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Englische Perle des schwarzem HumorsVor 65 Jahren erschien „Ladykillers“

4 min

Die mörderischen Gauner mimen Musikanten.

Köln – Ein Filmklassiker feiert Geburtstag. 65 Jahre ist es her, dass die englische Komödie „Ladykillers“ mit kontrollierter Freude am Makabren neue Felder des Kinovergnügens urbar machte. Fünf Kriminelle planen einen Geldraub und mieten sich dafür bei einer alten Dame ein. Mrs. Wimmerforce – so heißt die rüstige Mittsiebzigerin – ahnt nicht im Mindesten, wer sich da im oberen Stockwerk ihres kleinen Häuschens eingenistet hat. Denn die Gangster unter der Leitung eines gewissen Professor Marcus tarnen sich als Musiker, die für ein Streichquintett üben.

Daraus entfaltet sich ein hinreißendes Spiel mit der Arglosigkeit, wenn Mrs. Wimmerforce (Katie Johnson) der Mieterschaft Tee oder Kaffee kredenzt oder um medizinische Hilfe für einen ihrer Papageien bittet. Wie soll sie auch ahnen, dass das schöne Menuett von Luigi Boccherini (der dritte Satz aus dem Quintett E-Dur op. 11/5, G 275) lediglich vom Plattenspieler erklingt und im Nebenzimmer dunkelste Pläne geschmiedet werden?

Meisterwerk des schwarzen englischen Humors

Seit ihrer Londoner Premiere am 8. Dezember 1955 steht diese Krimikomödie im Ruf eines Meisterwerks des schwarzen englischen Humors. „Ladykillers“ markiert den schillernden Höhepunkt einer Reihe von Komödien mit ausgeprägtem Hang zu zweifelhaftem Moralempfinden und einem ausgesprochen trockenen Umgang damit. Den Anfang macht 1949 „Adel verpflichtet“; der Film, in dem Alec Guinness acht Rollen spielt, die allesamt zu Mordopfern in einer Erbschaftsaffäre werden.

Zwei Jahre später folgen – erneut mit Alec Guinness – „Der Mann im weißen Anzug“, eine Satire über eine zu gut gemeinte Erfindung, und die Gaunerkomödie „Das Glück liegt auf der Straße“. Der abschließende Film ist dann 1955 „Ladykillers“. Alle Filme entstammen dem unabhängig geführten Ealing-Filmstudio. Und auch hier ist Alec Guinness mit dabei – nur diesmal als Schurke.

Wie ein Schatten aus einem Stummfilm

Guinness ist zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 41 Jahre alt; ein schlaksiger Kerl mit freundlichem Gesicht, die verkörperte leutselige Harmlosigkeit. Aber schon ein knappes Jahrzehnt davor hatte Guinness in David Leans „Oliver Twist“ dem Kindermörder Fagin eine furchterregende Doppelbödigkeit verliehen. In „Ladykillers“ treibt er die Kunst der Maskerade aus „Adel verpflichtet“ noch einmal weiter, und man muss schon genau hinschauen und in der Originalfassung auch genau hinhören, um den Star in der Rolle des Professor Marcus wiederzuerkennen.

Wie ein Schatten aus einem deutschen Stummfilm schleicht er in Hut und Mantel ums Haus der braven Mrs. Wimmerforce, und wenn wir ihn endlich sehen, wirkt er wie ein nächster Verwandter von Edward Hyde und Frankensteins Geschöpf. Kein Zweifel, dieser Mensch, vor dem sich auch seine Komplizen wegducken, ist das Urbild eines mörderischen Verbrechers. Aber – immerhin – er drückt sich gewählt aus.

Illustre Namen tummeln sich

Auch im Schurkenquartett um Marcus herum tummeln sich illustre Namen, am bekanntesten sind Herbert Lom und ein noch junger, pausbäckiger Radiostar, Peter Sellers, dazu Cecil Parker als abgehalfterter Major und Danny Green als der tumbe Kraftprotz, der Knoten heißt, aber von allen nur Pfannkuchen genannt wird. Sie alle spielen gewiefte Schurken, aber auch sie werden mürbe, wenn ihnen Mrs. Wimmerforce im ungünstigsten Moment Tee oder Kaffee anbietet oder eine Moralpauke hält. Dann liegen die Nerven blank und Mordgefühle kochen hoch. Der Film heißt ja nicht von ungefähr – „Ladykillers“.

Während amerikanische Filme wie „Arsen und Spitzenhäubchen“ zu Schlagfertigkeit und harter Herzlichkeit tendieren, ist der englische Humor in den 50er Jahren geprägt von der Kunst der heiteren Untertreibung. Man spricht über fürchterlichste Dinge, ohne dabei auch nur im Mindesten die Contenance zu verlieren. Morde werden ohne Blutvergießen zelebriert, und man pflegt ein entspanntes Verhältnis zum Tod – solange man nicht selber unmittelbar betroffen ist.

Klima der Freudlosigkeit

Alfred Hitchcock, der Engländer in Hollywood, kannte die Ealing-Filme, und es wird nicht ganz zufällig gewesen sein, dass er parallel zu Alexander Mackendricks Londoner Gaunermärchen eine köstliche Mordkomödie um gar nicht so brave Kleinstadtbürger von der Ostküste drehte. Aber wo „Immer Ärger mit Harry“ in den warmen Farben des Indian Summer schwelgt, beschwört „Ladykillers“ ein Klima der Freudlosigkeit, in dem einzig die Wangen von Mrs. Wimmerforce eine rosige Frische aufweisen.

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Das englische Spiel mit der Beiläufigkeit erfreute sich über die Jahrzehnte hinweg ungebrochener Beliebtheit – und erlebt auch in neuen Filmen höchste Wertschätzung, zuletzt in „Knives Out – Mord ist Familiensache“. Und deshalb schauen wir immer wieder zurück auf jenes kleine Häuschen am Ende einer Sackgasse oberhalb eines Güterbahnhofs mitten in London, wo eine nette alte Dame glaubt, dass sie fünf Musiker beherbergt.

Zum Jubiläum kommt „Ladykillers“ in neuer 4K-Bildmischung als DVD und BluRay in den Handel.