Eric Clapton ist mittlerweile 81 Jahre alt – seine Musik aber ist zeitlos und faszinierte die Fans in der Kölner Lanxess-Arena.
Rock-Legende in KölnEric Clapton verwandelt die Lanxess-Arena in einen Ort der Stille

Eric Clapton war zu Gast in Köln (Archivbild von 2019)
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Es ist nicht einfach, eine mit 17.000 Menschen voll besetzte Lanxess-Arena in einen Ort der Stille zu verwandeln. Sie wurde schließlich für Lärm und Ausschweifungen der guten Laune gebaut. Einem 81 Jahre alten Mann mit einer Gitarre ist es am Freitag dennoch gelungen. Er hat seine Fans persönlich in das Museum seiner zeitlosen Musik geladen. Köln ist mit München und Mannheim eine der drei Städte, die das Glück haben, Teil einer kurzen Deutschland-Tournee von Eric Clapton zu sein.
Jungen Menschen, die in der Arena nur sehr vereinzelt in Begleitung von Eltern oder Großeltern erschienen waren, ist die Größe dieses mit Geschichte schwer beladenen Künstlers kaum zu erklären. Eric Clapton hat mehr als 270 Millionen Tonträger mit seiner Musik verkauft, wurde als einziger Musiker dreimal in die Hall of Fame des Rock'n'Roll aufgenommen und darf sich seit 2004 Commander of the Order of the British Empire (CBE) nennen. Er hat vor langer Zeit das elektrische Gitarrenspiel neu definiert, den Blues-Rock mit seinen schweren Riffs revolutioniert, der Akustik mit Unplugged-Konzerten zum Durchbruch verholfen und Songs für die Ewigkeit geschrieben.
Wenn Eric Clapton spielt, spielt die Musikgeschichte selbst; trotz dokumentierter körperlicher Leiden immer noch mit fester Stimme, sicheren Akkorden und der Fingerfertigkeit, die akkurate Soli von mehreren Minuten Länge erlaubt. Da ist kein Platz für Geschrei. Es erklingt der Soundtrack von Generationen. Sein Publikum ist in Würde mit ihm gealtert und weiß, wann es innezuhalten, zu schwelgen und zu staunen hat.
Clapton verwandelt persönliche Dramen in Musik
Eric Clapton (81) besitzt wie alle Genies die Fähigkeit, seine persönlichen Dramen und Schwächen in große Kunst zu verwandeln. Als Junge, der vaterlos in der Familie seiner Mutter aufwuchs, bis er weit nach der Pubertät erfuhr, dass seine vermeintliche Mutter die Großmutter war, hat ihn die erste Gitarre gerettet. Ein billiges Ding aus Deutschland, auf dem er sich die Hände blutig spielte. Seinen fantastischen Aufstieg erlebte Clapton im Rausch der Drogen ohne Verständnis dafür, dass er mit den Yardbirds, John Mayall & the Bluesbreakers und dem fantastischen Trio Cream Musikgeschichte schrieb. Das Graffiti „Clapton is god“ zierte Wände der Londoner U-Bahn in den 60er-Jahren, noch bevor Jimi Hendrix die großen Bühnen betrat.
Mit der Gitarre kam Clapton klar, mit dem Rest seines Lebens nicht. Und aus jeder Katastrophe wurde ein Lied für die Geschichte. Die lange Zeit unerwiderte Liebe zur Stilikone Pattie Boyd, der Freundin seines besten Freundes George Harrison, wurde zum ikonischen Riff von „Layla“, das Clapton in Köln in einer bewegenden Akustik-Version spielte. Der tragische Tod seines Sohnes Conor, der 1991 im Alter von vier Jahren aus dem 53. Stock eines New Yorker Hochhauses stürzte, zu „Tears in Heaven“, dem emotionalen Höhepunkt des Kölner Konzerts. Die scheiternde Ehe zu Pattie Boyd, die er schließlich doch bekam und heiratete, um dann das Interesse an ihr zu verlieren, zu „Wonderful tonight“.
Eric Clapton engagiert sich sozial
Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden, denn außer im Blues und den Drogen fand Clapton keinen Trost. Das Heroin ersetzte er irgendwann durch Alkohol, bis an den Rand der Selbstzerstörung. Die nicht immer verdiente Hilfe guter Freunde wie George Harrison, der ihm den Diebstahl seiner Geliebten Pattie verzieh, hat ihn mehrfach gerettet. Und ein loyales Management machte ihn trotz seiner Eskapaden zu einem Musiker, der im Gegensatz zu fast allen Weggefährten der wilden Zeiten des Rock'n'Roll Geldsorgen nie kannte.
Als er clean wurde und zu verstehen begann, was für ein unverschämtes Glück er hatte, begann Eric Clapton, etwas davon jenen weiterzugeben, die das nicht hatten. Er baute auf der Karibikinsel Antigua eine Entzugsklinik für Süchtige und förderte übersehene Künstler wie den leisen Virtuosen J.J. Cale, dessen Songs „After Midnight“ und „Cocaine“ er zu Welthits machte, die dem Autor die Karriere retteten und ein finanziell sorgenfreies Leben ermöglichten.
Kölner Publikum hüpft zu Cocaine
Bei „Cocaine“ durfte das Publikum in Köln seine Zurückhaltung verlassen und tanzend und hüpfend mitsingen. Die Lanxess-Arena wurde wieder sie selbst. Dass der große Meister während der ganzen Show zu seinen 17.000 Fans nur einmal „Thank You“ gesagt hatte, nach ihren Liebesbekundungen für „Tears in Heaven“, wunderte keinen der treuen Fans. Eric Clapton hat immer nur mit der Gitarre gesprochen und in seinen wilden Zeiten ganze Konzerte auf dem Bode liegend oder mit dem Rücken zum Publikum auf dem Stuhl sitzend gespielt.
Als der große Meister die Tür zu seinem Museum nach eineinhalb Stunden und einer Zugabe verschloss, bewegten sich die Massen andächtig und dankbar nach draußen. Keiner weiß, ob es in Köln noch einmal geöffnet sein wird.
