bedeuten. Mit den Einnahmen aus der Stadionpacht ließe sich das nur über mehrere Jahre hinweg finanzieren: Der 1. FC Köln zahlte ausweislich des Geschäftsberichts der Kölner Sportstätten für das Jahr 2023 als Erstligist eine Pacht in Höhe von rund 8,5 Millionen Euro.

Die Sonderhaltestelle am Stadion befindet sich hinter einer großen Abstellanlage.
Copyright: Alexander Schwaiger
Warum kostet der Umbau am Stadion so viel Geld?
Das hängt zum einen damit zusammen, dass vor Ort nur wenig Platz zur Verfügung steht, der bestehende Bahnsteig laut der KVB aber um 48 Meter verlängert werden müsste. Da die in Zukunft zum Einsatz kommenden Langzüge über einen maximalen Türabstand von 77 Meter verfügen, benötigt das Unternehmen Bahnsteige mit einer Nutzlänge von mindestens 80 Metern. Zum anderen gelten vor Ort besonders hohe Anforderungen an die Sicherheit. Der Bahnsteig ist in zwei Bereiche unterteilt, damit die Polizei Heim- und Gästefans bereits an der Haltestelle voneinander trennen kann. Gästefans werden zu dem östlich gelegenen Bahnsteig geleitet, während Fans des 1. FC Köln den westlich gelegenen Bahnsteig nutzen. Das ist vor allem bei Hochrisikospielen – also Begegnungen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Ausschreitungen – der Fall. Eine einfache Verlängerung der Bahnsteige ist laut der KVB nicht möglich, weshalb ein zweiter Bahnsteig neu gebaut werden soll. Das wiederum würde es notwendig machen, auch das vorhandene Technik- und Aufenthaltsgebäude abzureißen und neu zu bauen, in dessen erster Etage sich ein Leitstand befindet.
Warum lässt sich der vorhandene Bahnsteig nicht einfach verlängern?
Würde die KVB den Bahnsteig 48 Meter in Richtung der Innenstadt verlängern, müsste auch die Gleiskreuzung um knapp 23 Meter verschoben werden. Die Verlängerung des Bahnsteigs würde dann auch eine Erweiterung der von der Haltestelle abgehenden Gleisanlage in das angrenzende, bewaldete Landschaftsschutzgebiet notwendig machen. Dieses befindet sich auf einer Anhöhe und liegt sechs Meter oberhalb der Aachener Straße. Die KVB hält es für unwahrscheinlich, dafür eine Genehmigung zu erhalten. Und auch eine Verlängerung um 48 Meter in Richtung Junkersdorf schließt das Unternehmen aus. Denn dann müsste das benachbarte Park-and-Ride-Parkhaus abgerissen werden, und auch die reguläre Stadion-Haltestelle der Linie 1 müsste dann wegfallen. Bei einer Verlängerung in beide Richtungen um jeweils 24 Meter kämen laut der KVB beide Probleme zum Tragen: Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet und Wegfall oder aufwendige Verlegung der regulären Haltestelle.
Was planen Stadt Köln und KVB nun?
Angesichts der zahlreichen Nachteile einer Verlängerung des bestehenden Bahnsteigs soll ein zusätzlicher, ebenfalls überdachter Bahnsteig gebaut werden, damit dort zwei Stadtbahnen gleichzeitig halten können. Zur besseren räumlichen Trennung der dann gegenüberliegenden Bahnsteige sollen diese möglichst weit versetzt zueinander angeordnet werden. Das zweigeschossige Technik- und Aufenthaltsgebäude der KVB müsste aufgrund der Lage des neuen Bahnsteigs ebenfalls neu errichtet werden. In der oberen Etage soll laut der KVB wieder ein Leitstand eingerichtet werden. Neu hinzukommen soll eine mit dem Gebäude verbundene Überwachungsbrücke, die über die Bahnsteige und Bahngleise führt. Dann wären die Bahnsteige durch das KVB-Betriebspersonal und weitere Einsatzkräfte, wie etwa die Polizei, vollständig einsehbar. Es gibt drei Varianten, wie genau der Zugang zum neuen Bahnsteig aussehen könnte. Je nachdem, für welche Lösung sich die Politik entscheidet, ließen sich noch einmal bis zu 7,5 Millionen Euro einsparen.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Politiker im Stadtrat sollen in der nächsten Sitzung am 5. Februar zunächst beschließen, ob die Stadt Köln und die KVB für 1,5 Millionen Euro ein externes Büro mit der Planung des Umbaus beauftragen sollen. Vor dem tatsächlichen Umbau muss die Politik dann noch einen weiteren Planungs- und schließlich einen Baubeschluss absegnen, in dem auch eine konkrete Kostenschätzung für die bis dahin gewünschte Variante enthalten sein wird. Die Bauarbeiten sollen laut Schätzung der KVB frühestens im Jahr 2029 beginnen.

