- Fast genauso lang dauert die Liebesaffäre zwischen diesem elegantesten aller Motorroller und dem Kino an.
Erst schwankt Audrey Hepburns junge Prinzessin höchst unsicher auf dem ungewohnten Motorroller, wackelt mit dem Lenker, touchiert den Bürgersteig. Doch kaum schwingt sich Gregory Pecks ritterlicher Reporter auf den Soziussitz weichen die Anflüge von Panik einer Leichtigkeit, die die ganze Stadt um sie herum zu erfassen scheint.
Ob sie linksseitig am Gegenverkehr vorbeischrammen, die Tram zum Hupen reizen, Zeitungsstände, Caféstühle und Staffeleien zum Einsturz bringen, es ist das reine Vergnügen: Rom öffnet sich dem vespafahrenden Liebespaar.Am 23. April 1946, also vor genau 75 Jahren, meldete der Fahrzeughersteller Piaggio in Florenz das Patent für ein Motorrad mit einem Rahmen aus Kotflügeln und einer den mechanischen Teil verkleidenden Hülle an, entwickelt vom Hubschrauber-Konstrukteur Corradino D’Ascanio. Die so kostümierte Wespe verleugnete Schmutz und Schmier des motorisierten Zweiradfahrens. Aus einer Maschine wurde ein Modeartikel, ein Accessoire der Unbekümmertheit.Der Verkehrsregeln gegen Lebenslust ausspielende Vespa-Ritt aus William Wylers „Ein Herz und eine Krone“ (1953) blieb nicht der einzige Film-Auftritt des ikonischen Motorrollers, es sollten noch etliche folgen, von „American Graffiti“ bis „Cinema Paradiso“. Im ersten Teil von Nanni Morettis Filmessay „Geliebtes Tagebuch...“ (1993) spielt er sogar die Hauptrolle. Und wieder wird Rom erkundet, nur dass uns der Regisseur in all die Viertel abseits des Zentrums führt, die Audrey Hepburn ausgelassen hat.
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Vielleicht war es, als Jimmy Cooper, der jugendliche Held aus „Quadrophenia“, am Ende des Films die Vespa seines Idols stiehlt und sich mit ihr über die Kreideklippen von Beachy Head stürzt, nur die heimliche Sehnsucht des Rollers nach Rom, die ihn so tragisch enden lässt.Einige ihrer schönsten Auftritte hatte die Vespa sowieso hinter den Kulissen, wo sie selbst von Hollywoods kernigsten Männern geritten wurde.
Man findet im Netz wunderbar absurde Fotografien von Charlton Heston und Stephen Boyd, die am Set von „Ben Hur“ (1959, auch hier führte William Wyler Regie), noch im historischen Kostüm, eine Vespa durch den in Cinecitta nachgebauten Circus Maximus fahren: ewiges Gefährt! Noch erstaunlicher ist das alte Piaggio-Werbefoto, auf dem John Wayne mit einer Vespa posiert. Ach, gäbe es da nur auch ein Bewegtbild: der Duke auf den Flügeln einer surrenden Wespe dahingleitend.



