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Kommentar

Sportmilliarde des Bundes
Wer Olympia haben will, muss energischer auftreten als die Stadt Köln

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Blick aufs Sport- und Olympiamuseum am Rhein. (Symbolbild)

Blick aufs Sport- und Olympiamuseum am Rhein. (Symbolbild)

Zahlreiche Kölner Sportstätten sind marode. Jetzt gibt es die Chance auf Fördergelder, doch das Vorgehen der Stadt stimmt nachdenklich

Es ist eine gute Nachricht, dass die Stadt Köln die Chance auf Fördergelder des Bundes zur Sanierung ihrer maroden Sportstätten diesmal nicht von vornherein durch Nichtstun vergibt. Auch wenn sie die nötige Interessensbekundung erst auf den letzten Drücker eingereicht hat – knapp geschafft ist auch geschafft. Olympiasieger kann auch werden, wer nur gerade so rechtzeitig an der Startlinie steht.

Nachdenklich stimmt allerdings die Herangehensweise der Stadt. Wenn mindestens eines der elf als förderfähig ausgemachten Projekte tatsächlich einen Zuschuss aus der Sportmilliarde des Bundes erhalten würde, wäre das „erfreulich“, sagte ein Sprecher der Stadt. Sollte die viertgrößte Stadt Deutschlands, die ebenso wie die drei größten deutschen Städte Berlin, Hamburg und München, in Zukunft Olympische Spiele austragen möchte, nicht etwas energischer auftreten? Und sich nicht mit ein paar Krumen zufriedengeben, wo ein ganzer Brotlaib auf dem Tisch liegt?

Vor Enttäuschung wappnen

Vielleicht möchte man sich damit vor einer möglichen Enttäuschung wappnen. Weil Hamburg und Berlin zuletzt so viel geschickter waren im Ergattern von Fördermillionen des Bundes. Oder ist das Ausdruck der Sorge, die nötigen Eigenmittel nicht aufbringen zu können? „Die vorgeschlagenen Maßnahmen orientieren sich an der Sportentwicklungsplanung und an bereits gefassten politischen Beschlüssen“, erklärte am Mittwoch der Sportausschussvorsitzende Oliver Seeck (SPD). Es ist also ohnehin nur die Spitze des Eisbergs nötiger Sanierungen von Sportstätten in Köln. So mancher Sportverein wird enttäuscht sein, dass sein eigenes Herzensprojekt nicht dabei ist. Warum also nicht wenigstens für diese elf Projekte mit aller Kraft kämpfen?

Kölns neuer OB Torsten Burmester hat angekündigt, die Einnahmen der Stadt hochschrauben zu wollen, auch jene aus Fördertöpfen. Und er will die Beziehungen nach Berlin verbessern. In diesem Fall braucht es Köln-Unterstützer im Haushaltsausschuss des Bundestages. Diese Fördergelder aus der Sportmilliarde sind damit ein erster Gradmesser dafür, welchen Weg die Stadt künftig einschlagen wird. Traut sie sich etwas zu? Tritt sie selbstbewusst und siegessicher auf? Schafft sie es auch in der nächsten Antragsphase, zügig zu arbeiten und knappe Fristen einzuhalten?

Olympiasieger können das. Denn Dabeisein ist eben nicht immer alles.