Hippodom und das Eulenkloster bleiben vorsorglich geschlossen. Rund 150 Vögel, zehn Prozent des Vogelbestands, müssen jetzt getestet werden.
Zwei Vogelgrippe-FälleIm Kölner Zoo müssen 25 Enten getötet werden

Zwei Enten im Kölner Zoo. (Archivbild)
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Im Kölner Zoo wurde bei zwei verendeten Enten das Vogelgrippe-Virus festgestellt. 25 weitere Neuzugänge mussten daraufhin getötet werden. Hippodom und Eulenkloster bleiben bis auf Weiteres vorsorglich geschlossen und die Flugschau findet nicht statt. Das teilte der Kölner Zoo am Montag, 28. September, mit. Eine Gefahr für Gäste bestehe nicht.
„Das ist nicht schön“, sagte Zoodirektor Theo Pagel. Aber die gute Nachricht sei, dass sich für Besucher kaum etwas ändere: „Wir haben rund 10.000 Tiere im Zoo und man kann aktuell nur die Krokodile und ein paar Vögel nicht sehen.“ Im Februar 2024 hatten sich schon einmal Vögel im Kölner Zoo mit dem Vogelgrippevirus infiziert, sechs Enten- und Hühnervögel starben. Damals blieb der Zoo ab Rosenmontag für fünf Tage geschlossen. Was ist diesmal anders? Und was passiert jetzt im Zoo? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Schilder am Eingang des Kölners Zoo weisen darauf hin, dass einige Gehege gesperrt sind. Bei zwei Enten in einem nicht öffentlichen Quarantäne-Bereich wurde das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen.
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Wie ist das Virus in den Zoo gekommen?
Der Zoo hat 27 Enten von einem Händler angeschafft. Es handelte sich nach Angaben von Zoodirektor Theo Pagel nicht um besondere oder seltene Vögel, sondern man wollte, wie im Herbst üblich, seinen Bestand aufstocken. Die Tiere waren zunächst in einer nicht öffentlichen Quarantäne-Einheit untergebracht. Dort wurden zwei der Enten krank und starben. Bei einer anschließenden Testung wurde bei ihnen das Vogelgrippevirus nachgewiesen. „Auf Anweisung des Veterinäramtes musste daraufhin alles, was mit in diesem Stall war, tot gemacht werden“, sagte Pagel dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ob es unter den 25 daraufhin getöteten Enten weitere mit der Vogelgrippe gab, ist noch nicht klar. Die Testergebnisse stehen noch aus.
Woher kamen die infizierten Vögel?
Dazu macht der Kölner Zoo keine Angaben. Pagel sagt aber: „Dieser Händler wird ganz sicher Besuch von den Behörden bekommen.“ Ihm drohe, dass sein gesamter Bestand getötet werden muss. In Zuchtbetrieben ist das die übliche Vorgehensweise.
Warum werden im Zoo jetzt nicht alle Vögel getötet?
Dazu sagt Zoodirektor Pagel: „Die Behörden erkennen zum Glück an, dass wir hier zum Teil sehr besondere Tiere in geringer Stückzahl haben.“ Die Socorro-Taube zum Beispiel oder den Hyazinthara gebe es in der freien Wildbahn nicht mehr. „Eine Gefahr für den Menschen besteht nicht. Gemeinsam wird die weitere Entwicklung vor Ort beobachtet und es werden weitere Proben genommen“, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Ein Zoo gelte als geschlossener Betrieb und besondere Einrichtung. Hier könne nach Angaben der Stadt von einer sogenannten „Töteanordnung“ abgesehen werden: „Die Voraussetzungen der Ausnahme liegen hier vor, insbesondere da es sich bei dem Vogelbestand im Kölner Zoo um seltene Arten handelt, die zu wissenschaftlichen Zwecken und zur Arterhaltung gehalten werden.“
Sind möglicherweise weitere Vögel im Zoo betroffen?
Um das herauszufinden, werden in den nächsten Tagen zehn Prozent des Vogelbestands im Kölner Zoo per Tupferprobe auf die Vogelgrippe getestet. Das seien rund 150 Vögel, sagt Pagel. Mit den Ergebnissen rechne man in etwa einer Woche. Alle Vögel im Zoo wurden in möglichst kleinen Einheiten und abgetrennt von öffentlichen Bereichen untergebracht.
Müssten bei weiteren positiven Fällen die Vögel im selben Gehege getötet werden?
Die Antwort der Stadt lautet: „Nein, man muss diese Vögel in diesem Fall nicht töten.“ Pagel spricht insgesamt von einem „Glücksfall“, da das Virus von außen hereingetragen wurde und die entsprechenden Tiere in Quarantäne waren. Die Chance sei hoch, dass sich keine weiteren Vögel im Zoo infiziert haben.
