In unserer Serie „Der größte Umzug Kölns“ begleiten wir den technischen Direktor der Bühnen Köln. Gunnar Wolff zeigt, was unter den Kulissen der sanierten Oper passiert, von Lüftungsanlagen und dem Eisspeicher bis zur Bühnenmaschinerie.
Umzug der Kölner Oper„Man weiß wieder, wofür man das alles macht“

Gunnar Wolff, der technische Direktor der Kölner Oper in der Kältezentrale. Ein Wasser-Glykol-Gemisch, wird dort gekühlt und von da aus in die Lüftungsanlagen transportiert.
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Gunnar Wolff läuft zielstrebig um eine Ecke im Erdgeschoss des Opernhauses, grüßt einen Kollegen in einem Büro mit offener Tür. Öffnet eine schwere Feuerschutztür, läuft die Treppe herunter. Steuert wieder auf eine weitere Tür zu, schließt sie auf. „Als das hier alles neu war, da habe ich erst einmal vier Wochen gebraucht, um mich nicht mehr zu verlaufen“, sagt er über seine Schulter.
Wolff hat den Umbau des Hauses am Offenbachplatz eng begleitet. Inzwischen findet er aber im flotten Schritt den Weg zur Belüftungszentrale im Untergeschoss zwei. Er ist der technische Direktor der Bühnen Köln und zuständig für den Bereich Facility-Management. Sein Team und er betreuen und bewirtschaften alle Gebäude sowie alle haus- und theatertechnischen Anlagen.
Ihr Arbeitsbereich ist der Teil der Oper, von dem die Besucher gar nichts mitbekommen sollen. Sie kümmern sich darum, dass es nicht zu kalt oder warm, nicht zu feucht oder trocken ist. Im Notfall müssen die Brandmeldeanlagen auslösen und die Entrauchungsanlage den Rauch abführen. Wolff ist dafür verantwortlich, dass das Licht funktioniert, auch im Stromausfall, und die Aufzüge von oben nach unten fahren. Im theatertechnischen Bereich kümmert er sich darum, dass die Untermachinerie läuft, also die Podien auf- und abfahren und die Drehscheibe sich dreht.

Der obere Teil der Belüftungszentrale im Hinterhaus.
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In allen Häusern gibt es gut 600 Anlagen, die das Team der Haustechnik wartet, prüft, und am Laufen hält. Am Standort Offenbachplatz gibt es fast 50 Lüftungsanlagen, nur ein Teil davon befindet sich in der Hinterhofzentrale, auf die Wolff zusteuert. Ein großer silberner Klotz steht neben dem anderen. Sie belüften nur die Stockwerke UG2 bis OG4, unter anderem die Probebühnen. Für die restlichen neun Stockwerke sind wieder andere Zentralen zuständig.
Das Interim als Spielwiese
Von der eigentlichen Haustechnik musste nicht viel mit umziehen. Sie wurde neu eingebaut. Die Untermaschinerie habe es im alten Haus vor der Renovierung nicht einmal gegeben. Dafür sei lange kein Geld dagewesen und man habe deshalb auf solche Inszenierungen, die eine Untermaschinerie benötigen, verzichtet. Ein paar Kleinigkeiten sind aber im theatertechnischen Bereich dann doch mit umgezogen: „Wir haben etwa Scheinwerfer aus den Standorten hierher transportiert, auch Licht- und Tonpulte und solche Kleinigkeiten.“ Auch die Bühnenschreinerei und eine kleine Bühnenschlosserei sind mit umgezogen.
Der Umzug habe vor allem daraus bestanden, die 70 Mitarbeitenden, die über Köln verteilt saßen, wieder in ein Haus zurückzuholen. Im Interim haben sie bis zu 35 Objekte betreut. Von Hürth bis Mülheim, von Kalk bis Braunsfeld. Die Haustechnik selbst war auf die Spielstätten in Deutz und Mülheim verteilt. „Man hat viel Zeit auf der Straße verbracht. Jetzt sind fast alle wieder hier, und das ist richtig toll. Unsere Wege sind kürzer. Wir sind wieder dichter dran, und man weiß wieder, wofür man das alles macht“, sagt Wolff.

