- Der Zero-Künstler Heinz Mack wehrt sich gegen Vorwürfe.
- In den 80er Jahren soll er Werke anderer Künstler restauriert und als Originale verkauft haben.
- Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur weist er die erhobenen Vorwürfe zurück.
Köln – Im Jahr 1984 vernichtete und beschädigte ein Brand im Mönchengladbacher Domizil des Künstlers Heinz Mack große Teile von dessen Kunstsammlung. Der inzwischen 88-Jährige räumte gegenüber dieser Zeitung ein, „einige leicht beschädigte Kunstwerke mit seinem ganzen künstlerischen Können teilweise restauriert“ zu haben. Jetzt hat sich Mack in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur noch einmal erklärt und weist die unter anderem durch den ehemaligen Kunsthändler Helge Achenbach und den Galeristen Rudolf Zwirner erhobenen Vorwürfe zurück.
Sechs durch das Feuer beschädigte Arbeiten von Yves Klein, Joseph Beuys, Max Bill und Arman habe er restauriert, und zwar „im Dialog mit zwei fachkundigen und renommierten Restauratoren, Otto Hubacek und Heinz Althöfer“, sagt Mack. Den Kunsthändler Helge Achenbach habe er über die Restaurationen „von Beginn an in Kenntnis gesetzt“. Mack weiter: „Am Ende merkte ich jedoch, dass ich auch durch die Instandsetzung dieser sechs Arbeiten keinen Frieden fand.“ Achenbach habe ihn gefragt, „ob er mich von einem Teil der verbliebenen Sammlung befreien solle und mir diese abkaufen könne. Wir einigten uns am Ende auf 13 Arbeiten. Der restliche, unberührte Teil der Sammlung befindet sich noch heute weggesperrt in einem Lager. 2014 stellte ich einige Arbeiten von damals für die Ausstellung »ZERO Zeit. Mack und seine Künstlerfreunde« zur Verfügung. Darüber hinaus hat kein Werk der ehemaligen Sammlung den Lagerraum jemals verlassen.“
„Auffälliger Geruch“ frischer Farbe
Otto Hubacek bestätigt auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass er von Helge Achenbach herangezogen wurde, um die angekauften Werke zu begutachten – dabei sei ihm unter anderem der „auffällige Geruch“ frischer Farbe aufgefallen. Er habe allerdings nie das Wort „Fälschung“ ausgesprochen. Auf Nachfrage räumt Hubacek ein, ebenfalls im Mönchengladbacher Atelierhaus von Heinz Mack zugegen gewesen zu sein, um die vom Feuer in Mitleidenschaft gezogenen Werke in Augenschein zu nehmen. Mack habe wissen wollen, ob man die Objekte, die lediglich lädiert gewesen seien, wieder herstellen könne.
Helge Achenbach ist empört über Macks Version der Geschichte. „Ich wollte nicht, dass bekannt wird, dass es Heinz Mack war, der seine Sammlung in den 80er Jahren neu aufgebaut hat. Ich wollte in meiner Autobiografie lediglich Beispiele dafür schildern, wie der Kunstmarkt in den vergangenen Jahren verroht ist“, sagt Achenbach. „Es geht mir seit meiner Verurteilung darum, nur noch die Wahrheit zu sagen. Und die lautet, dass dieser Künstler seine Sammlung, die 40 bis 50 Arbeiten umfasste, nachgebaut und an mich verkauft hat.“
Mack soll „aufhören zu lügen“
Der frühere Mack-Händler Winfried Reckermann erinnert sich an einen Besuch bei Heinz Mack kurz nach dem Atelier-Brand 1984. „Es war eine riesige Sammlung mit großen, kleinen und mittleren Werken. Alles war mehr oder weniger zerstört. Ich erinnere mich an einen total verschmorten Plexiglasrahmen, in dem man noch das Blau von Yves Klein erkennen konnte. Heinz Mack war voller Trauer.“ Rudolf Zwirner äußert sich unterdessen erzürnt über Macks Darstellung der Geschichte: Wenn Mack wie behauptet Fotos von den Werken habe oder sich Teile der Sammlung in einem Lager befänden, sei es an der Zeit, die Beweise auch zu liefern, sagt er. Der Galerist verlangt im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ von Heinz Mack, dass dieser „endlich aufhören soll zu lügen“. Wenn dieser nun behaupte, Arman habe nach der Fiac zum Ausdruck gebracht, „kein Problem mit diesem Vorfall“ – gemeint ist offenbar das Werk „Geige“ – zu haben, so könne es sogar möglich sein, dass Arman dies gesagt habe. Das sei ein Akt des Verzeihens gewesen, den er, Zwirner, schon damals nicht habe nachvollziehen können.
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Er habe die Polizei einschalten wollen, aber Arman habe entgegnet: „Rudolf, zeig ihn nicht an.“ Das ändere aber nichts daran, dass man das Werk nur als Fälschung verstehen könne. Warum sonst hätte der Düsseldorfer Galerist Hans Mayer das Werk zurückgenommen und ihm, Zwirner, auch das Geld zurückerstattet?
Für Zwirner stellt sich aber nun noch eine weitere Frage: „Wo ist das Bild geblieben?“ Und darüber hinaus: „Wo sind die anderen Bilder der Sammlung, die Fontana, die Manzoni?“ Auch die Datierungen, die Mack vorgenommen habe, „gehen gar nicht“, so Zwirner. „Es tut mir weh, dass Mack nichts verstanden hat.“
Früh getrennt
Der ehemalige Mack-Händler Reckermann bezeugt derweil, dass die Arman-Geschichte von der Pariser Kunstmesse sich so zugetragen habe wie von Zwirner erinnert: „Ich war damals mit meiner Galerie an einem benachbarten Stand“, erinnert sich der Kölner. „Irgendwann kam Zwirner völlig aufgelöst zu mir und erzählte, Mack habe seinen Arman gefälscht. Wenig später hat Arman, mit dem ich befreundet war, mir die Geschichte selbst erzählt.“ Er habe keine schlechten Erfahrungen mit Heinz Mack gemacht, sagt Winfried Reckermann. „Wir haben uns allerdings auch früh wieder getrennt. Und in der Folge gab es immer wieder Gerüchte um ihn, auch darum, dass Mack seine Werke zurückdatieren würde“.
Mack sagt, sechs Werke habe er zurückgenommen. „Diese wurden von mir verbrannt. Ich habe das damals zwar fotografisch dokumentiert, diese Fotos sind aber leider aktuell nicht auffindbar.“ Achenbach sagt, Mack habe die gesamte Sammlung zurückgenommen – und fordert so wie Zwirner den Künstler auf, vermeintliche Beweise vorzubringen. (mit uk, dpa)


