Heike und Andreas Becker machten schon in jungen Jahren Schlagzeilen. Nun verbindet sie ein Schicksal, ihr Glaube und ganz viel gute Laune.
Multiple SkleroseBedburger Ehepaar will sich trotz Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lassen

Heike und Andreas Becker aus Bedburg begegnen dem Schicksal mit unerschütterlichem Optimismus und versprühen auch in ihren E-Scootern gute Laune.
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Sie zeigen sich FC-begeistert in rot-weißen Shirts, lachen im Café vor dem Dom in die Kamera, treffen sich mit anderen zum Schnitzelessen im Brauhaus, besuchen den Tanz in den Mai der Feuerwehr Kaster-Königshoven oder zeigen sich beim Frühstück in der Eifel – wer sich die Facebookprofile von Heike und Andreas Becker anschaut, bekommt schnell einen Eindruck davon, wie unternehmungslustig, aktiv, mobil und ansteckend gut gelaunt die Beckers sind.
Die positive Einstellung zum Leben ist alles andere als selbstverständlich, denn die Beckers verbindet ein Schicksal: Sowohl Heike (52) als auch Andreas (50) sind an Multipler Sklerose (MS) erkrankt, deren Symptome das Ehepaar in der Beweglichkeit stark begrenzt. „Wir wollen uns aber nicht einschränken lassen und sind auch nicht die Typen, die sich hängen lassen“, sagt Andreas Becker. „Wir sind auch nicht auf der Suche nach Mitleid.“
Bedburg: Das Ehepaar Becker hat stets Sehnsucht nach dem Dom
Der Krankheit geben sie dann auch nur so viel Raum im Leben, wie es unbedingt sein muss. Taxis bringen sie zu entfernteren Zielen, ihre beiden E-Scooter dienen den kurzen Strecken. MS-Therapien machen beide nicht. „Wir kennen genug Menschen, denen es bei den Therapien schlecht geht“, sagt Andreas Becker. „Köln ist für uns wie Therapie. Je weiter wir vom Dom weg sind, desto größer das Heimweh.“

Im Jahr 1988 startete Heike Becker, damals noch Esser, bei Olympia in Seoul im Brustschwimmen.
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Nicht nur das Schicksal und die positive Lebenseinstellung verbindet die beiden, sondern die frühe Erfahrung der damaligen Bedburger Gymnasiasten, im Rampenlicht zu stehen. Heike Becker, die damals noch Esser hieß, startete 1988 mit gerade mal 16 Jahren bei den Olympischen Spielen in Seoul beim Brustschwimmen. Der deutsche Star-Schwimmer „Albatros“ Michael Groß hatte sie in Südkorea unter seine Fittiche genommen. Und Andreas Becker war mit gerade mal 18 Jahren bei der Kommunalwahl 1994 einer der drei jüngsten Ratsherren in NRW.
Während der Jurist Andreas der Politik treu blieb, zeitweise Referent des Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und CDU-Vorsitzender in Bedburg war und auch heute noch in der Staatskanzlei in Düsseldorf arbeitet, studierte Heike Sozialwissenschaften. In der Promotion erhielt sie die Diagnose MS, ein Einschnitt, der auch ihren späteren Mann Andreas früh traf. „Ich konnte nicht mehr laufen, wie ich wollte, nicht mehr spontan schwimmen gehen“, sagt Heike Becker. „Es fühlte sich an, als würde mir ein Stück meiner Identität genommen.“

Im Jahr 1994 machte Andreas Becker Wahlkampf mit dem späteren Bundesminister und Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (r.).
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Obwohl sie sich schon in Schulzeiten über den Weg liefen, war es erst ihr gemeinsamer Hausarzt in Niederaußem, der sie zusammenführte. „Er meinte, wir würden einander guttun – und er hatte recht“, sagt Andreas Becker. 2005, bei „Rhein in Flammen“, lernten sie sich näher kennen und lieben.
Auch der gemeinsame Glaube schweißt die beiden zusammen. „Wir sind nicht die typischen Katholiken, aber wir glauben, dass da oben etwas ist, das uns hilft“, sagt Heike Becker, die gemeinsam mit Andreas nach der kirchlichen Hochzeit 2011 in Rom war und dort bei einer Audienz beim Papst dabei sein durfte.
Das Schicksal prüfte die beiden weiter. Im Januar 2022 waren sie im Auto auf dem Weg zu einem Gottesdienst, die Sonne blendete, das Auto touchierte eine Verkehrsinsel und überschlug sich. Heike Becker brach sich bei dem Unfall zwei Wirbel, Metallkörper stabilisieren nun ihre Wirbelsäule. „Das hätte ganz anders ausgehen können“, sagt ihr Mann.

Bei einem Unfall im Jahr 2022 wurden Andreas und Heike Becker verletzt, Heike brach sich zwei Wirbel.
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Obwohl Heike Becker mit den Folgen des Unfalls und den Symptomen der Krankheit weitaus stärker zu kämpfen hat, ist sie der Motor für Unternehmungen. „Sie kann nicht ruhen“, sagt Andreas Becker. „Sie muss jeden Tag etwas Besonderes machen, sie ist immer in Action.“ Unterkriegen lassen wollen sie sich keinesfalls. „Ja, man lernt Demut, aber die Krankheit ist ja kein Todesurteil.“
Sie wollen auch weiter viel reisen, sie wollen auch weiter so oft es geht nach Köln und zum Dom, sie wollen Konzerte besuchen. Und sollten Städte in NRW 2036 zum Austragungsort für Olympia werden, steht für die Beckers schon fest: „Wir fahren nach Gelsenkirchen, wo die olympischen Schwimmwettbewerbe stattfinden“, sagt Andreas Becker, der keinen Hehl daraus macht, unendlich stolz darauf zu sein, eine Olympionikin geheiratet zu haben.

