Kommentar zu Til SchweigerSchauspieler sitzt mit Querdenker in einem Boot

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Til Schweiger

Hamburg – Zwei Mann in einem Boot: Mittig, etwas unscharf, Boris Reitschuster, ehemaliger Russland-Korrespondent des „Focus“, aktuell Betreiber einer rechtspopulistischen Online-Plattform. Am rechten Bildrand, dafür jedoch voll im Focus: Til Schweiger, Deutschlands erfolgreichster Filmschaffender.

Der hat das Selfie gepostet, mit dem Vermerk: „Barefoot boat mit meinem Helden Boris Reitschuster.“ Dazu ein Herz-Emoji.

Das sorgte für Aufregung in den sozialen Netzen – „Keinhirnhase“ scherzte ein Twitter-User, „Jetzt dann offiziell: Honig im Kopf“, höhnte Jan Böhmermann.

Nicht ohne Grund: Reitschuster gilt nicht nur Schweiger, sondern auch Querdenkern und anderen Corona-Verharmlosern als Held, sein „Klartext-Journalismus“ (Eigenlob) wettert gegen Impfungen, Masken und Merkel. Es ist die bekannte Mischung aus handverlesenen, tendenziös aufbereiteten Fakten und leicht widerlegbaren Falschbehauptungen.

Ken Jebsen als „Knaller“

Nun hat sich Schweiger  – nachdem er sich zu Anfang des ersten Lockdowns noch über Spaziergänger aufgeregt hatte, die den Mindestabstand nicht einhalten – schon mehrmals fragwürdig in Bezug auf Covid-19 geäußert, lobte etwa Videos des Verschwörungsideologen Ken Jebsen als „der Knaller“. Er saß also längst mit im Boot.

Na und?, möchte man sagen. Man kennt den Schweiger doch nicht anders als laut. Was er öffentlich von sich gibt, klingt oft nach dem, was viele andere nach dem fünften Bier am Grillabend lallen. Er greift zu Meinungen wie sein „Tatort“-Kommissar Nick Tschiller – auch so ein komischer Held – zu Schnellfeuerwaffen. Ob man sich am folgenden Gemetzel freut, oder lieber schleunigst den Kanal wechselt, bleibt das nicht jedem selbst überlassen? 

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Nein, auch wenn es schwer fällt, Til Schweiger ernst zu nehmen, man sollte es tun. Seit Jahrzehnten verkörpert er überzeugend den Humor, die Gefühle und auch die niederen Rachebedürfnisse einer schweigenden Mehrheit. Auch wenn die weder die Mehrheit sind,  noch besonders schweigsam.

Er gehört zu uns, wir sitzen alle im selben Boot. Nur bitte nicht barfuß. Und ohne Verschwörungs-Honig im Kopf.

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