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„Literaturszene Köln“ kämpft für bessere Bedingungen für Autoren

Dorian Steinhoff, Bettina Fischer (M.) und Paula Döring vom Emons Verlag machen sich für die Literatur in Köln stark

Dorian Steinhoff, Bettina Fischer (M.) und Paula Döring vom Emons Verlag machen sich für die Literatur in Köln stark

Köln – Im Kulturentwicklungsplan der Stadt Köln geht es ausführlich um Musik, Bildende Kunst, Theater – und, tatsächlich, auch um Literatur. Aber das nur um Rande. „Weitere Handlungsfelder“ heißt das im Verwaltungsdeutsch. „Das kann uns nicht genug sein“, sagt Bettina Fischer. Und deswegen ist die Leiterin des Literaturhauses aktiv im Vorstand des neuen Vereins „Literaturszene Köln“. Kölner Autoren, Buchhändler, Veranstalter, Journalisten, Verlagsmitarbeiter, Blogger und Übersetzer haben sich hier zusammengetan, weil sie nicht länger in der zweiten Liga spielen wollen.

Zehn statt vier Prozent gefordert

Die erste Liga heißt im Kulturentwicklungsplan: „Profilbildende Handlungsfelder“. Und eines der Ziele der „Literaturszene Köln“ ist der Aufstieg. Das hat etwas mit Wertschätzung und Wahrnehmung zu tun. Aber auch mit Geld: „Die Literatur bekommt aktuell vom Förderbudget für die freie Szene ganze vier Prozent. Und wir fordern mindestens zehn. In Zahlen sind das aktuell 200.000 Euro und perspektivisch 500.000 Euro“, sagt der Autor Dorian Steinhoff, der sich als Vorstandsvorsitzender des neuen Vereins engagiert. Ideen gibt es genug.

Zum Beispiel will der Verein eine neue Veranstaltung etablieren, Arbeitstitel: „Lange Nacht der Kölner Literatur“. Außerdem kümmern sich die Mitglieder künftig um den „Schreibraum“ – ein gemeinsamer Arbeitsraum, den ausgewählte Autoren und Übersetzer für einen eher symbolischen Betrag im Monat anmieten können.

Nicht nur die Hand aufhalten

Vor allem aber wollen die Literatur-Lobbyisten eine Schnittstelle zwischen Kulturpolitik und Szene sein. Denn oft gebe es sogar schon Fördermöglichkeiten, von denen aber kaum ein Autor oder Übersetzer etwas wisse, erzählt Steinhoff. Und andersherum könne Kulturpolitik nur dann funktionieren, wenn die Literaturszene konkrete Anliegen formuliere.

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Einfach die Hand aufzuhalten – das kommt für ihn deswegen nicht in Frage. „Es hilft nicht, auf die anderen Kunstsparten zu zeigen. Sondern wir müssen uns fragen, was können wir als Literaturszene tun? Sind wir nicht manchmal auch zu feingeistige Menschen, die sich zu schade sind für Politik?“ Und Lobby-Arbeit für die Literatur – das gehe eben nur, wenn die Szene künftig mit einer Stimme spreche. „Wenn wir in der Vergangenheit von der Verwaltung gefragt wurden, was wir uns wünschen, dann haben wir uns erstmal alle gegenseitig angeschaut und uns gefragt: »Ja, was wollen wir denn?«“, sagt Bettina Fischer. Kein Wunder also, dass die Literatur in Köln bislang eher stiefmütterlich behandelt wird. Vor allem, weil die Stadt sich traditionell als Kunst- und Musikmetropole versteht.

Köln muss attraktiver werden

Doch gerade in den vergangenen Jahren hat sich hier sehr viel getan: Zum Aushängeschild lit.Cologne sind vielfältige neue Veranstaltungen dazu gekommen – „Land in Sicht“, die Lesereihe für junge Literatur zum Beispiel. Die freie Szene ist wieder sehr aktiv, aber auch die Universität und die Kunsthochschule für Medien, die beide nun auch Studiengänge für literarisches, beziehungsweise professionelles Schreiben anbieten. In der Vergangenheit haben einige Literaturschaffende Köln verlassen. Nun ziehen wieder junge Autoren zum Studieren nach Köln. Und werden möglicherweise auch hier bleiben, wenn die Stadt ihnen für ihre Arbeit ein gutes Umfeld bietet.

Die Gunst der Stunde will der Verein für sich nutzen, sagt Fischer: „Es gibt eine neue, positive Stimmung für die Literatur, da ist gerade viel in Bewegung. Und diese Stimmung wollen wir verstärken, damit sie nicht wieder zu einer Flaute wird. Ich finde das sehr motivierend gerade, zu wissen: Jetzt lohnt es sich hinein zu pusten in dieses Segel!“

Über den Verein

Der Verein „Literaturszene Köln e.V.“ wurde Ende April dieses Jahres gegründet. Es haben sich 22 Akteure der Kölner Literaturszene zusammengetan, darunter Autoren, Blogger, Buchhändler, Journalisten, Veranstalter, Verlagsmitarbeiter, Übersetzer. Vorstandsvorsitzender ist der Autor Dorian Steinhoff.

Ziel des Vereins ist eine größere Wahrnehmung der Literaturszene in der Öffentlichkeit. Außerdem will man mit der Politik erarbeiten, wie sich die literarische Förder- und Infrastruktur ausbauen lässt, um die Arbeitsbedingungen der Literaturschaffenden zu verbessern. Zudem will sich der Verein mit anderen Kunstsparten vernetzen.

www.literaturszene-koeln.de

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