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Initiative gegen Ignoranz„Es müssen nicht so viele Leute sterben“

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Die Toten sollen nicht vergessen werden. 

  1. Autor Christian Y. Schmidt hat die Aktion #coronatotesichtbarmachen ins Leben gerufen, um sichtbar zu machen, welche Schicksale hinter den Todesmeldungen stehen, die wir jeden Tag hören.

Berlin – Inzwischen haben wir uns schon daran gewöhnt wie an den Wetterbericht: Regelmäßig wird in den Nachrichten die Zahl der Corona-Toten verkündet. Aber welche Schicksale dahinter stehen, welches Leid, welche Trauer – darüber hört und liest man nur wenig. Zu wenig findet der Autor Christian Y. Schmidt.

Deswegen hat er mit der befreundeten Künstlerin Veronika Radulovic die Aktion „#coronatotesichtbarmachen“ ins Leben gerufen. Im Dezember haben sie damit begonnen, Kerzen zum Gedenken an die Gestorbenen anzuzünden - jeden Sonntag am Prenzlauer Berg. Andere Künstler, Filmschaffende und Musiker haben sich angeschlossen, aber auch Anwohner aus der Nachbarschaft.

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Und die Initiative verbreitet sich weiter: Kölner machen unter anderem an der Hahnentorburg am Rudolfplatz mit Kerzen auf die Corona-Toten aufmerksam.

Als es im vergangenen Frühjahr viele Italiener an dem Virus starben, war die deutsche Öffentlichkeit geschockt. Aber die erschreckenden Zahlen im eigenen Land werden merkwürdig gelassen hingenommen, findet Christian Y. Schmidt.

„Die Querdenker demonstrieren spektakulär überall in der Republik und sind dann auch in den Medien präsent. Aber die Mehrheit, die damit nicht einverstanden ist, ist unsichtbar“. Mit dem Hashtag „#Coronatotesichtbarmachen“ wollen sie deswegen eine Möglichkeit bieten, andere Bilder zu schaffen, Bilder die zeigen: Wir sind damit nicht einverstanden, wir fühlen mit den Kranken und Trauernden.

Großes Echo in den sozialen Medien

Viele hätten ein großes Bedürfnis zu zeigen, dass die Zahlen sie bewegen, wissen aber nicht wie: „Das haben wir an den Reaktionen der Nachbarn gemerkt und an der Resonanz in den sozialen Medien“.

Der Autor lebt mit seiner Frau in Peking und hat miterlebt, wie viel entschlossener dort verhindert wurde, dass das Virus sich weiter ausbreiten kann. Seit fast einem Jahr hängt er jetzt in Berlin fest, so lange hat er auch seine Frau schon nicht mehr gesehen. Am 12. Februar 2020 flog er mit dem letzten Direktflug von Peking nach Berlin.

Er erinnert sich an die gespenstische Leere auf dem Flughafen in Peking, „die Passagiere trugen Masken, einige hatten sich sogar Schutzanzüge aus Mülltüten gebastelt“. Doch in Berlin war alles wie immer: „Kein Test, keine Quarantäne, nichts wurde desinfiziert“.

Christian Y. Schmidt ging nach draußen und schmiss seine Maske in den Mülleimer – wie alle anderen Passagiere. „Es war in Berlin, als wäre ich auf einem anderen Planeten gelandet.  Ich hatte aber gleich ein mulmiges Gefühl und dachte mir, wenn wir aus Peking hier so einfach rein marschiert sind, dann ist das Virus längst da.“

"Viele blenden die Toten einfach aus"

Im Gegensatz zu China handelt Deutschland nur zögerlich und unentschlossen, findet er. „Natürlich weiß man, dass auch Jüngere betroffen sein können. Aber in der Regel sterben Menschen über 70. Das betrifft die meisten nicht, deswegen blenden das auch relativ viele einfach aus.“ Er ist überzeugt: Einige davon könnten noch leben, würden wir in Deutschland die Pandemie ernster nehmen. „Es müssen nicht so viele Leute sterben“.