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Blockflötist Erik Bosgraaf in der PhilharmonieKleines Instrument ganz groß

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Erik Bosgraaf

Erik Bosgraaf

Der Blockflötist Erik Bosgraaf und Concerto Köln begeistern mit Brückenschlägen in der Philharmonie

In der Ouvertüre ist die Blockflöte noch Teil des Tuttis, doch in den übrigen Sätzen von Telemanns „Ouvertüren-Suite“ Es-Dur setzt sie sich umso eigenständiger ab, klangfarblich, dynamisch durchdringend sowie virtuos mit rasanten Läufen und wilden Figurationen. Der überragende Erik Bosgraaf macht das kleine Blasinstrument zum alles bestimmenden Kraftzentrum.

Der niederländische Musiker gibt dem Concerto Köln die Einsätze und mit schwungvollen Gesten das Tempo. Er vollführt Sprünge, schwingt mit der Hüfte, sendet charaktervolle Signale und dreht sich auf der Stelle, um alle Stimmgruppen zu erreichen. Bei zartem Pianissimo beugt er sich tief in die Knie, um für das nachfolgende Forte umso effektvoller wieder aufzuspringen. Im schnellen Rundtanz „Passepied“ liefert er sich mit den Violinen einen frühlingshaft furiosen Tirilier-Wettstreit, als zwitscherten Nachtigall, Zaunkönig, Singdrossel und Amsel durcheinander.

Verbindungen zwischen musikalischen Stilen und Epochen

Als Überleitung zu Händels Concerto grosso F-Dur schrieb Bosgraaf das kleine Zwischenspiel „Sul ponticello“, benannt nach der italienischen Anweisung „auf dem Steg“. Die Geigen beginnen einstimmig und verzweigen sich immer wieder mit dem übrigen Ensemble zu schrill schimmernden Clustern. Als Komposition ist die Petitesse kaum der Erwähnung wert, als eine Art Gruppenimprovisation sorgt sie dennoch für Neujustierung des Hörens und eine kontrastreiche Hinleitung zu Händels Concerto, dessen anfängliches „Largo“ aus lang gezogenen Vorhalten ganz ähnlich zwischen den Harmonien changiert.

Erik Bosgraaf gab dem Programm das Motto „Bridges“, weil er in Zeiten zunehmender Polarisierungen Brücken bauen und Verbindungen zwischen musikalischen Stilen und Epochen schaffen möchte. Sein zweites eigenes Stück „K“ widmete der Wahlkölner der „Stadt mit K“. In der Tradition barocker Tonmalerei spannt das Ensemble mit auf- und abgleitenden Linien die Bögen der Kölner Rheinbrücken. Dazu knurrt der Kontrabass wie ein Hund, rennt das Fagott mit Punktierungen wie ein Jogger, rasseln Liebesschlösser an einer Kette, und lässt der Blockflötist Papageienschwärme durch die Lüfte kreischen.

Einer Bearbeitung der „Sonata Sesta“ der anonymen Mrs. Philharmonica des 18. Jahrhunderts durch Jörg Hitz folgte „Magic Tilinka“ der ukrainischen Komponistin Victoria Poleva. Zu liegenden Bässen spielt der Solist zuerst jenseits der Bühne, bevor man ihn und die ukrainische Obertonflöte erblickt, die dem Stück den Titel gab. Das Instrument besteht aus dem angeblasenen Labium samt Rohr ohne jedes Griffloch. Zu lamentoartigen Ensembleklängen lassen sich darauf dennoch erstaunlich viele Tonhöhen durch Überblasen und Abdecken des Rohr-Endes erzeugen. Den hochvirtuosen Abschluss bildete schließlich Vivaldis „Concerto für Flautino“ C-Dur. Solist und Ensemble spielten gleichermaßen brillant und wurden mit johlendem Applaus gefeiert.