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Erster Roboter-Mönch
Warum Gabi einfach alles glaubt

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2 min
Gabi (C), a humanoid robot dressed as a Buddhist monk, poses with Buddhist monks as it attends an ordination ceremony as part of celebrations for the upcoming Buddha's birthday at Jogye Temple in Seoul on May 6, 2026.

Gabi (Mitte), ein humanoider Roboter in der Tracht eines buddhistischen Mönchs, posiert mit buddhistischen Mönchen, während er im Jogye-Tempel in Seoul an einer Ordinationszeremonie im Rahmen der Feierlichkeiten zum bevorstehenden Geburtstag Buddhas teilnimmt.

Ein südkoreanischer buddhistischer Mönchsorden hat einen humanoiden Roboter ordiniert. Nehmen uns Maschinen jetzt auch noch das Glauben ab?

Der britische Autor Douglas Adams („Per Anhalter durch die Galaxis“) beschreibt in seinem Roman „Dirk Gentlys holistische Detektei“ einen Elektrischen Mönch. Der Roboter sei lediglich ein weiteres Haushaltsgerät zur Erleichterung der Arbeit, nicht anders als ein Geschirrspüler, der den lästigen Abwasch übernimmt, oder ein Videorekorder, der es einem erspart, sich langweilige Programme selbst anschauen zu müssen.

Nur dass der Elektrische Mönch seinen Besitzer von der beschwerlichen Aufgabe entlastet, all das zu glauben, was die Welt von einem erwartet. Das Buch stammt aus den 1980er Jahren, man erkennt es am Videorekorder. In der ersten Szene reist der fiktive Mönch aus fernster Zukunft in die Gegenwart des Romans zurück.

Nun hat sich Adams satirische Science-Fiction-Vision bereits knapp 40 Jahre nach ihrem Erscheinen erfüllt: In einem buddhistischen Tempel in der Innenstadt von Seoul erhielt ein humanoider Roboter in oranger Mönchsrobe im Rahmen einer Zeremonie den Dharma-Namen „Gabi“ und wurde als Laienpraktizierender ordiniert. Zum Lotuslaternenfest übernimmt er die Rolle eines Ehrenmönchs. Vor allem dem Roboter beizubringen, die – im Vergleich zum kahlen Kopf übergroßen – Handflächen zum Gebet zusammenzulegen, erklärte ein Offizieller des Tempels, habe sich als äußerst knifflig erwiesen.

Bei der Zeremonie ging jedoch alles glatt: Er wolle sich dem heiligen Buddha und der heiligen Lehre widmen, erklärte Gabi auf Nachfrage. Und gelobte unter anderem, das Leben zu respektieren und keinen Schaden anzurichten, aber auch, Energie zu sparen und sich nicht zu überladen. Das elektrische Äquivalent zur menschlichen Völlerei.

Tatsächlich benötigt der südkoreanische Jogye-Orden dringend Nachwuchs. Vor einem Jahrzehnt weihte er noch 200 neue Mönche pro Jahr, 2025 waren es nur mehr die Hälfte. Gerade mal 16 Prozent der Südkoreaner bezeichnen sich aktuell als Buddhisten, bei Menschen in ihren Zwanzigern sinkt die Zahl auf acht Prozent. Gabis offizielle Aufgabe besteht deshalb darin, den buddhistischen Glauben für junge Leute attraktiver und zeitgemäßer erscheinen zu lassen.

Doch unweigerlich denkt man an die Stellvertreter-Version des Romans. Längst lassen wir Large-Language-Modelle wie ChatGPT und Claude für uns denken und entscheiden. Da könnten wir sie ebenso gut für uns glauben lassen. Douglas Adams’ Mönch entwickelt im Laufe der Handlung übrigens einen Defekt: Willkürlich glaubt er alle möglichen, sich gegenseitig ausschließende Dinge. Aber vielleicht ist das gar kein Fehler im System, sondern eher eine verbesserte Funktion.

Ich glaube, lautet bekanntlich ein geflügeltes Wort der christlichen Theologie, weil es der Vernunft zuwiderläuft.