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„Dann wären wir gestorben“Enorme Zerstörung im Himalaja sichtbar – deutsche Familie gerettet

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Trümmer und Geröll liegen dort, wo einst der Grenzübergang zwischen China und Nepal war.

Trümmer und Geröll liegen dort, wo einst der Grenzübergang zwischen China und Nepal war. 

Nach der Katastrophe im Himalaja steigt die Zahl der Todesopfer – und neue Gefahren drohen. Eine deutsche Familie wurde indes gerettet. 

Die Zahl der Toten in Nepal ist nach der Flutkatastrophe im Himalaja-Gebirge auf mehr als 500 gestiegen. Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurden neben den 538 Toten weiterhin 977 Menschen vermisst, darunter 517 Ausländer. Fünf weitere Tote wurden in China geborgen.

Eine vierköpfige deutsche Familie ist derweil aus dem Katastrophengebiet gerettet worden. Sie sei zusammen mit anderen Geretteten per Hubschrauber zu einem Armeecamp in Battar Bazar gebracht worden, sagte ein Armeesprecher der Nachrichtenagentur dpa.

Der Deutsche Manuel Münch steht in einem Armeecamp in Battar Bazar, Nepal.

Der Deutsche Manuel Münch steht in einem Armeecamp in Battar Bazar, Nepal.

Die Familie aus dem Berchtesgadener Land war nach einer Trekkingtour gerade in Trishuli Bazar, als die Wassermassen kamen. Was sie rettete, war eine Planänderung. „Wenn wir unsere Trekkingtour normal durchgeführt hätten, hätten wir an dem Tag in Syabrubesi übernachtet und wären gestorben“, berichtete der 37-jährige Familienvater Manuel Münch.

Bundesregierung: Lage im Himalaja weiterhin unübersichtlich

Die Bundesregierung geht unterdessen weiterhin von einer niedrigen, zweistelligen Zahl deutscher Vermisster aus. Die Auslandsvertretungen seien im ständigen Kontakt mit den Angehörigen. „Wir bemühen uns unter Hochdruck um ein Aufklären des Sachverhalts“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag in Berlin. Die Lage sei weiterhin sehr unübersichtlich. Die Bundesregierung sprach allen Opfern, Angehörigen und Betroffenen ihr tiefes Mitgefühl aus und sagte ihre Unterstützung zu.

Eine Sturzflut hatte am Mittwoch den Distrikt Rasuwa im Norden Nepals überrollt und massive Schäden angerichtet. Besonders betroffen sind die Orte Timure, Rasuwagadhi und Syabrubesi nahe der Grenze zu China. Vor der Sturzflut kam es zu erheblichen Erdbewegungen in der Grenzregion zu Tibet. Als wahrscheinlichste Erklärung gilt derzeit ein Gletscher- beziehungsweise Eis-Fels-Abbruch mit anschließendem Schuttfluss.

Enorme Zerstörung im Himalaja: Gebäude vollständig verschwunden

Während die Suche nach Vermissten im Katastrophengebiet weitergeht, wird die enorme Wucht der Flutwelle immer sichtbarer. Satellitenbilder zeigen enorme Zerstörungen entlang des betroffenen Tals. Ganze Ortschaften wurden ausgelöscht. Auch das markante, große Gebäude am Grenzübergang nach China ist ersten Aufnahmen zufolge vollständig zerstört worden. Wo einst Gebäude, eine Brücke und andere Infrastruktur zu sehen waren, ist nun nur noch grauer Schutt zu erkennen.

Diese Vorher-Nachher-Bilder zeigen die enorme Zerstörung im Gebiet der chinesisch-nepalesischen Grenze im Katastrophengebiet.

Diese Vorher-Nachher-Bilder zeigen die enorme Zerstörung im Gebiet der chinesisch-nepalesischen Grenze im Katastrophengebiet.

Die Rettungsmaßnahmen gestalteten sich nach der Katastrophe zunächst als schwierig. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua erreichten am Freitag insgesamt 16 Feuerwehrleute und ein Rettungshund den Hafen von Gyirong an der Grenze zwischen China und Nepal. Die Rettungsaktion war zuvor aufgrund der Befürchtung von Folgekatastrophen durch einen überlaufenden Stausee unterbrochen worden.