Die Hydraulikzentrale für die Untermaschinerie in Schauspielhaus und Oper. Hydraulik kann viel höhere Lasten bei weniger Energie aufnehmen als ein elektrischer Antrieb. Die meiste Kraft kommt von den Stickstoffspeichern in Grün.
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Gunnar Wolff ist vor elf Jahren zu den Bühnen Köln gekommen. Kurze Zeit habe er noch in einem Büro im zweiten Obergeschoss gearbeitet. Nachdem deutlich geworden sei, dass der Umbau viel länger dauern würde, habe er sich auf das Interim konzentriert und erst einmal Abstand zum Opernhaus genommen: „Meine erste Amtshandlung war, dass ich der Abendmaske fließend Wasser gebracht habe. Denn vorher haben sich die Schauspielerinnen tatsächlich über einem Eimer Wasser abgeschminkt.“ Die Abendmaske sei damals nur ein Verschlag aus Sperrholzplatten gewesen, mit einem Tisch und einer Schreibtischlampe. Inzwischen ist aus dem Depot auch ein fertiges Theater geworden, mit einer eigenen Infrastruktur.
„Das Interim war für mich auch eine Art Spielwiese. Ich konnte relativ viel ausprobieren, weil ich wusste, dass es endlich ist“, sagt der technische Leiter. Er habe das immer als Möglichkeit betrachtet, in seinem Bereich Strukturen und Prozesse aufzubauen und weiterzuentwickeln und im Interim auszuprobieren.
Die Arbeit im großen Haus sei aber wesentlich aufwendiger aus Ingenieurssicht. Im Interim habe er die Anlage als einziger Ingenieur betrieben. Die Anlagen seien weniger komplex gewesen, für manche seien sie als Mieter gar nicht zuständig gewesen. Vor drei Jahren sei ihm klar geworden, dass er jetzt für das Haus am Offenbachplatz ein größeres Team gebraucht habe: „Ich bin deutlich weniger operativ, sondern schaffe Strukturen, passe Prozesse an, delegiere und versuche, den Überblick zu behalten, damit das große Ganze funktioniert.“
Nicht zu kalt und nicht zu warm
In den letzten Tagen vor der Eröffnung setze er vorwiegend den Fokus auf das Raumklima. Damit können sie aber erst mit Probenbeginn anfangen: „Dann sehen wir, wie die Anlagen reagieren, wenn Menschen da sind, wenn Beleuchtung läuft, wenn genebelt wird und so weiter.“ Sie hätten das Handwerkszeug und wüssten, was zu tun sei, aber sie wüssten noch nicht genau, wie die Gebäude und Anlagen auf Menschen reagierten. Ein Theater müsse erst ein ganzes Jahr durchlaufen, damit die Technik gut eingestellt sei. Besonders herausfordernd seien die Übergangsphasen vom Heiz- in den Kühlbetrieb und umgekehrt im April und Oktober.
Der Feinschliff erfolgt dann erst in der nächsten Spielpause. Wolff zeigt auf ein Notausgangsschild in der Kinderoper. „Das wird wohl noch zu hell sein, zum Beispiel.“ Die Technik muss funktionieren, ohne dass jemand ein Rauschen bemerkt oder von einem Flimmern gestört wird.

Der Eisspeicher speichert Kälteenergie. So steht auch während einer Vorführung genug davon zur Verfügung, um die Säle zu kühlen. Ohne ihn müssten die Kühlungsanlagen auf Hochtouren laufen.
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Bei ihm überwiege nun die Vorfreude auf die Neueröffnung: „Bei allem Aufwand, den wir gerade noch betreiben müssen, und das ist wirklich anstrengend, ist trotzdem solch eine Freude da, ein Durchatmen: Boah, jetzt haben wir es endlich fast geschafft.“ Elf Jahre habe er auf diesen Moment hingefiebert.
Nach mehr als 14 Jahren im Exil kehren die Kölner Bühnen endlich in die Innenstadt an ihren angestammten Platz zurück. Wir begleiten den großen Treck an den Offenbachplatz im Kulturteil mit unserer Sommerserie „Der größte Umzug Kölns“ aus vielen Perspektiven, unter anderem von Sängerinnen, Bühnenarbeitern und Denkmalschützern.
Am 27. September startet die erste Produktion der ersten Saison in der sanierten Riphahn-Oper – mit dem von GMD Andrés Orozco-Estrada dirigierten „Rosenkavalier“. Es gibt am 19./20. September, als Eröffnungsfest, Tage der offenen Tür mit einem Konzert des Opernensembles und am 24. September einen Festakt mit Ensemble, Chor und Diana Damrau als illustrem Gast.
