Die Bewerbung Kölns und der Region Rhein/Ruhr um die Olympischen Spiele kann der entscheidende Hebel für die Entwicklung der Stadt sein.
Olympia-BewerbungKöln und NRW spielen jetzt auf Sieg


NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU, links und Torsten Burmester (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Köln, stehen vor dem großen „Ja“ und der in den olympischen Farben angeleuchteten Hohenzollernbrücke in Köln.
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Das klare „Ja“ zur Olympia-Bewerbung Köln-Rhein-Ruhr ist mehr als das Votum für ein Sportereignis. Es kann einen Aufbruch markieren. Die Menschen in NRW trauen sich offenbar zu, gemeinsam Großes zu erreichen. Für Köln ist diese Abstimmung besonders bedeutsam. Nach Stadtarchiv-Einsturz, Opern-Desaster und vielen gescheiterten oder verzögerten Großprojekten hatte sich in der Stadt bereits ein spürbarer „Klappt doch eh nicht“-Fatalismus festgesetzt. Die 57,4 Prozent Zustimmung sind deshalb auch ein Auftrag, weit über Olympia hinaus: neues Selbstbewusstsein zu entwickeln, entschlossen anzupacken und Zukunft möglich zu machen.
Visionen wie Olympische Spiele brauchen Mut. Dieser Mut, das ist eine der Botschaften, scheint noch nicht verloren – in einem Land, in dem vielleicht zu oft der Untergang beschworen wird. Demgegenüber zeigt das Abstimmungsergebnis eindrücklich, was möglich ist, wenn sich Parteien der demokratischen Mitte, eine breite Gesellschaft und die regionale Wirtschaft hinter einen großen Idee versammeln. Wenn zunächst das große Ganze zählt: die Chancen, die Möglichkeiten, das Gelingen. Ungeachtet der harten Detaildebatten, die noch zu führen sind.
Geschlossenheit hat fast schon etwas Befreiendes
Die erste Hürde der Olympia-Bewerbung ist genommen – mit einer Geschlossenheit, wie sie dieses Land kaum mehr kennt. Es hat schon fast etwas Befreiendes, wie zum Beispiel der Kölner Rat in Sachen Olympia von seiner teils Klein-Klein-Klientelpolitik endlich einmal zu einem gemeinsamen großen Anspruch fand. Mit Torsten Burmester als Oberbürgermeister, der vorantreibt und kämpft. So entsteht die Kraft, die eine Millionenstadt braucht, um voranzukommen. Und vielleicht auch ein Momentum, das anhält.
Wer kritisiert, dass Autokraten Olympia für sich nutzen, kann sich als Demokrat nicht zugleich zurückziehen. Die Menschen in NRW haben nun gezeigt, dass sie diese Weltbühne mit ihren Werten und Vorstellungen demokratisch gestalten wollen. Dabei stehen die Chancen gar nicht so schlecht, zumindest national das Ausscheidungsrennen zu gewinnen.
Im Wettbewerb um die deutsche Olympiabewerbung verdichten sich die Hinweise auf eine Entscheidung zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr. Hamburg wirkt zögerlich, Berlin skeptisch. Für Köln spricht ein Argument, das über Sympathie für die wunderbaren Menschen hier hinausgeht: Es hätte am meisten zu gewinnen. München hat den Impuls von 1972 hinter sich. Für Köln und NRW wäre Olympia nicht Wiederholung, sondern eine neue Chance.
Dinge zusammendenken, die sonst nebeneinander herlaufen
Der Einwand, Köln und die Region haben wahrlich andere Sorgen als Olympia, stimmt – und verfehlt doch den Punkt. Eben weil diese Stadt bei Mobilität, Brücken, Museen, Bädern, Barrierefreiheit und Stadtentwicklung so viel aufzuholen hat, kann die Olympiabewerbung der entscheidende Hebel sein. Sie bündelt politischen Willen. Sie zieht Mittel von Land und Bund an, die sonst anderswo eingesetzt würden. Sie zwingt dazu, Dinge zusammenzudenken, die sonst nebeneinander herlaufen. Bessere Bahnverbindungen, verlässlicherer Nahverkehr, modernisierte Sportstätten, neue Quartiere wie in Kreuzfeld, dazu internationale Sichtbarkeit für Köln und die Region.
Für eine klamme Stadt ist das ein entscheidender Faktor. Nötige Investitionen bekommen Tempo und Finanzierung. Vor allem schafft diese Bewerbung, wenn auch die nächsten Schritte gelingen, was gerade in Köln fehlt: Verbindlichkeit. Ein fixes Datum, an dem alles fertig sein muss und das sich nicht endlos verschieben lässt wie eine Opern-Eröffnung. Es muss unter den Augen der Welt klappen. Dieser Druck wirkt.
Wenn dieses „Ja“ also ein Bekenntnis dazu ist, dass gemeinsam noch Großes gelingt, dann wäre das bereits ein Erfolg – egal, ob die Spiele woanders hingehen. Aber genau daraus folgt auch der neue Anspruch: Köln und NRW spielen jetzt auf Sieg.
