Köln – Des deutschen Fußballfans liebster Tag ist meist der Samstag, die beste Uhrzeit ist 15.30 Uhr. Denn dann laufen im Normalfall gleich fünf Partien der Bundesliga parallel auf dem Bezahl-Sender Sky. Ein Kölner Medienunternehmen kümmert sich darum, dass die Anhänger den Mannschaften dabei zusehen können, wie sie Zweikämpfe führen, Tore schießen, jubeln und trauern. Wir erklären, wie die Live-Bilder aus den Stadien nach Hause auf den Fernseher ins Wohnzimmer kommen.
Verantwortlich für die Produktion ist die Kölner Firma Sportcast, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der in Frankfurt ansässigen Deutschen Fußball-Liga (DFL). Seit 2006 sind die Kölner dafür zuständig, das Basissignal von allen Spielen der Bundesliga und 2. Bundesliga zu produzieren. Insgesamt sind das pro Saison 617 Spiele: 306 Mal Bundesliga, 306 Mal 2. Liga, vier Relegationsspiele sowie der Supercup zwischen Deutschem Meister und DFB-Pokalsieger. Damit zählt Sportcast zu den weltweit größten Produzenten von Live-Sport-Übertragungen.
Den von den Kölnern produzierten World Feed können die Sender, die sich die Rechte an der Übertragung – entweder live oder in der Nachverwertung – gesichert haben, bei der DFL kaufen. Sportcast liefert das Signal dann aus. Während die Übertragungsrechte alle vier Jahre neu vergeben werden – wie zuletzt für die Periode beginnend mit der kommenden Saison – bleibt Sportcast der Produzent.
Kölner betreiben Archiv der Bundesliga
Neben der Produktion von Live-Spielen betreibt Sportcast noch das größte Fußballarchiv der Welt, indem alle Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga seit 1963 digitalisiert sind. Die Lizenznehmer können dort auf die Partien zugreifen und ihre Beiträge damit anreichern. Sportcast deckt damit die ganze Kette ab: von der Produktion vor Ort über die Distribution bis hin zur Archivierung.
Als koordinierender Dienstleister bucht Sportcast für jedes Spiel das Personal sowie sämtliches technisches Equipment. Für die Technik gibt es Übertragungswagen-Dienstleister, Sportcast arbeitet mit insgesamt sieben verschiedenen zusammen. Zum gebuchten Personal gehören unter anderem Kameraleute und Regisseure.
Rekord bei Bayern gegen Dortmund
Aufgrund des Produktionsumfangs hat Sportcast einen Pool an Freien Mitarbeitern, aufgeteilt in die vier Himmelsrichtungen, damit ein Kameramann aus Köln kein Spiel in Leipzig bearbeiten muss. Das Gleiche gilt für Übertragungswagen-Dienstleister. An einem Spieltag kommen außerhalb von Corona rund 800 Leute für Sportcast zum Einsatz. Während der Pandemie gibt es ein Sonderproduktionskonzept, in dem das Personal temporär reduziert wurde.
Pro Spiel wird ein Live-Regisseur eingesetzt, der das komplette Basissignal zusammenstellt. Bei ihm laufen die Signale aller Kameras zusammen. Bei einem herkömmlichen Bundesliga-Spiel sind das 19, bei Top-Spielen sogar 21 oder mehr. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wurde zuletzt im Spiel zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund am 6. März ein Rekord aufgestellt: Die DFL setzte für die Produktion insgesamt 26 Kameras ein.
Hinweis für die Schiedsrichter
Grundsätzlich sind alle Spiele Ein-Tages-Produktionen. Im Regelfall bringt der Übertragungswagen-Dienstleister die Technik morgens zum Stadion und baut sie dann auf. Dabei wird jedes einzelne Kabel neu verlegt. Nach dem Spiel wird dann alles möglichst schnell wieder abgebaut und in die jeweiligen Lkw verladen.
Vor Ort ist während der Produktion auch immer ein Verantwortlicher von Sportcast. Er ist der Hauptansprechpartner für alle Techniker, Sender sowie Dienstleister und steuert sämtliche Aufnahmeleute. Tatsächlich steht er auch am Spielfeldrand und gibt dem Schiedsrichter den Hinweis zum Anpfiff, damit das Spiel zur richtigen Zeit beginnt.
Corona erschwert das Arbeiten
Der Hintergrund: Es gibt zwei Distributionswege, wie das Signal vom Stadion um die Welt geht. Zum einen Glasfaser und zum anderen Satellit. Für die Übertragung via Satellit müssen Zeitfenster gebucht werden, die möglichst klein gesteckt sind, um die Kosten zu minimieren.
Die viele Erfahrung hilft Sportcast, den enormen Aufwand bestmöglich zu bewältigen. Die Pandemie-Situation allerdings erschwert das Arbeiten deutlich. In jedem Stadion gibt es Konzepte, die das Einhalten der Hygiene-Maßnahmen ermöglichen sollen.
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So gibt es beispielsweise drei verschiedenen Zonen, vom Spielerbereich bis hin zur Tribüne. Auch das Tragen von Masken beeinflusst die Produktion. So ist es mit Mund-Nase-Schutz deutlich anstrengender, ein schweres Case zu tragen, als es ohne der Fall ist.
Um die Produktion immer besser und innovativer zu machen, gibt es bei Sportcast ein Team, das sich mit der Weiterentwicklung des Signals beschäftigt. Dazu zählt der Einsatz von immer neuen Kameras. Für die Saison 2018/19 hat das Kölner Unternehmen eine Eckfahnenkamera entwickelt, die so zum ersten Mal im Profi-Sport Fußball eingesetzt worden ist. Immer häufiger werden auch kleine Drohnen verwendet.
Eine besondere Perspektive liefert auch das Aerial-Camera-System. Das ist eine Kamera, die an Seilen befestigt über das Spielfeld fliegt. Damit verbunden ist der Einsatz von Augmented-Reality-Elementen. Als am vergangenen Wochenende Bayern und Dortmund gegeneinander spielten, wurde außerdem eine Kamera auf Schienen eingesetzt.
Das grundlegende Produktionskonzept variiert dabei nicht von Woche zu Woche, sondern wird für eine vier Jahre lange Lizenzrechtperiode festgelegt. Bei ausgewählten Spielen können jedoch zusätzliche Kamerasets eingesetzt werden, um die Übertragung medial aufzuwerten.
Rücksprache mit Sky und Co.
In dieser Hinsicht hält Sportcast auch immer wieder Rücksprache mit den übertragenden Sendern, weil sich für jene durch die Aufwertung des World Feeds auch neue redaktionelle Möglichkeiten ergeben.
Auch durch den hohen Standard der mindestens 19 Kameras im Stadion ist die mediale Aufarbeitung sehr gut abgedeckt. Doch von Extra-Perspektiven bei Highlight-Spielen profitieren alle Medienpartner. Und am Ende auch der Fan, der sich um 15.30 Uhr vor seinen Fernseher gesetzt hat.



