KommentarWas derzeit in vielen Kölner Seniorenheimen passiert, ist Freiheitsberaubung

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Gespräche durch eine Plexiglasscheibe: Alltag in vielen Seniorenheimen in NRW.

  1. Die Isolation alter Menschen in Pflegeheimen in Köln könnte beendet werden, wird sie aber in vielen Fällen nicht.
  2. Die Heimleitungen können selbst entscheiden, wie und in welchem Rahmen sie die NRW-Schutzverordnung umsetzen.
  3. Unsere Autorin vermisst klare Ansagen des Landes.

Köln – Während Deutschland grübelt, wo man trotz Corona den Sommerurlaub verbringen kann, sitzen alte Menschen in den Pflegeheimen nach zwei Monaten Isolation in Besucherzimmern hinter Plexiglas. Dahinter sehen sie vielerorts nur einmal pro Woche ihre Lieben. Das, was in vielen Heimen passiert, ist Freiheitsberaubung. 

So richtig es war, während des Lockdowns Senioren abzuschotten, so notwendig ist es nun, einen ethischen Umgang mit dem Corona-Normalmodus zu finden und Gesundheitsschutz gegen Menschenwürde abzuwägen. Eine NRW-Schutzverordnung, die maximale Besuchsrechte definiert, den Heimleitungen aber freistellt, wie viel sie davon umsetzen, ist ihr Papier nicht wert. Es braucht klare Ansagen des Landes.

Kirchen müssen sich zu Wort melden

Genauso wie regelmäßige präventive Tests von Personal und Bewohnern, die es den Heimleitungen ermöglichen, die Öffnungen mit vertretbaren Risiken durchzuführen. Die Politik zeigt ja in den Krankenhäusern, dass es geht: Dort gibt es Tests und tägliche Besuche am Krankenbett.

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Die Schwächsten haben keine Lobby. Fürsprecher sollten gerade bei diesem Thema die Kirchen sein, die als Träger vieler Heime Einfluss haben. Während der Krise blieben sie still, als es etwa um die Abschottung Sterbenskranker ging. So, wie sich die Kirchen für die Wiederaufnahme von Gottesdiensten engagiert haben, sollten sie sich jetzt auch für das Selbstbestimmungsrecht von Menschen einsetzen, die am Ende ihres Lebens stehen. 

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