Eine Million Euro Betriebskosten pro Jahr könnte das finanziell unter Druck stehende Museum gar nicht stemmen.
Wegen KostenexplosionEinrichtung des Fotoarchivs im Rautenstrauch-Joest-Museum nach 16 Jahren gestoppt

Das Gebäude des Rautenstrauch-Joest-Museums am Neumarkt weist seit seiner Fertigstellung Baumängel auf. (Archivbild)
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Die Planung für das Fotoarchiv des Rautenstrauch-Joest-Museums (RJM) soll in derzeitiger Form sofort gestoppt werden. Damit endet der Versuch erst einmal, das Archiv 16 Jahre nach dem Umzug des Museums an den Neumarkt im fünften Stock des Gebäudes noch zu öffnen. Auch wenn Ratspolitiker und die Co-Direktorin des Museums, Anne Fischer, betonen, die Idee des Archivs sei dennoch nicht begraben.
Den Stopp der derzeitigen Pläne sieht eine Vorlage der Verwaltung an den Hauptausschuss vor, über die er in seiner Sitzung am Montag beraten hat. Noch haben die Politiker dem nicht zugestimmt, die CDU wollte vorher wissen, ob Folgekosten durch ein bereits geändertes Brandschutzkonzept entstünden. Die Ausschussmitglieder signalisierten aber, das Planungsende per Dringlichkeitsentscheidung gegebenenfalls noch diese Woche veranlassen zu wollen.
Direktorin spricht sich für Ende der Planungen aus
Anne Fischer, geschäftsführende Direktorin des Museums, sprach sich in der Ausschusssitzung dafür aus, die Planungsverträge schnellstmöglich aufzulösen. „Wir reden hier von Summen – statt 7 Millionen, 18 Millionen und 1 Million laufende Kosten pro Jahr –, die sind indiskutabel.“ Neben der Investitionskosten wären bei einer Umsetzung der ursprünglich vorgesehenen Maßnahme zusätzliche laufende Betriebskosten entstanden. Die kann das Museum nicht decken. Fischer betonte: „Es ist nicht explizit die fachliche Entscheidung gegen das Fotoarchiv. Wir müssen uns in der Zwischenzeit mit der Verwaltung zusammensetzen, um eine bessere und eine kostengünstigere Lösung für dieses Archiv zu finden.“
Im nächsten Schritt soll daher geprüft werden, wie die zur Verfügung stehenden Flächen sinnvoll genutzt und die fachlichen Anforderungen des Museums innerhalb eines realistischen finanziellen Rahmens erfüllt werden können. Die grundsätzliche Aufgabe, für die fotografische Sammlung eine langfristig tragfähige Lösung zu schaffen, bleibt bestehen.
Der bisher geplante Umbau der fünften Etage umfasste neben Flächen für die fotografische Sammlung weitere Bereiche, darunter Depotflächen für Großobjekte und Speere, eine Feuchtkammer für die Bearbeitung vegetabiler Materialien, Büroflächen sowie Lagerräume für Schriftgut. Eine Stadtsprecherin erklärte auf Anfrage, im Verlauf der Planung habe sich gezeigt, dass die Maßnahme in der derzeit vorgesehenen Form finanziell nicht umsetzbar sei. Es gehe daher nicht darum, einzelne Bestandteile einer grundsätzlich umsetzbaren Planung zu streichen. Vielmehr muss für die betroffenen Flächen und Funktionen ein neuer, finanziell tragfähiger Ansatz entwickelt werden.
Fotoarchiv des RJM in Köln seit 1998 geplant
Die Fotosammlung des RJM umfasst mehr als 100.000 fotografische Objekte von der Gründungszeit des Museums bis schwerpunktmäßig in die 1960er-Jahre. Erste Planungen für den Ausbau des Fotoarchivs begannen im Jahr 1998 mit Blick auf den Umzug des RJM ins Kulturquartier am Neumarkt. Das ist aber seit seiner Fertigstellung 2010 mit gravierenden Baumängeln belastet, über die die Stadt Köln seit Jahren vor Gericht streitet.
Ein Wasserschaden und späterer Schimmelbefall stoppten 2011 den Ausbau der fünften Etage. Das Fotoarchiv und die geplanten Depoträume konnten deshalb nie genutzt werden. Als das Rautenstrauch-Joest-Museum 2018 seinen Umzug vom Ubierring an den Neumarkt abschloss, wurde die Fotosammlung extern eingelagert.
Das entspricht noch immer dem Status quo. Ein großer Teil der Bestände ist in einem Kunstlager untergebracht, erklärte eine Stadtsprecherin auf Anfrage. Eine weitere Lagerung dort sei grundsätzlich möglich. Die laufenden Lagerkosten lägen derzeit bei rund 7500 Euro jährlich zuzüglich Handlingskosten bei Zugriffen auf die Originale, sodass kalkulatorisch von insgesamt etwa 10.000 Euro pro Jahr ausgegangen werden könne.
„Im Verhältnis zum finanziellen Gesamtaufwand der geplanten neuen Fotoarchiv-Lösung sind die laufenden Lagerkosten vergleichsweise gering und für die Entscheidung über die Baumaßnahme nicht ausschlaggebend“, teilte die Sprecherin mit. Allerdings erschwere die externe Lagerung die kontinuierliche wissenschaftliche Bearbeitung, Digitalisierung und Zugänglichmachung der Bestände, insbesondere für Forschende, Künstlerinnen und Künstler und Herkunftsgesellschaften.
Stadt Köln will Planungskosten einsparen
Im Jahr 2021 gab der Rat 700.000 Euro brutto für Planungskosten zur Sanierung und Optimierung des Fotoarchivs frei. Denn eine Bedarfsermittlung, die schon 2017 unter anderem mit Unterstützung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik erstellt wurde, kam zu dem Schluss: Die technischen Anforderungen an die Archivierung des empfindlichen fotografischen Materials sind seit der ersten Planung von 1998 gestiegen, nötig ist eine Modernisierung der Planung selbst. Auch die Raumaufteilung sollte geändert werden – Flächen, die einst für Archivalien und Objekte vorgesehen waren, wurden inzwischen teilweise für die Klima- und Haustechnik gebraucht.
2023 hatte es noch geheißen, das Archiv soll 2028 für Besucher öffnen. Damals hatte die Stadt nach einem Unternehmen für den Umbau gesucht. Laut der Stadtsprecherin sind auf Grundlage des Beschlusses von 2021 bis dato die Vorplanung mit einer Kostenschätzung und die Entwurfsplanung abgeschlossen. Um diese neuere Planung geht es jetzt.
Kämmerin Dörte Diemert sagte im Hauptausschuss: „Je länger wir die Entscheidung, ob wir diese Planung weiterlaufen lassen oder nicht, aufschieben, desto mehr Kosten entstehen. Kosten, die im Moment in keinem Fall nutzbringend sind, weil die Planungen auf die Realisierung eines Fotoarchivs hinauslaufen, die derartig exorbitante Kosten transportieren, dass das im Haushalt nicht darstellbar ist.“ Wie viel der 2021 bewilligten 700.000 Euro noch einzusparen sind, hängt davon ab, wie schnell die Planung jetzt gestoppt wird.
