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„Amazonia“ in Köln
Wer Gutes will, ist vor faulen Kompromissen nicht gefeit

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Blick in die „Amazonia“-Austellung im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum

Blick in die „Amazonia“-Ausstellung im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum

Acht Organisationen für Umweltschutz und Menschenrechte kritisieren „Greenwashing“ im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum. Zu Recht?

Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado wird nicht nur für sein Werk gerühmt, sondern auch für sein gesellschaftliches Engagement. In seiner Heimat ließ er zweieinhalb Millionen Bäume pflanzen, um der Versteppung des Regenwaldes etwas entgegenzusetzen, zudem unterstützte er zahlreiche Organisationen, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung in Südamerika einsetzen. 

Man sollte meinen, dass sich für „Amazonia“, die derzeit um den Globus reisende Wanderausstellung mit Bildern des im Mai 2025 verstorbenen Friedenspreisträgers, ausreichend Sponsoren finden ließen, die zu Salgados edlen Lebenszielen passen. Genau das bezweifeln jedoch acht Menschenrechts- und Umweltorganisationen, von denen einige ihren Sitz in Köln haben.

Die Stadt Köln soll Fragen zu drei Sponsoren beantworten

In einem Offenen Brief kritisieren sie die Sponsorenauswahl der Kölner „Amazonia“-Ausstellung im städtischen Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM), namentlich die Zusammenarbeit mit Zurich Versicherung sowie den Förderbanken KfW und DEG – letztere ist eine Kölner Tochter der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau. Alle drei Sponsoren, so der Vorwurf, trügen durch problematische Kreditnehmer und Wirtschaftspartner zur Umweltzerstörung in Südamerika und der Vernichtung indigener Lebensräume bei.

Allerdings fragt sich, ob RJM-Direktorin Nanette Snoep und Kulturdezernent Stefan Charles die richtigen Adressaten der Vorwürfe sind – ihre Triftigkeit einmal vorausgesetzt. Zurich Versicherung ist Hauptsponsor der gesamten Welttournee, und die deutschen Förderbanken betreiben ihr mutmaßliches „Greenwashing“ im Auftrag des Bundes, also von uns allen.

Der Fall zeigt, dass, wer Gutes anstrebt, vor faulen Kompromissen nicht gefeit ist, und im kredifinanzierten Kapitalismus niemand ohne moralische Schulden durchs Leben geht. Zur Erinnerung: Im Jahr 2013 ließ sich Salgado seine „Genesis“-Wanderausstellung vom hoch umstrittenen brasilianischen Bergbauunternehmen Vale finanzieren.