Abo

Reaktionen auf Kölns Olympia-VotumFreude bei Burmester, Kritik von Grüner Jugend und Häme im Netz

4 min
Torsten Burmester (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Köln, spricht auf der Bühne am Wahlabend in Köln. (Archivbild)

Torsten Burmester (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Köln, spricht auf der Bühne am Wahlabend in Köln. (Archivbild)

Torsten Burmester und die Kölner SPD zeigen sich erfreut – in den sozialen Netzwerken fallen die Reaktionen derweil anders aus.

Ein klares Ja aus dem Westen: Die Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen haben den Weg für eine mögliche Bewerbung von Köln-Rhein/Ruhr um Olympische und Paralympische Sommerspiele freigemacht – sehr zur Freude von Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU).

In Köln gab es zwar das landesweit knappste Ergebnis, dennoch fiel das Votum schließlich mit 57,39 Prozent Ja-Stimmen schlussendlich eindeutig aus – und hat der NRW-Bewerbung so „einen Schub verpasst“, erklärte Burmester am Sonntagabend.

Freude bei Torsten Burmester: „Ein großes Zeichen für die Demokratie“

„Der Trend in Köln zeigt deutlich eine Mehrheit, eine große Mehrheit für diese Bewerbung“, sagte Burmester am späten Sonntagabend, noch bevor das Endergebnis um drei Uhr nachts schließlich feststand. Besonders stolz mache ihn, dass es in Köln mit knapp 41 Prozent die größte Wahlbeteiligung aller beteiligten Städte gegeben habe, sagte Burmester.

Hendrik Wüst (CDU, l.), Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, und Torsten Burmester (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Köln, stehen vor dem großen „Ja“ und der in den olympischen Farben angeleuchteten Hohenzollernbrücke.

Hendrik Wüst (CDU, l.), Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, und Torsten Burmester (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Köln, stehen vor dem großen „Ja“ und der in den olympischen Farben angeleuchteten Hohenzollernbrücke.

„Das ist wirklich ein großes Zeichen für die Demokratie und ein großes Zeichen, dass die Menschen mitmachen wollen bei dieser Bewerbung“, erklärte der Kölner Oberbürgermeister. Jetzt gelte es aber auch, noch die Kritiker zu überzeugen, um mit der Bewerbung dann im nationalen Entscheid gut auszusehen.

Kölner SPD sieht „Gänsehaut-Moment“ – Kritik von Grüner Jugend

Freude herrschte auch bei der Kölner SPD-Fraktion. „Das ist ein Gänsehaut-Moment für unsere Stadt und das gesamte Rheinland. Ich bin beeindruckt von der Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger“, teilte Christian Joisten, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, mit. „Olympia ist eine riesige Chance für die Entwicklung Kölns – von der Modernisierung unserer Sportstätten bis hin zu neuen Impulsen für Mobilität und Wohnungsbau“, hieß es weiter.

Scharfe Kritik kam unterdessen von der Grünen Jugend in Köln, die sich deutlich gegen eine Olympia-Bewerbung positioniert hatte. „Wir fordern, dass die Stadt Köln sich an das hält, was sie versprochen hat, und das bedeutet: kein weiteres Haushaltsloch, keine sozialen Kürzungen, keine Umweltzerstörung für Olympia, keine teure, unfertige Infrastruktur und keine geklüngelte Auftragsvergabe“, kommentierte CO-Sprecherin Ida Holschbach das Ja aus Köln zur Olympia-Bewerbung. 

Hendrik Wüst zeigt sich angriffslustig: „Was für eine Klarheit“

Insgesamt haben in 16 der 17 beteiligten Städte laut Ministerpräsident Wüst rund zwei Drittel für eine Kandidatur der Region „KölnRheinRuhr“ für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 votiert. Rund 1,4 Millionen Menschen beteiligten sich demnach an der Abstimmung.

