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Kölner PhilharmonieEs kann nie zu viel Bach sein

3 min

Anna Vinnitskaya, Pianistin

Das Kölner Kammerorchester mit sechs Bach'schen Klavierkonzerten am Stück – und großartigen Solistinnen und Solisten.

Sechs Bach'sche Klavierkonzerte am Stück – ist das nicht ein bisschen zu viel des Guten? Nein, ist es keineswegs, wie jetzt das Abokonzert des Kölner Kammerorchesters in der Philharmonie bewies. Kaum vorstellbar, dass etwa sechs Concerti grossi selbst des Jahrgangsgenossen Händel als Programm attraktiv wären. Aber Bachs Erfindungskraft ist so außerordentlich, dass man als Hörer, wenn es auf dem Podium nur halbwegs mit rechten Dingen zugeht, unweigerlich bei der Stange bleibt. Fuge, Arie, Tanz, Toccata – hier entfaltet sich stets aufs Neue ein künstlerischer und emotionaler Kosmos, der in seiner schöpferischen Diversität und Unabsehbarkeit so schnell nicht ausgeschritten ist.

Drei herausragende Pianisten hatte man für die je zwei ein-, zwei- und drei „klavierigen“ Werke engagiert – in wechselnden Besetzungen gespielt an Flügeln der Philharmonie, nicht etwa an drei Cembali. Sie unterhalten darüber hinaus enge künstlerische und biografische Verbindungen: Evgeni Koroliov ist einerseits Duopartner von Ljupka Hadzigeorgieva, andererseits Hamburger Lehrer der gefeierten Anna Vinnitskaya, die in diesen Tagen verstärkt in der Kölner Philharmonie präsent ist.

Interpretationen von nüchtern bis poetisch-emotional

Die Homogenität und das korrespondierende Miteinander der Solisten war solchermaßen gleichsam vorabgesichert – wobei die Koordination der zwei oder drei Parts als solche keine extreme Herausforderung ist. Die sich stets verändernde Gewichtung der Stimmen im dichten polyphonen Gewebe hingegen ist es schon.

Stilistisch ähnelten die Bach-Auffassungen der Beteiligten einander ebenfalls – weder setzte man auf eine Adaption des Cembalo-Sounds, noch erlag man der Gefahr, ins Romantisierend-Sentimentalische abzurutschen. Dies nicht einmal  im Mittelsatz des Doppelkonzert BWV 1062 (nach dem legendären Konzert für zwei Violinen BWV 1043). Spiel-Klone saßen da indes nicht nebeneinander oder einander gegenüber – dafür ist das jeweilige Individualprofil dann doch zu unterschiedlich. Glücklicherweise.

Koroliovs Zugang zur Bach-Welt (etwa im Konzert BWV 1058, nach dem Violinkonzert BWV 1041) ist auf Anhieb eher nüchtern, „sachlich“ in einem positiven Sinn, konzis im Anschlag und in der Spannung der melodischen Phrase, luzide in der Darstellung des Kontrapunkts. Seine Schülerin spielt (etwa in dem Solokonzert BWV 1056) in der Tendenz etwas geschmeidiger, leichter, vielleicht eine Spur „poetischer“, emotionaler in der Ausformung der singenden Mittelsatz-Melodik.

Die Freude der drei am Zusammenspiel schien durch die Situation als solche noch befördert, das Schlusswerk – das Konzert für drei Klaviere BWV 1064 – geriet jedenfalls zu einem Höhepunkt inspiriert-intensiven Konzertierens. Es folgte als Zugabe noch der erste Satz aus dem eigentlich auf vier Klaviere verteilten Konzert BWV 1065 nach einer Vivaldi-Vorlage. Das mit Streichern besetzte Orchester war in diesem Umfeld nicht sonderlich gefordert, zeigte indes unter seinem Konzertmeister Raphael Christ, dass man auch eine Begleiterrolle aktiv und energisch versehen kann.