Warum wurden Hippodom und Eulenkloster für Besucher gesperrt?
Weil die dort lebenden Vögel nicht in abgesperrte Bereiche gebracht werden können. In anderen Gehegen, durch die Besucher hindurchgehen können, gibt es kleinere Zucht- oder Quarantäne-Einheiten, in denen die Vögel vorübergehend abgeschottet werden können. Das Virus könnte von Menschen an den Schuhen oder an der Kleidung weitertragen werden. „Die Schließung dieser Tiergehege ist rein vorsorglich und dient dem Schutz unserer Vogelbestände“, sagt Pagel.
Die Stadt erklärt: „Die geschlossenen Gehege sind eine Auflage des Veterinäramtes, um eine Ausbreitung zu verhindern. Über die Dauer der Maßnahmen kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden.“
Gibt es wegen der Vogelgrippe-Fälle im Zoo eine Schutzzone in Köln?
Nein. Auch hier gilt: Da die betroffenen Tiere gerade zugekauft wurden und sich in Quarantäne befanden, sind eine Schutz- und eine Überwachungszone nicht nötig. Im vergangenen November gab es Vogelgrippe-Fälle auf einem Geflügelhof in Hürth, damals richtete die Stadt Köln entsprechende Zonen ein, von denen der Zoo ganz knapp nicht betroffen war. In diesen Zonen musste Geflügel von freilebenden Vögeln abgesondert und in Ställen untergebracht werden. Außerdem galten besondere Hygieneregeln. Die gibt es aktuell auch für Mitarbeiter des Kölner Zoos: Sie dürfen das Gelände nicht in ihrer Arbeitskleidung verlassen und müssen diese im Zoo waschen.
Können Vögel gegen die Vogelgrippe geimpft werden?
Theoretisch ja. Aber der Impfstoff ist in Deutschland noch nicht zugelassen. „In der Schweiz wird er in Zoos bereits eingesetzt“, sagt Pagel: „Bei uns ist das die große Hoffnung für die Zukunft.“
Ist die Vogelgrippe auf dem Vormarsch?
Die aktuelle Risikoeinschätzung des Friedrich-Löffler-Instituts für die Ausbreitung der hoch krankheitserregenden Variante des Vogelgrippevirus lautet „moderat“ für die Aus- und Weiterverbreitung in Wildvogelpopulationen und „gering“ für deutsche Geflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen. „Im Moment ist die Lage noch unspektakulär und unauffällig“, sagt Martin Rümmler, Vogelexperte beim Naturschutzbund (Nabu): „Die Fallzahlen steigen in der Regel, wenn die Dynamik in der Vogelwelt zunimmt.“ Und das ist im Herbst der Fall, wenn die Zugvögel auf Reisen gehen.
Woher kommt die Vogelgrippe?
Sie breitet sich seit rund 20 Jahren in aller Welt aus. Zuletzt gab es erste Fälle in Australien, das bis dahin als einziger Kontinent verschont geblieben war. „Die gängige Theorie ist, dass das Virus ursprünglich aus einer Entenzucht in China stammt“, sagt Rümmler. Die weniger krankmachende Variante sei vor allem bei Enten und Gänsen inzwischen weit verbreitet. Bricht die gefährliche Variante unter Wildvögeln aus, sterben sehr schnell sehr viele Tiere – was den Ausbruch ins Stocken bringe und die Weiterverbreitung eindämme, erklärt Rümmler: „Es ist daher wahrscheinlich, dass die menschliche industrielle Produktion der Pool für immer wieder neue Ausbreitungen ist.“ Theo Pagel sagt: „Es gibt 75 Milliarden Vögel auf der Welt – und jeder dritte ist ein Huhn.“
Im vergangenen Jahr waren in Deutschland zum ersten Mal Kraniche schwer betroffen. Wie geht es ihnen jetzt?
Das weiß man noch nicht genau. „Wir sind ganz gespannt, wie dieses Jahr die Rastzahlen sein werden“, sagt Rümmler. Im vergangenen Herbst und Winter waren zehn Prozent der über Deutschland fliegenden Kraniche betroffen, rund 40.000 Tiere sind verendet. „Die Verluste haben sich aber zum Glück auf mehrere europäische Populationen verteilt“, sagt der Nabu-Experte. Nach ähnlichen Ereignissen in Ungarn und Israel sei die Viruslast im darauffolgenden Jahr deutlich geringer gewesen. Darauf hoffe man jetzt auch für Deutschland.