Deutschlandweit 175 Mal Alarm geschlagenEin halbes Jahr Cell Broadcast – Schon 39 Warnungen in NRW

Lesezeit 2 Minuten
Eine Cell-Broadcast-Botschaft ist am allgemeinen Warntag, 08.12.2022 kurz nach 11.00 Uhr auf dem Display eines Smartphones zu sehen. (Archivbild)

Seit dem 23. Februar 2023 warnen Behörden in Deutschland über Cell Broadcast mit einer Art SMS vor Hochwasser, Großbränden und anderen folgenschweren Ereignissen. (Archivbild)

Mehr als 180 Menschen starben bei der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW. Ein Frühwarnsystem hätte vielleicht Leben retten können.

Ob Explosionsgefahr, Hochwasser oder Großbrand: Ein halbes Jahr nach seinem Start ist das Handy-Warnsystem Cell Broadcast in Nordrhein-Westfalen nach Angaben der Mobilfunkfirma Vodafone bereits 39 Mal ausgelöst worden. Rheinland-Pfalz liegt landesweit auf dem 34. Platz. Dahinter folgten Niedersachsen (20), Hessen (19) und Bayern (15).

Deutschlandweit wurde Cell Broadcast Vodafone zufolge bereits 175 Mal ausgelöst. Das System sei bis heute technisch reibungslos gelaufen, sagte Hendrik Roggendorf vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Die Netzwerkchefin von Vodafone Deutschland, Tanja Richter, sagte, dass alle empfangsbereiten Endgeräte bei jeder Warnung sicher erreicht worden seien.

„Cell Broadcast“ schickt Nachrichten an alle kompatiblen Geräte

Unterschiedliche Behörden lösen die Warnung aus, die drei Mobilfunk-Netzbetreiber Vodafone, Deutsche Telekom und O2 übermitteln sie. Cell Broadcast ergänzt die bereits vorhandenen Warnkanäle, also Sirenen, Rundfunk, TV und Apps wie Nina oder Katwarn.

Alles zum Thema Hochwasser, Überschwemmung und Flut

Bei dem in Deutschland recht neuen System werden Nachrichten wie Rundfunksignale an alle kompatiblen Geräte geschickt, die in einer Funkzelle eingebucht sind - daher der Name „Cell Broadcast“. Es erscheint ein Text auf dem Handy-Display, der auf eine Gefahr hinweist, und es schrillt laut.

Anlass für die Einführung von Cell Broadcast in Deutschland war die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Sommer 2021 mit mehr als 180 Toten. Dass ausgerechnet diese beiden Bundesländer mit Abstand am häufigsten auf das Warnsystem zurückgreifen, könnte an einer höheren Sensibilität der dortigen Behörden liegen. 

Handy-Warnsystem reagiert auf Weltkriegsbomben

Das Spektrum der Alarmgründe ist groß. Es ging beispielsweise um eine Weltkriegsbombe in Dortmund, Brandgase in Horn-Bad Meinberg (Kreis Lippe), Starkregen in Soest, Hochwasser in Soest-Hattrop und einen Großbrand in Leichlingen (Rheinisch-Bergischer Kreis). Auch verschmutztes Trinkwasser, ein Waldbrand und ein Amoklauf alarmierten das Warnsystem.

Für den 14. September ist ein bundesweiter Warntag geplant - alle kompatiblen Geräte sollen um elf Uhr eine Nachricht bekommen, um die bundesweite Funktionsfähigkeit des Systems zu testen. Nach Schätzung von Vodafone werden dann mehr als 50 Millionen kompatible Handys schrillen. (dpa/lnw)

KStA abonnieren