Der Posaunist und Komponist Janning Trumann leitet die Cologne Jazzweek. Für die Kölner Kultur wünscht er sich in Zeiten knapper Kassen mehr Synergien.
Kölner Jazz-Star Janning Trumann„Die Stadt muss sich fragen, was sie eigentlich will“

20.08.2025 Köln. 'Kulturmonat' mit Janning Trumann. Der Musiker setzt sich für die Kölner Jazzszene ein und ist Geschäftsführer der Cologne Jazzweek, die am 31.8. startet. Foto: Alexander Schwaiger
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Kaum eine Stadt – und ich komme relativ viel international herum – hat kulturell so ein starkes Potenzial wie Köln. Wir haben hier eine sehr große Musikszene durch alle Genres, allen voran Jazz. Das geht bis auf die Nachkriegszeit zurück, mit dem WDR und dem Deutschlandfunk. Hier waren schon immer wichtige Personen der Neuen Musik und im Jazz zu Hause und heute leben in Köln über 400 professionelle Musikerinnen und Musiker aus der Jazz- und Improvisierten Musik – keine Stadt neben Berlin kann das von sich behaupten.
Ich bin 2010 für mein Studium an der Hochschule für Musik und Tanz hierhergekommen. Peter Herbolzheimer, ein großer Komponist und Big Band-Leiter, der leider im selben Jahr verstorben ist, meinte damals: „Wenn du in Deutschland Posaune studieren möchtest, dann musst du das in Köln machen.“ Bis heute ist es der gute Ruf der Musikhochschule, der sehr viele junge Menschen hierherlockt. Sie ist ein starkes Fundament für den Musik- und Kulturort Köln. Das war mir damals noch gar nicht so bewusst wie heute. Ich wusste nur: Hier gibt es den Stadtgarten und das Loft, die jeden Tag Konzerte mit Jazz-Fokus anbieten, den WDR, die Big Bands, die Musikhochschule, TV Total und diese ganzen Fernsehgeschichten. Das heißt: Die Musik spielt in Köln.
Hier gibt es den Stadtgarten und das Loft, die jeden Tag Konzerte mit Jazz-Fokus anbieten, den WDR, die Big Bands, die Musikhochschule. Die Musik spielt in Köln.
Köln hat auch eine starke Lebenskultur auf den Straßen: Restaurants und ein aktives Nachtleben, das nicht zuletzt auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Beim Thema Lärmschutz, gerade im Hinblick auf den Brüsseler Platz, ärgert mich wirklich, dass es hier kein gutes Konzept auch für das Kulturleben gibt: Was ist unsere Philosophie für ein spannendes Nachtleben in der Kultur? Die Kulturraum-Schutzzone in Ehrenfeld ist da ein positives Beispiel, Kreativräume zu sichern – und wird auch überregional wahrgenommen. So etwas ist ein positives Beispiel, das auch überregional wahrgenommen wird.
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Ich bin natürlich sehr viel im Stadtgarten und im Loft in Ehrenfeld, aber auch gerne in der ganzen Stadt unterwegs. Ich mag zum Beispiel das Schauspiel mit dem Ort im Carlsgarten und bin sehr gespannt auf Kay Voges‘ Premiere. Ab und an bin ich auch in der Philharmonie, weil der Konzertraum und der gesamte Gebäudekomplex tolle Orte sind. Von den Museen mag ich das Kolumba am liebsten. Ich mag dieses Schlendern, vom NS-Dok über den Offenbachplatz ins Kolumba – das ist eine tolle Ecke, auch verbunden mit Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten. Und das hat auch ein großes Potenzial im Hinblick auf die Offenbachplatz-Eröffnung.
In meiner Studienzeit habe ich alle möglichen Konzerte mitgenommen. Wahrscheinlich habe ich überall auch schon mal selbst gespielt: im Artheater, im Loft, damals dem Studio 672 im Stadtgarten – jetzt das Jaki – oder bei den verschiedenen Festivals, wie Achtbrücken. Ich bin groß geworden in dieser Kölner Kulturlandschaft, bin dann 2015 bis 2017 für das Masterstudium in die USA gegangen, und habe festgestellt: Ich vermisse Köln. Ich hatte Heimweh nach einer Stadt, die ich gar nicht so gut kannte wie meine Heimat, die mir aber bis heute sehr viel gibt und mich zu Hause fühlen lässt.