Warnung vor neuer Gefahr sorgt für Wirbel

Mittlerweile haben die chinesischen Behörden jedoch vorsichtige Entwarnung gegeben. Die Risiken nähmen allmählich ab, berichteten chinesische Staatsmedien am Freitag. Die Rettungsmaßnahmen verliefen „geordnet“. Zunächst war unklar, ob die Angaben sich auf denselben See in Tibet bezogen, dessen durch Schutt gebildeter Damm offenbar gebrochen war, woraufhin die nepalesische Polizei vor Überschwemmungen warnte.

Ein chinesisches Rettungsteam ist am Freitag im Katastrophengebiet eingetroffen.

Ein chinesisches Rettungsteam ist am Freitag im Katastrophengebiet eingetroffen.

Die Polizei in Nepal hatte zuvor angesichts der Berichte über einen Dammbruch in Tibet vor Überschwemmungen im Katastrophengebiet gewarnt. Alle Einsatzkräfte und Bürger würden aufgefordert, wachsam zu bleiben und sich sofort an einen sicheren Ort zu begeben, erklärte die Polizei am Freitag. Es lägen Informationen vor, wonach auf der tibetischen Seite Wasser aus einem See ausgetreten sei, der durch den Gletscherabbruch entstanden sei.

Überlebende stehen unter Schock: „Das Tal braucht dringend Hilfe“

Die Überlebenden in dem Katastrophengebiet stehen derweil unter Schock. „Um neun Uhr, da hatte ich meinen Laden gerade aufgemacht, erreichten uns die ersten Gerüchte von weiter oben im Tal“, berichtete etwa der Gashändler Ramji Lamsal dem „Spiegel“. Er habe daraufhin versucht, so viele Menschen wie möglich zu warnen, seinen Laden zu schließen und mit einem Scooter bergauf zu fliehen. „Dann kam die Flut.“

Das Wasser habe alles mitgerissen, berichtete Lamsal: sein Haus, sein Geschäft und sein Lager, in dem er die in der Region überlebenswichtigen Gasflaschen zum Kochen abfüllte und aufbewahrte. Lamsal kam jedoch mit dem Schrecken davon, berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin. Auch seine Familie sei wohlauf.

„Als die Warnung kam, schaute ich vom Feld auf den Fluss. Ich sah nur noch, wie die Häuser und Dörfer weggeschwemmt wurden“, schilderte auch die Bäuerin Santumaya Tamang die dramatischen Szenen nach dem Gletscherabbruch. Ihr Haus stehe noch, berichtete sie. „Wir werden es irgendwie hinbekommen“, sagt sie. „Aber das Tal, das Tal braucht dringend Hilfe.“

Bei anderen Überlebenden kehrt unterdessen Hoffnungslosigkeit ein. Sunil Shrestha, ein nepalesischer Besitzer eines Transportunternehmens, der den Kontakt zu mehreren seiner Fahrer verloren hatte, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er habe die Hoffnung aufgegeben, seine Mitarbeiter wiederzufinden, nachdem ihm Luftaufnahmen des Gebiets gezeigt worden waren, in dem sie arbeiteten. „Sie sind wie eine Familie für mich“, sagte Shresta. 

Nepals Armee rettet verschüttete Kraftwerksmitarbeiter

Zwischen Schock, Trauer und dem Bangen um Vermisste gibt es jedoch auch einzelne Erfolgsgeschichten. So gelang es etwa der nepalischen Armee, in einer dramatischen Rettungsaktion zwei mit Schlamm bedeckte Personen aus einem Tunnel eines Wasserkraftwerks zu bergen.

Auf einem Video der Armee ist zu sehen, wie Soldaten die Männer über den glatten, mit Trümmern bedeckten Boden gleiten ließen und sie huckepack einen steilen Hang hinuntertrugen. Zuvor hatten nepalesische Staatsmedien berichtet, dass 60 Mitarbeiter eines im Bau befindlichen Wasserkraftprojekts nach den Überschwemmungen, die „schwere Schäden“ verursacht hatten, vermisst werden. (das/dpa/kna)