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Kardinal Woelki trifft Horst SchlämmerKleine Sünder unter sich

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Woelki predigt von der Kanzel vor dem Dom.

Rainer Maria Kardinal Woelki feiert auf dem Kölner Roncalliplatz die Heilige Messe. 

Kardinal Woelki hat einen Gastauftritt im Kinofilm „Horst Schlämmer sucht das Glück“ – und bekennt, auch kein Engel gewesen zu sein.

Horst Schlämmer sucht das Glück – und findet es nirgendwo. Nach dem Ende der Corona-Pandemie erwacht Hape Kerkelings Kunstfigur in einem schlecht gelaunten Land, dessen Bewohnern hinter den Masken das Lächeln abhandengekommen ist. Also geht er mitsamt Kamerafrau für einen Kinofilm auf die Reise. Sie führt den stellvertretenden Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ vom Lach-Yoga zu Markus Söder, von dort nach Berlin, wo Schlämmer in die ruppigen Hände von Drogenhändlern fällt, weiter nach Sylt, wo Geld auch nicht glücklich macht, und schließlich in ein Sado-Maso-Studio von Meltem Kaptan. Die Behandlung tut Schlämmers Rücken gut. Aber das allein ist noch kein Glück.

Horst Schlämmer sucht bei Kardinal Woelki Beistand von oben

Auf die Idee, nach Köln zu reisen, kommt Schlämmer erst nach einem vermeintlichen Schicksalsschlag. Er versteht eine E-Mail falsch und glaubt, todkrank zu sein und nur noch zwei Wochen zu leben. Also sucht er Beistand von ganz oben – und der soll von Rainer Maria Kardinal Woelki kommen. Der prominente, aber auch nicht unumstrittene Gaststar des vermeintlichen Dokumentarfilms kommt auf dem Fahrrad ins Bild geradelt. Beim Absteigen winkt er einigen Kindern, die dem Kardinal fröhlich zurückwinken. Die Szene wirkt, als stamme sie aus einer der Fernsehparodien, die Kerkeling mit einer herzigen Penetranz in seinen Kinofilm einbaut. Man kann aber auch an die Missbrauchsfälle im Kölner Erzbistum denken, wegen deren Aufarbeitung Woelki in der Kritik steht und die nichtfilmische Öffentlichkeit weitgehend meidet. 

Das improvisierte Gespräch zwischen Schlämmer und Woelki ist dann kurz und unspektakulär. Die beiden sitzen einander auf Stühlen in einem schmucklosen Raum gegenüber. Schlämmer sagt, dass er wohl bald vor seinem Schöpfer treten wird, und beichtet, er sei ein armer Sünder und kein Engel gewesen. Woelki entgegnet ihm aufmunternd: „Das bin ich auch nicht gewesen.“ Danach verwickelt Schlämmer den Kardinal in eine Fachsimpelei über Blutwerte. Woelki wirkt angemessen irritiert und bekennt, dass er sich damit nicht auskenne.

Kurz darauf steht Schlämmer vor dem Kölner Dom und hofft auf ein Zeichen von oben. Und tatsächlich: Gott meldet sich – mit einem Plakat, das einen Auftritt von Schlämmers Lieblingsschauspielerin Gabi Wampel in Bergisch Gladbach bewirbt. Hoffnung spendet nicht die Kirche, sondern das Boulevardtheater, denn Lachen ist in der Komödie eine Abkürzung zum Glück. Und was ist mit der Liebe? Die findet Schlämmer in Gestalt einer freundlichen Domina. Mit der kann Woelki selbstredend nicht konkurrieren, auch wenn die Verbindung von Liebe und Leid bis in unsere Tage eine Domäne der katholischen Kirche ist.