Deshalb bin ich seit 2017 wieder hier und habe seit mittlerweile fünf Jahren die Cologne Jazzweek mitaufgebaut – ein Festival, das einmal im Jahr auf internationalem Niveau bietet, was hier das ganze Jahr über stattfindet und wie ein Schaufenster zeigt, was Kölner Musiker und Musikerinnen im Austausch mit internationalen auf die Beine stellen. Damit haben wir ein Angebot geschaffen, das für uns in dieser Szene für Jazz- und Improvisierte Musik sehr wichtig ist, aber auch darüber hinaus international wahrgenommen wird und in der Stadt mittlerweile eine gewisse Relevanz hat. Unser Line-up ist sehr international; in Zusammenarbeit mit den Musikerinnen und Musikern, die hier vor Ort sind, und den Institutionen, die wir alle einbinden, wollen wir immer Begegnungen und Neues schaffen.
Wer sich in Köln engagiert, kann schnell etwas umsetzen
Die Möglichkeit, selbst Ideen für die Kölner Kultur anzustoßen, hat mich dazu bewegt, auch kulturpolitisch aktiv zu werden. Ich hatte immer das Gefühl, wir bleiben da hinter unseren Möglichkeiten und wollte meinen Teil dazu beitragen, etwas zu ändern. Was mir sehr positiv aufgefallen ist: In dem Moment, in dem sich eine Person engagiert, wird ihr hier auch recht schnell die Möglichkeit gegeben, etwas umzusetzen. Wir haben ein sehr nahbares Fördersystem, nahbare Politikerinnen und Politiker und eine nahbare Verwaltung, mit denen man immer sprechen kann. Das ist auch mein Appell, gerade an jüngere Kulturinteressierte, diesen Dialog zu suchen und einfach einmal zu fragen: Warum ist das eigentlich so und können wir nicht mal etwas anders machen?
Ich würde mir aber ein bisschen mehr Risikofreude wünschen, neue Dinge zu wagen. Leider ist es in Köln immer ein Weiter-So. In den letzten fünf Jahren im Kulturausschuss habe ich gesehen, dass wir zwar weiterhin ein starkes Potenzial haben, aber in Zeiten von defizitären Haushalten natürlich auch in der Kultur überlegen müssen: Was ist denn der Schwerpunkt? Was will Köln eigentlich? Die Politik hat unter anderem entschieden, das Achtbrücken-Festival und die Akademie der Künste der Welt wegzukürzen und damit ein absolut negatives Zeichen in Köln und überregional gesendet.
Und gerade in Zeiten knapper Kassen müssen wir viel stärkere Synergien schaffen. Mein Ansatz wäre hier, die bereits international wirkenden Musikfestivals zum Beispiel in einer gemeinsamen Marke zusammenzuführen und so im Marketing, Ticketing und auch im Personal Synergien zu finden, effektiver zu sein und somit auch eine überregionale Musikstruktur zu etablieren. Gleiches könnte man auf die Museen übertragen: Warum gibt es keinen größeren Zusammenschluss an gemeinsamer Marketingstrategie, keinen abgestimmten Sonderausstellungskalender? Warum haben wir kein besseres Gesamtkonzept, in dem man zum Beispiel ein Ticket für alle Museen kauft, ein Ticketsystem für alle Festivals umsetzt, eine gemeinsame Ansprache an alle Besucher von außerhalb, die nach Köln kommen wollen. Hier muss die Politik bereit sein, Schwerpunkte für diese Stadt zu setzen – denn alles können wir leider nicht haben.
Diese Stadt hat immer noch eine starke kulturelle Schaffenskraft, aber die großen 80er und Anfang der 90er Jahre, in denen Kultur in Köln international sichtbar war, sind vorbei. Dabei haben wir eigentlich so viele Möglichkeiten, die wir nur gut, schnell und sehr selbstbewusst ausspielen müssen. Eine Vision, wie wir als Kulturstadt wahrgenommen werden wollen, würde uns jedenfalls auch in der internationalen Wahrnehmung helfen.