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Im Kölner StadtgartenDer 15. Winterjazz wird zu seinem Jubiläum zum kleinen Festival

3 min
Porträt der Sängerin Anne Hartkamp, Stepptänzerin Ulrike Neth und Bassistin Ulla Oster

Sängerin Anne Hartkamp, Stepptänzerin Ulrike Neth und Bassistin Ulla Oster

Zum 15. Mal bietet der Kölner Winterjazz eine spannende Vorschau aufs neue Konzertjahr. Zum Jubiläum sogar als Spezialausgabe.

Zu den Vögeln, die im Winter nicht in den Süden fliegen, gehört der Buntspecht, sein Trommeln verrät ihn über weite Strecken hinweg. Auch der Jazz in Köln macht keinen Winterschlaf, und auch er gibt gleich zu Beginn des Jahres kräftig Laut beim 15. Winterjazz-Festival: Auf vier Bühnen im Stadtgarten sowie im Club Zimmermanns geben insgesamt 14 Projekte spannende Einblicke ins kommende Konzertjahr.

Den anpassungsfähigen Vogel gleich im Namen trägt das Projekt Great Spotted Woodpecker von Sängerin Anne Hartkamp, Stepptänzerin Ulrike Neth und Bassistin Ulla Oster, die im Übrigen gemeinsam mit Saxofonistin Angelika Niescier Winterjazz erneut kuratiert hat. Bei dem reizvollen Trio dreht sich körperlich, musikalisch und emotional alles um Bewegung. Oster: „Wir haben längere Zeit geforscht, um die Tradition des Stepptanzes für unsere Art des Zusammenspiels aufzubrechen und neu zu gestalten. Wie andere Winterjazz-Projekte in diesem Jahr ist auch dies eher eine intime Besetzung.“

Klangwelt zwischen Jazz, Kammermusik und Liedkunst

Gesang spielt auch in anderen Projekten eine prägende Rolle. Sängerin Tamara Lukasheva, Gitarrist Kalle Kalima und Posaunist Janning Trumann suchen ihre Klangwelt zwischen Jazz, Kammermusik und Liedkunst, wobei sie Gedichte von Rainer Maria Rilke und Bertolt Brecht ebenso aufgreifen wie eigene Lyrik. Gänzlich andere, sphärische Klanggemälde entwirft Julia Ehninger mit Jonathan Hofmeister (Synthesizer), Nico Amrehn (Bass) und Alex Parzhuber (Schlagzeug). Ihr Band-Projekt Himoya schwelgt verführerisch in üppigen Soundscapes zwischen Jazz, Synth-Pop und experimentellem Sound. Während die singende Multimedia-Künstlerin, Komponistin und Improvisatorin Cansu Tanrıkulu zur intensiven Zwiesprache mit Etienne Nillesen auf der Snare Drum aufbricht, ist Filippa Gojo der Einladung des Bassisten Alexander Morsey gefolgt, wobei zu dessen eigens für die Jubiläumsausgabe formiertem Quintett auch Roger Hanschel (Altsaxofon), Andreas Wahl (Gitarre) und Jens Düppe (Schlagzeug) gehören.

Neben Morsey und Cansu Tanrıkulu sind auch noch Benoît Delbecq, Alexandra Grimal und Monika Roscher der Einladung zur „Special Edition 2026“ gefolgt und haben exklusive Ensembles zusammengestellt, unter anderem mit Marlies Debacker und Elisabeth Coudoux sowie mit Theresia Philipp, Robert Landfermann und Jonas Burgwinkel. Das Jubiläumsprogramm runden Pianist Philip Zoubek (solo), Gitarrist Philipp Brämswig (im Trio), Shiva & The Destroyer (als „ätherische Parallelidentität“ der Krautjazz-Band C.A.R.), das Quartett Dog Soup (als kollektives „Meta-Instrument“) sowie das Trio Toxodon (als „tollkühner Wust aus halb-aquatischen Klangsphären und schroffen Independent-Felsen“) mit ihren Auftritten ab.

Bassist Florian Herzog

Bassist Florian Herzog

Florian Herzog holt Pianistin Chaerin Im mit ins Boot

Last but not least darf man sich auf Bassist Florian Herzog und sein Band-Projekt „Almost Natural“ freuen, zu dem neben Saxofonist Sebastian Gille und Schlagzeuger Leif Berger erstmals auch die südkoreanische, in Amsterdam lebende Pianistin Chaerin Im gehört, die während der letztjährigen Cologne Jazzweek mit ihrem eigenen Trio begeisterte. Für „Almost Natural“ schafft Herzog einmal mehr viel Raum für alle Freiheiten seiner Mitmuszierenden, zugleich freut er sich auf Chaerin Im: „Sie bringt frischen Wind in die Band, weil gerade das Klavier naturgemäß eine große Macht hat, die Klangfarben zu beeinflussen.“

Das am Vorabend von Winterjazz stattfindende NICA live special erweitert angesichts des Jubiläums sein Programm auf zwei Tage. Präsentiert werden alle derzeit aktiven NICA Artists, darunter Jorik Bergman (mit Jocra Likra), Theresia Philipp (mit Pollon with Strings), Emily Wittbrodt (mit The Mendelssohn-Project) und Felix Hauptmann (mit Percussion). „So wird die 15 Jahre Special Edition von Winterjazz zu einem veritablen, kleinen Festival“, freut sich Ulla Oster.


Winterjazz Köln 2026. 15 Jahre Special Edition. 10.1., Stadtgarten, ab 19 Uhr.

NICA live special 2026. 8. und 9.1., Stadtgarten, Jaki, Christuskirche, Neu St. Alban. Jeweils 20 Uhr.