Das Loft in Ehrenfeld ist zugleich Gefühl und Ausdruck einer besonderen Haltung. Sein 40-jähriges Bestehen feiert es jetzt mit einem Tag der offenen Tür.
40 Jahre Kölner LoftViel mehr als ein Ort für brillanten Jazz

Loft-Gründer Hans Martin Schmid und Sohn Urs Benedikt, heutiger Leiter.
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Kann das denn sein: 40 Jahre Loft? Gefühlt haben wir doch gerade erst das 30-jährige Bestehen dieses wunderbaren Veranstaltungsorts für Jazz und Improvisierte Musik gefeiert, wohl wissend, dass im Dachgeschoss einer ehemaligen Parfümfabrik nahezu täglich etwas Wertvolles von großer Bedeutung entsteht. Und das nicht nur wegen der Musik von jährlich nahezu 200 Konzerten, sondern vor allem, weil Loft-Gründer Hans Martin Müller und sein Sohn Urs Benedikt Müller jeden Abend im Loft zum Ereignis machen. Das Loft ist Einladung und State of Mind zugleich: Ausdruck einer Haltung, die sich speist aus Freundlichkeit, Charme und der Freude an jazzmusikalischen Begegnungen.
Gewiss ist das Loft kein sonderlich „schöner“ Ort. Der Vorraum mit Getränketheke und Kasse sowie der Konzertsaal selbst wirken eher sachlich, sind fast schmucklos, reduziert aufs Notwendige, die klangakustisch perfekt vermittelte Musik. Und doch hört man hier nicht nur brillanten Jazz in stilistisch überbordender Vielfalt, hier begegnet man Menschen, nimmt hautnah an künstlerischen Gestaltungsprozessen teil, stets verführt vom ansteckenden Enthusiasmus der Loft-Betreiber.
Loft-Gründer erhält Ehrenpreis des Kölner Kulturrates
So ist es kein Widerspruch, dass sechs Jahre nach dem 30. Jubiläum nun das 40-jährige Bestehen gefeiert wird. Im September 1989 hatte für das Loft mit dem Erwerb des ersten Steinway-Flügels eine neue Zeitrechnung begonnen, denn ein Konzertraum, so Urs Benedikt Müller, wird erst durch einen hervorragenden Flügel vollständig. Das Startprogramm wurde zur „Stunde Null“ und 30 Jahre später zum Anlass für ein erstes Jubiläum. Zeitgleich wurde Hans Martin Müller 1989 zum Ehrenmitglied der Kölner Jazzkonferenz ernannt, im Februar 2015 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Und nun kommt eine weitere Ehrung hinzu: Am 19. Mai erhält der Loft-Gründer, u.a. auch langjähriger stellvertretender Soloflötist des WDR Sinfonieorchesters und Soloflötist des Bayreuther Festspielorchesters, den Ehrenpreis des Kölner Kulturrates. In der Würdigung heißt es, dass er und später sein Sohn Urs Benedikt das Loft „zu einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Jazzclubs der Republik und Europas“ gemacht haben. Geehrt werde er zudem als Mitbegründer und Gründungssprecher der Kölner Jazzkonferenz, auch habe er als Sprecher des Initiativkreises Freie Musik Köln die Neugestaltung der politischen Interessenvertretungen der freien Musikszene maßgeblich mitgestaltet.
Auch Sigmar Polke hatte seinen Anteil
Die Internetseite des Loft bietet nicht nur das jeweils aktuelle Monatskonzertprogramm, ebenso erläutert sie akribisch die Tätigkeitsbereiche des Loft/2ndFloor e.V. und bietet zudem ein Füllhorn an Anekdoten zur Loft-Geschichte. So erzählt Hans Martin Müller von der eigentlichen Loft-Gründung, an der auch Sigmar Polke einen Anteil hatte: „Das erste Loft war 1986 nicht weit von der Musikhochschule entfernt in einem Hinterhof auf der Straße Unter Krahnenbäumen. Hier baute ich ab April eine kleine Fabriketage aus, um dort, ganz in der Nachfolge des damals gerade geschlossenen ‚Studio Beginner‘ von Walter Zimmermann, zu arbeiten.“ Polke fühlte sich in seinem Atelier gestört, was zum Disput und zu einer Abstandszahlung führte, dank der Müller 1987 die Umbauarbeiten des heutigen Loft in der Wissmannstraße starten konnte.
Nach seiner Pensionierung Ende 2014 übernahm sein Sohn Urs Benedikt Müller, eigentlich promovierter Biologe, die Geschäftsführung und Leitung des künstlerischen Betriebsbüros. „Alles begann mit einer Idee“, resümiert er, „einem Gedanken und einem Prozess, der über Jahre hinweg immer klarere Gestalt annahm. Zunächst abstrakt: kein Raum, kein Gebäude, kein Programm – schon gar kein Jubiläum! Nur der Wunsch, einen Ort zu schaffen für Musik, für Risiko, für Freiheit … und für Begegnungen.“
Getrieben von der Energie zweier Freigeister
Heute steigt man immer noch vorfreudig die vielen Stufen zum Loft empor, das nun auch in der zweiten Generation fantastisch funktioniert, besonders dank der Energie zweier Freigeister, die das Loft erfolgreich auch durch existenzielle Nöte navigierten. Kurzzeitig sprangen sogar Loft-treue Musizierende ein und bezahlten die Miete, später machte der Projektkostenzuschuss des Kulturamts der Stadt Köln finanzielle Risiken kalkulierbarer. Neben dem Konzertbetrieb entstand ein professionelles Tonstudio, das bis heute tausende Live-Mitschnitte und Rundfunkaufnahmen ermöglichte, während unzählige CDs Musik aus dem Loft dokumentieren – von Hans Lüdemann bis Dietmar Bonnen, Fabian Dudek, Janning Trumann 4, der Pascal Klewer Bigband, dem Shannon Barnett Quartet und aktuell dem Trio Henrique Gomide/Céline Rudolph/João Luís Nogueira. Selbst zur Corona-Zeit entstand Beachtliches, als sich mitten im stillstehenden Konzertbetrieb über die Streaming- und Recording-Plattform „2nd Loft“ brillante Konzerte daheim miterleben ließen.
All dies blieb nicht unbeachtet: Kontinuierlich bekommt das Loft die Spielstättenprogrammprämie NRW, 2021 und 2023 wurde es mit dem Deutschen Jazzpreis als Club des Jahres geehrt, 2024 und 2025 erhielt es den „Applaus“ als Beste Livemusikspielstätte. Zum 40. Geburtstag lädt das Loft nun zum Tag der Offenen Tür. Im Halbstundentakt spielen zahlreiche, fantastische Musizierende, deren Werdegänge eng mit dem Loft verbunden sind. Sie alle sind auch Zeugnis davon, welch große Geschichte dieser Ort geschrieben hat.
„40 Jahre LOFT?“ Tag der offenen Tür, 26.4., 14:30 bis 22:00, LOFT / 2nd FLOOR e.V., Wissmannstr. 30, 50823 Köln
Alle Infos unter www.loftkoeln.de

