A$AP Rocky, US-Rapper und Rihanna-Gatte, setzt bei seiner Show in der Lanxess-Arena auf komplette Eskalation.
A$AP Rocky in KölnEin Spiel mit dem Adrenalin

US-Rapper A$AP Rocky war in der Kölner Arena zu Gast.
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Wenig Gefühle, wenig Inhalt, aber vor allem eins: Vibe – Klang, Styling, Bewegung, Inszenierung, Atmosphäre, das ist A$AP Rockys Kunst. Der US-Rapper, mit bürgerlichem Namen Rakim Mayers, hebt sich mit seinen Texten nicht allzu sehr vom Klischee ab: Drogen, Frauen, Geld und Gewalt sind bei ihm zentral. Stattdessen spielt er mit den diversen kulturellen Sounds – so war er um 2011 einer der ersten, der Einflüsse aus dem amerikanischen Süden, wie aus Houston und Memphis, mit seinem New Yorker Rap verschmelzen ließ. Nach achtjähriger Musikpause ist er nun mit seinem neuen Album „Don’t Be Dumb“ auf Tour.
Sein Konzert am Dienstagabend in der Lanxess-Arena ist zu viel von allem: Ein Alarmsound ertönt, alles vibriert und brummt, als sich ein Helikopter über einem Kreis aus weiß maskierten Tänzern in der Menge absenkt. Dann ist er da und rappt zwischen den Tänzern. Er ist komplett verhüllt, nicht einmal seine Augen sind zu erahnen. Der Look wirkt wie ein skurriler Mix aus Camouflage-Bauarbeiter und Darth Sidious, nur eine schwarze Höhle ist unter dem roten Tuch und der weißen Kapuze zu erkennen. A$AP Rocky ist eben eine Mode-Ikone: Designer, Markenbotschafter von Chanel, 2025 war er Co-Gastgeber der Met-Gala.
Seine Fans sind in Köln zurückhaltender mit ihren Outfits: Kaum jemand setzt ein Fashion-Statement. Deshalb hat der Rapper für sie mitgedacht: Die Merch-Artikel sind streng in Schwarz und Weiß gehalten, die Menge vor der Bühne wird zur ästhetisierten Masse. Rocky rappt aus dieser wogenden Menge, wird am Heli emporgezogen, dann zeigt die Leinwand ihn mit einem Gewehr, Schüsse fallen, rosa Lockenwickler liegen auf dem Boden, jemand wird festgenommen. Es ist von allem zu viel. Probleme mit der Aufmerksamkeitsspanne sollte hier wohl niemand haben.
Waffen-Requisiten haben Hintergrund
Zwischen den Stücken raunt die Bewegung der Rotoren über der Menge. Rocky schlappt scheinbar schlaff über die Bühne, spielt mit dem Adrenalin des Publikums. Mittlerweile wissen seine Fans: Gleich passiert es. Sie wissen nur nicht, was „es“ ist. Feuerfontänen, leicht bekleidete Frauen mit Twerking-Einlagen, 30 Männer einer Einsatzgruppe, die einmarschieren. Einmal stürmt er mit einer Gewehr-Requisite auf die Bühne. Die Waffen sind dabei nicht so weit von seiner Biografie entfernt: 2025 stand der Rapper vor Gericht wegen des Vorwurfs, auf seinen Freund A$AP Relli geschossen zu haben. Rocky behauptete, die Waffe sei eine Requisite gewesen, und wurde freigesprochen.
Die Show ist reine Provokation: Rocky fordert die Menge zwischendurch auf, „Shut the fuck up“ zu schreien oder ihre Mittelfinger in die Luft zu heben. Mittlerweile hat er Jacke, Maske und Tuch abgelegt, die Eskalation lässt aber nicht nach. „If you’re scared, go home“, warnt er die Masse, als es schon viel zu spät ist. Ein Moshpit. Wer glaubt, der Partner von Weltstar Rihanna würde sich als dreifacher Vater zügeln, irrt.
Psychedelische Klänge
Die Hubschraubergeräusche heben wieder den Puls. Manchmal sind es auch dumpfe, pochende Beats, die die Menge zu einer Atempause zwingen. Dann knallen Schüsse raketenartig aus dem Rohr eines Panzers, das zentral auf das Publikum gerichtet ist. Auf dem Panzer performt A$AP Rocky seine Hits „Fashion Killa“ und „Fuckin’ Problems“. Und natürlich darf auch „LSD“ nicht fehlen – wenn man unter den diversen Tracks ein Markenzeichen erkennen kann, dann sind es diese psychedelischen Klänge. Wie in Zeitlupe wiegen die Hände der Masse zum LSD-Rausch, der Augapfel über Rocky wabert in Regenbogenfarben.
Das Bühnenbild provoziert schon Anspannung: Regelmäßig scannen die Überwachungskameras durch das Publikum, wodurch sich die Blickrichtung merkwürdig verdreht: Die Masse schaut nicht mehr nur auf den Künstler, auch sie wird beobachtet. Der Scheinwerfer eines Leuchtturms kreist durch die Ränge. Darüber prangt auf dem Star-Spangled-Banner die Aufschrift: „Big Brother“. Dazu weitere die Bilder aus dem Militär-Kosmos: die Einsatztruppen, Rockys Camouflage-Look, die Schüsse, der Panzer im Zentrum.
Überwachung, Kontrolle, Militär – wer mag, könnte hier eine politische Botschaft hereinlesen. Im Zweifelsfall ist es bei Rocky Kunst und die braucht keine Bedeutung. Jedenfalls einfach nicht bei dem Rapper: Sie ist ein Vibe.