Wüst zeigte sich nach dem klaren Ergebnis in NRW prompt angriffslustig: „Was für eine Klarheit“, schwärmte der Ministerpräsident nach dem Referendum. In manchen Kommunen erntete die Olympia-Vision mehr als 70 Prozent Zustimmung der Bevölkerung. Für den CDU-Politiker steht damit die Erkenntnis, dass mitnichten nur München in der Olympia-Frage in Deutschland großen Support der Bevölkerung genießt.

Klare Zustimmung als „Fundament einer erfolgreichen Bewerbung“

Die bayerische Landeshauptstadt hatte im Oktober 66,4 Prozent erzielt, NRW tänzelte vor Auswertung der letzten Stimmzettel um die Zwei-Drittel-Marke. „Ich glaube, wir können mit Fug und Recht sagen: Ein historischer Rückhalt für eine Bewerbung Deutschlands um Olympische und Paralympische Spiele kommt heute Abend aus Nordrhein-Westfalen“, sagte Wüst.

Es habe sich „ausgezahlt, den Menschen zu vertrauen“, führte Wüst aus. „Moderne, nachhaltige Spiele kann es nur mit der Zustimmung und nicht gegen den Willen der Menschen im Land geben“, sagte der Ministerpräsident vor Journalisten in Köln. Eine demokratische Zustimmung der Menschen sei „das Fundament einer erfolgreichen Bewerbung“, fügte der CDU-Politiker hinzu. 

Klares Ja zur Olympia-Bewerbung sorgt für Diskussionen im Netz

In den sozialen Netzwerken entbrannten unterdessen noch in der Nacht auf Montag mitunter leidenschaftliche Diskussionen über das Kölner Ja zur Olympia-Bewerbung – Skepsis und Sorge überwogen bei den Nutzerinnen und Nutzern in den Kommentarspalten.

Der mit Abstand meistdiskutierte Punkt in den Netzwerken: Kölns marode Infrastruktur. Viele Nutzerinnen und Nutzer fragen sich etwa schlicht, wie eine Stadt, die zuletzt bei einer Fachmesse wie der Fibo an ihre Grenzen stieß, die weltweit größte Sportveranstaltung stemmen soll.

„Das wird eine Blamage, die Köln noch nicht erlebt hat“

„Gerade an diesem Wochenende haben wir doch zum wiederholten Male gespürt, dass Köln auch verkehrstechnisch nicht in der Lage ist, so etwas auszurichten“, kommentierte ein Nutzer mit Verweis auf die Kölner Fitnessmesse, die am Sonntag für Verkehrschaos gesorgt hatte. „Nur die Fibo hat Köln lahmgelegt und Stadtteile wie Deutz kollabieren durch Falschparker.“

Ein anderer Nutzer zog derweil den Vergleich zu den berüchtigten Dauerbaustellen der Stadt und mahnte: „Das wird eine Blamage, die Köln noch nicht erlebt hat. Aber man gewöhnt sich bekanntlich an alles – siehe Nord-Süd-Stadtbahn, der Gesamtzustand bei den KVB im Allgemeinen, die Oper … Lasset das Schauspiel beginnen.“ 

Kritik an Schwarzmalerei: „Endlich mal optimistisch rangehen“

Auch die Kölner Planungskompetenz wird in den Kommentarspalten in Zweifel gezogen. „Ein solches Megaprojekt bindet und lähmt die städtische Verwaltung auf Jahre – für alle wichtigen und längst überfälligen Bauprojekte befürchte ich nichts Gutes“, schrieb ein Nutzer. 

Häme gab es unterdessen dafür, dass die Auszählung in Köln bis tief in die Nacht dauerte. „Wenn die Auszählung der Stimmen schon so viel länger dauert als geplant, wie würde es dann klappen mit der Fertigstellung all der für Olympia nötigen Infrastruktur?“, kritisierte ein Nutzer.

Inmitten der Kritik melden sich auch Stimmen zu Wort, die den deutschen Hang zur Schwarzmalerei anprangern: „Statt wie üblich alles negativ zu sehen – ‚wir blamieren uns‘ und so weiter – sollte man endlich mal optimistisch rangehen. Kein anderes Land ist so selbstkritisch wie Deutschland“, schrieb ein Nutzer. (mit dpa/afp)