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Positive Olympia-ReferendenNRW – das Land der Ja-Sager

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Zwei Fechter stehen vor einem überdimensionalen „Ja“ auf dem Kölner Rheinboulevard. So feierten die NRW-Olympiaplaner am Sonntag den positiven Ausgang der Ratsbürgerentscheide.

Zwei Fechter stehen vor einem überdimensionalen „Ja“ auf dem Kölner Rheinboulevard. So feierten die NRW-Olympiaplaner am Sonntag den positiven Ausgang der Ratsbürgerentscheide. 

Auch der Deutsche Olympische Sportbund zeigt sich angetan von der hohen Zustimmung in Köln und der Region. 

Je länger der Abend dauerte, desto ausgelassener wurde die Stimmung in der 28. Etage im Hochhaus Köln-Triangle in Deutz. Für eine Kommune nach der anderen kamen von den Auszählungen der Ratsbürgerentscheide zu Olympia Zustimmungswerte jenseits der 70 Prozent herein. Der Ausblick von hier oben auf Köln, die „Leading City“ der NRW-Bewerbung um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele 2036, 2040 oder 2044 war atemberaubend. Wie bestellt lieferten Sonne, Wolken und Dom ein lichtgewaltiges Abend-Spektakel. Nur Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), der zuvor schon mit NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und den Kollegen aus den anderen Städten gejubelt hatte, blickte ein wenig verkniffen drein, als um 23 Uhr alle Ergebnisse bis auf das Kölner  vorlagen.    

Das lieferte die Stadt erst nachts um drei Uhr. Die Party im Hochhaus mit rund 300 Menschen aus Sport, Politik und Kölner Stadtgesellschaft war da längst vorbei. Organisiert worden war sie von der Düsseldorfer Staatskanzlei, die das NRW-Olympiakonzept federführend verantwortet. Mit 57,4 Prozent gab es in Köln die niedrigste Zustimmung in allen 17 beteiligten Kommunen – dafür erreichte die Abstimmungsbeteiligung mit 39,7 Prozent den höchsten Wert. 812.370 Kölnerinnen und Kölner waren abstimmungsberechtigt, 322.327 gaben ihre Stimme ab. Davon waren 321.521 gültig und es gab 184.523 „Ja“-Stimmen.

Kölns OB Torsten Burmester kann am Sonntagabend noch kein Kölner Ergebnis vom Olympia-Referendum vermelden. Die Auszählung dauerte länger als in allen anderen 16 beteiligten Kommunen.

Kölns OB Torsten Burmester kann am Sonntagabend noch kein Kölner Ergebnis vom Olympia-Referendum vermelden. Die Auszählung dauerte länger als in allen anderen 16 beteiligten Kommunen.

Nach einer kurzen Nacht sagte Burmester am Montag: „Der erste Ratsbürgerentscheid Kölns hat nicht nur unserer Bewerbung einen Schub verpasst, sondern deutlich gemacht, wie viel Kraft und Potenzial in Olympischen und Paralympischen Spielen steckt.“ Die 57,4 Prozent Zustimmung bewertete er als „deutliche Mehrheit“. In allen Kölner Stadtbezirken sei mit „Ja“ gestimmt worden, das zeige, dass diese Bewerbung von der ganzen Stadt getragen werde. Es gelte jetzt aber, „auch diejenigen von Olympia in Köln zu überzeugen, die dagegen gestimmt haben“. Köln sei Hauptaustragungsort und: „Eine höhere Betroffenheit führt zu intensiveren Debatten.“ Man wolle in den nächsten Wochen auf die Kritikerinnen und Kritiker zugehen und alle Kräfte bündeln, „damit sich Köln-Rhein-Ruhr im nationalen Entscheid durchsetzt“.

Dieser ist für den 26. September vorgesehen. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden entscheidet dann der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), mit welcher deutschen Stadt er beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ins Rennen um eine Olympia-Austragung gehen will. Neben Köln haben sich auch München, Hamburg und Berlin beworben. Die Zustimmung der jeweiligen Bevölkerung soll dabei einer von vielen Faktoren sein, die von einer Evaluierungskommission des DOSB bewertet werden. In jedem Fall war man beim Dachverband des Deutschen Sports am Montag „sehr erfreut“ über Zustimmungswerte bis 76,3 Prozent, etwa bei Spitzenreiter Aachen. Unabhängig davon, welche Stadt am Ende als Bewerber auserkoren wird, unterstütze und legitimiere das die deutschen Olympia-Pläne.

