Der österreichische Cellist Kian Soltani und das WDR Sinfonieorchester begeisterten unter Leitung des ehemaligen Chefdirigenten Cristian Măcelaru in der Philharmonie.
Cellist Kian Soltani in der PhilharmonieDie Zugabe widmet er dem iranischen Freiheitskampf

Der österreichische Cellist Kian Soltani
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Es gibt eigentlich keine melancholisch gestimmte romantische Melodie, die sich nicht mit Gewinn auf dem Violoncello spielen ließe. Der in der Mittellage weich-gedeckte, leicht nasale Klang des Instrumentes ist für weitgespannte Linien im Trauerflor geradezu ideal geeignet.
So findet sich neben der einschlägigen Originalliteratur eine Fülle von Bearbeitungen, die sich diese besondere Klangqualität des Cellos zunutze machen. Dazu gehört auch das populäre Arrangement von Tschaikowskys Nocturne op. 19/4, mit dem Kian Soltani das Abokonzert des WDR Sinfonieorchesters in der Philharmonie eröffnete.
Man kann das kleine Stück als tränenfeuchte Wunschkonzert-Nummer belächeln, aber wenn man es so fein modelliert und gestisch nuanciert wie der 1992 in Bregenz als Sohn einer persischen Familie geborene Musiker, dann entsteht da schon ein erheblicher poetischer Mehrwert.
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Mit lächelnder Eleganz
Dabei diente das Nocturne eigentlich nur zur Einstimmung; Soltanis Hauptbeitrag waren Tschaikowskys „Variationen über ein Rokoko-Thema“, die sich dem verklungenen klassischen Zeitalter mit Grazie und Wehmut, aber auch mit viel kapriziöser Virtuosität nähern.
Kian Soltani bediente all diese Facetten des Werkes mit lächelnder Eleganz; er flog technisch mühelos über rasende Skalen hinweg, intonierte blitzsauber bis in die höchsten Daumenlagen und Flageolette hinein. Für den begeisterten Applaus bedankte er sich mit der Paraphase über ein persisches Volkslied, die er dem Freiheitskampf des iranischen Volkes widmete.
Das WDR Sinfonieorchester war in der ersten Konzerthälfte vor allem damit beschäftigt, das Spiel des Cellisten aufmerksam zu unterstützen und seine solistischen Hakenschläge wendig zu parieren - was unter Leitung des ehemaligen Chefdirigenten Cristian Măcelaru auch tadellos gelang.
Die große Stunde des Orchesters schlug nach der Pause mit Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 5. Stärker als alle Aspekte der Interpretation und des Klangkonzepts vermittelte sich hier das außerordentlich hohe Spielniveau des Orchesters. Selbst in den massiven Verdichtungen des zweiten Satzes büßte der Tutti-Klang nie an Brillanz und Abbildungsschärfe ein; die allesamt großartigen Solo-Bläser verbanden klare Linienführung mit raumfüllender Expansionskraft.
Cristian Măcelaru zeigte Gustav Mahler deutlich mehr als Vollender der romantischen Sinfonietradition denn als musikalischen Repräsentanten der Psychoanalyse. Unter seinen Händen wurde die 70 Minuten dauernde Sinfonie von starken Binnenkräften zusammengehalten; alle Entwicklungen und Steigerungen folgten der Logik von Material und Form. Der rumänische Maestro verschmähte dabei alle äußerlichen Effekte; selbst das schamlos hinabgleitende Violin-Portamento im Adagietto vollzog sich mit geradezu züchtiger Diskretion.

