Köln – „Hier sind wir wieder“, sagte Martina Richter zur Begrüßung, und wer wollte, hörte einen stummen Seufzer der Erleichterung heraus. Dabei war das Film Festival Cologne im vergangenen Jahr nicht einmal ausgefallen, sondern hatte sich wegen der Corona-Pandemie „nur“ verkleinern und auf reisende Stargäste weitgehend verzichten müssen. Bei der kommenden Ausgabe, versprach die Geschäftsführerin des wichtigsten Kölner Film- und Fernsehfestivals, werde das anders sein. Man darf also damit rechnen, dass die drei bereits verkündeten Preisträger Steve McQueen, Gaspar Noé und Phil Grabsky Ende Oktober leibhaftig vor Ort sein werden.
Mit dem Film Festival Cologne Award für Oscar-Preisträger und Turner-Prize-Gewinner Steve McQueen („12 Years a Slave“) haben Richter und Programmleiter Johannes Hensen tatsächlich einen kleinen Coup gelandet. McQueen zählt nicht nur zu den interessantesten aktuellen Filmemachern, er hat im letzten Jahr mit „Small Axe“ zudem eine hochgelobte Fernsehserie für die BBC gedreht – so kann das Filmfestival, das zugleich ein Treffen der Fernsehbranche ist, die beiden Pole seiner zwiespältigen Existenz im Hauptpreisträger elegant vereinen.

Steve McQueen
Copyright: BBC
Der mit dem Hollywood Reporter Award bedachte französische Skandalfilmer Gaspar Noé wirkt daneben wie eine illustre Verlegenheitslösung; Phil Grabsky erhält den Phoenix Dokumentarfilmpreis für seine Langzeitdokumentation „My Childhood, My Country: 20 Years in Afghanistan“ über eine Kindheit und Jugend im Kriegsgebiet. Zwei weitere Preisträger werden noch bis Festivalbeginn bekannt gegeben; der Frauenanteil kann sich in diesem Segment also noch erhöhen.
In mehr als einer Hinsicht soll die 31. Ausgabe des Film Festivals Cologne eine Rückkehr zur Normalität bieten. „Wir werden eine gute Atmosphäre hinkriegen“, sagte Hensen, man plane im Rahmen des eigenen Hygienekonzepts, 80 Prozent der Sitze in den Festspielkinos freizugeben. Der Programmumfang sei bereits wieder nahezu auf dem Stand vor der Pandemie, bei den Filmeinreichungen habe es sogar einen Rekord gegeben. Die neuen Trends sind laut Hensen mit dem anhaltenden „Doku-Hype“ und den „Streaming Wars“ der großen Streaming-Plattformen ebenfalls die alten. Ob der Krieg um Marktanteile auch in Deutschland zu mehr Fernsehserien auf Weltniveau führt, wie Martina Richter betonte, wird zu überprüfen sein. Aber vielleicht sinkt ja auch einfach nur das Weltniveau.
Als Gaststars kommen Lars Eidinger und Jella Haase
Als sichere Sache haben sich in den letzten Jahren die Sektionen erwiesen, in denen das Film Festival Cologne ausgewählte Höhepunkte und Fundstücke aus den Programmen der großen internationalen Festivals nachspielt. So laufen unter dem Titel „Best of Cinema Fiction“ in Köln die neuen Filme von Bruno Dumont, Mia Hansen-Løve, Jacques Audiard, Paul Verhoeven, Ryūsuke Hamaguchi und anderen Stars des Autorenkinos. Weitere Sektionen widmen sich dem Dokumentarfilm, der „Top Ten“ des internationalen Fernsehens (mit der RTL-Serie „Faking Hitler“) oder der Filmproduktion in Nordrhein-Westfalen. Letztere versorgt das Festival verlässlich mit Gaststars. Für dieses Jahr haben sich unter anderem Heike Makatsch, Jella Haase, Lars Eidinger, Albrecht Schuch, Heiner Lauterbach, Frederick Lau und Katharina Schüttler angekündigt.
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Wie so viele andere Festivals auch, hat das Film Festival Cologne die Pandemie genutzt, um eine digitale Strategie zu entwickeln. Ab sofort ist auf der eigenen Internet-Seite ein üppiges Anhängsel freigeschaltet, mit der sich das achttägige Festival eine Ganzjahrespräsenz verleihen will. Eine Weltneuheit ist laut Richter sogar der GIF-Parcours, auf dem in Kölner Schaufenstern eine Auswahl der beliebten Filmanimationen im Grafikaustausch-Format zu sehen ist. Mit diesem Rundkurs will Richter „das Festival in die Stadt tragen“. An diesem Punkt hakt es tatsächlich noch. So richtig ist das etablierte Branchentreffen und Beinahe-Publikumsfestival nämlich in der Stadt nicht angekommen.
Film Festival Cologne, Hauptspielort: Kino Filmpalast, Hohenzollernring 22, Köln, 21. bis 28. Oktober 2021. Alle Termine sowie Online-Tickets ab sofort auf: filmfestival.cologne