DOSB zufrieden mit Olympia-Referenden in NRW

„Sie sehen mich sehr zufrieden“, sagte Otto Fricke, der Vorstandsvorsitzender des DOSB und damit Nachfolger von Kölns OB Torsten Burmester. Die vergleichsweise geringe Zustimmung in Nordrhein-Westfalens „Leading City“ Köln verdarb ihm die gute Laune dabei nicht: „Wir sind sehr divers in diesem Land, wir haben nicht mehr nur zwei, drei klare Meinungen. Köln ist als Stadt so unterschiedlich, wie sie ist. Ein hohes 50er-Ergebnis zusammen mit den 70er-Ergebnissen in anderen Kommunen ergibt einen guten Mix.“  

Um eine Vergleichbarkeit zum bereits erfolgten Bürgerreferendum in München und der bis zum 31. Mai laufenden Bürgerbefragung in Hamburg herzustellen, hat der DOSB die Ergebnisse in NRW zusammengefasst. Er kommt auf einen Gesamt-Zustimmungswert von 66,0 Prozent. Die Wahlbeteiligung habe insgesamt bei 32,9 Prozent gelegen. Die Zahlen aus Herten wurden in diese Berechnung nicht einbezogen, da dort nicht genügend Menschen abgestimmt hatten. Die Stadt, in der Mountainbike-Wettbewerbe stattfinden sollten, ist daher nicht länger Teil des NRW-Konzeptes. Beteiligt sind jetzt noch 16 Kommunen. 

In München hatte die Zustimmung im vergangenen November bei fast gleichen 66,4 Prozent gelegen. NRW sieht in der Menge der mobilisierten Menschen allerdings einen Vorteil bei sich. 1,4 Millionen Menschen hätten sich an den Referenden beteiligt, sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst am Sonntag. Das seien mehr, als in Hamburg überhaupt abstimmungsberechtigt sind. In München hatten knapp 460.000 Menschen abgestimmt, das bedeutete eine Wahlbeteiligung von 42 Prozent.  

Die Bögen der Hohenzollernbrücke bunt beleuchtet in den Farben der olympischen Ringe.

Die Bögen der Hohenzollernbrücke bunt beleuchtet in den Farben der olympischen Ringe.

Im Köln-Triangle fanden sich am Sonntagabend viele, die nun einen Olympia-Zweikampf zwischen Köln-Rhein-Ruhr und München erwarten. Dass der Rückhalt im Land so phänomenal sei, damit habe er nicht gerechnet, sagte Wüst zu später Stunde unter dem Jubel begeisterter Gäste. Zum Abschluss des Abends, der lediglich vom Fehlen des Kölner Ergebnisses getrübt wurde, knipsten die Olympia-Planer an der Hohenzollernbrücke bunte Lichter in den Farben der Olympischen Ringe an.

Das war kaum nur als Schmankerl für die Gäste des Abends gedacht, sondern sicher auch als Motiv für eine Postkarte ans IOC. Der Gruß dazu: „Seht her, so schön könnte Olympia in Köln aussehen.“ Paris hat bei den viel gelobten Spielen 2024 vorgemacht, wie eine Stadt sich und ihre Bauten olympisch besonders eindrucksvoll in Szene setzen kann. Und es wird davon ausgegangen, dass sich das IOC von künftigen Ausrichterstätten mehr solcher Bilder wünscht. Aus dem deutschen Olympia-Kosmos sind aktuell immer häufiger Stimmen zu hören, dass man einen Zuschlag durch das IOC glaubt – egal für welche deutsche Stadt oder Region.

Michael Vesper etwa, ehemaliger Spitzenpolitiker der Grünen und langjähriger Vorstandsvorsitzender des DOSB, sagte am Sonntag: „Das IOC will nach Deutschland kommen, wenn es hier willkommen ist.“ Das war es zuletzt nicht. Entweder fehlte die politische Unterstützung für eine deutsche Olympiabewerbung oder die Bevölkerung stimmte dagegen. Aktuell zeigt sich ein anderes Bild: Politiker aus fast allen Parteien überschlagen sich mit Zustimmungsbekundungen, zwischen NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Bayerns Oberhaupt Markus Söder (CSU) ist sogar ein regelrechter Machtkampf um Olympia entbrannt. Und die Menschen im Land, das verdeutlichen die Bürgerreferenden, haben sich der olympischen Idee wieder angenähert.