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Kinderintensivstation am KlinikumEin neuer Ort für Frühchen in Leverkusen

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Thilo Mohns auf der neuen Kinderintensivstation am Klinikum Leverkusen

Thilo Mohns auf der neuen Kinderintensivstation am Klinikum Leverkusen

Fünf Jahre nach dem Hochwasser hat die Kinder-Neonatologie ihre frisch renovierten Räume bezogen.

„Die Milchtüten sind bei uns schon die Großen“, sagt Thilo Mohns. Für jene, die nicht regelmäßig mit extrem Frühgeborenen zu tun haben, sind Lebensmittel immer eine willkommene Veranschaulichungsgröße. Aktuell liegt ein Kind auf der neu eröffneten Kinder-Neonatologie im Klinikum Leverkusen. Es wiegt 500 Gramm – zwei Packungen Butter. 1000 Gramm – das Gewicht einer Milchtüte – sind ein großer Meilenstein für die kleinen Kämpfer.

Mehr als fünf Jahre ist es her, dass die Kinderintensivstation buchstäblich über Nacht aus ihren Räumen flüchten musste. Das Hochwasser hatte das Gebäude lahmgelegt, ein Notkaiserschnitt musste gar mit Handy-Taschenlampe zu Ende gebracht werden. Nach der zwischenzeitlichen Evakuierung kehrte die Intensivversorgung nach Leverkusen zurück, allerdings in provisorische Räume in der Erwachsenen-Intensivstation, ein Stockwerk über dem Kreißsaal. „Das ist nicht optimal, wenn man bei einem Notfall erst mal durchs Treppenhaus muss“, erklärt der Leiter der Neonatologie. Und auch vieles Weitere ist in der nun direkt neben dem Kreißsaal neu eröffneten Station E1 besser gelöst als zuvor.

Fokus auf Ruhe für Familien

Ursprünglich geplant waren 18 Betten zur Kinderintensivversorgung. „Wir haben dann noch einmal umgeplant, weil wir mehr auf die Bedürfnisse der Familien eingehen wollten“, sagt Mohns. Umgezogen ist die Neonatologie mit sieben kleinen Patienten. Ausgelegt ist die Station jetzt auf maximal 145 in acht Intensivzimmern – bei ausreichendem Personal. Dafür haben Eltern jetzt die Möglichkeit, den ganzen Tag und auch die Nacht im Zimmer mit den kleinen Patienten zu verbringen. Dafür gibt es nicht nur genug Platz, um zwei Betten in die Zimmer zu stellen, sondern auch die Möglichkeit, eine Trennwand einzuziehen, falls die blinkenden Monitore den Schlaf stören.

Überhaupt sind die Zimmer auf maximale Ruhe und Privatsphäre für die jungen Familien ausgerichtet. Notwendige Signal- und Alarmtöne der vielen Geräte und Pumpen werden nicht mehr direkt im Zimmer abgespielt, sondern im zentralen Innenraum der Intensivstation, wo sich das Personal aufhält und alles überwacht. Entsprechende Monitore hängen auch im Pausenraum. Alarme können aber auch auf Smartphones übertragen werden.

In der Milchküche wird auch gespendete Muttermilch aufbewahrt, unter strengster hygienischer Überwachung.

In der Milchküche wird auch gespendete Muttermilch aufbewahrt, unter strengster hygienischer Überwachung.

Ein sofortiger Alarm sei absolut notwendig, wenn sich Werte der Kinder verändern oder Pumpen nach Nachschub verlangen. „Wir wissen mittlerweile aber auch um die Belastungen, die die Geräusche bei Eltern verursachen“, erklärt Mohns. „Die brennen sich in das Gehirn ein und man wird sie nie wieder los.“ Durch die Übertragung nach außen kann die Zimmertür geschlossen bleiben, sogar, wenn der medizinische Vorratsschrank im Zimmer neu befüllt werden muss: Er steht an der Wand zum zentralen Raum und lässt sich von beiden Seiten öffnen. „Alles ist auf maximale Sicherheit mit gleichzeitig möglichst viel Ruhe für die Familien ausgelegt“, sagt der Oberarzt.  

Milchküche mit gespendeter Muttermilch

Möglichst viel soll außerhalb des Patientenzimmers erledigt werden können. Deswegen gibt es nun auch ein Zimmer zur Medikamentenvorbereitung und eine „Milchküche“, in der auch gespendete Muttermilch aus einer speziellen Muttermilchbank in Bielefeld aufbewahrt wird. Diese soll die Milch der leiblichen Mutter nicht ersetzen, sondern einen Zeitraum überbrücken, in dem eventuell noch nicht genug eigene Muttermilch vorhanden ist. 

Ein Baby auf der Frühgeborenenstation im Klinikum Leverkusen

Ein Baby auf der Frühgeborenenstation im Klinikum Leverkusen

Der Fokus liegt in Leverkusen klar auf der Versorgung Frühgeborener. Dafür ist das Klinikum als Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe, Level 1, zertifiziert. Aber auch ältere Kinder, die intensivmedizinische Versorgung benötigen, können hier aufgenommen werden, bei gefährlichen Virusinfektionen zum Beispiel auch in einem eigenen Isolierzimmer. Vor allem auch Patienten von der vor einem Jahr eröffneten Kinderpalliativstation werden hier behandelt, wenn sich ihr Zustand akut verschlechtert.

Aufenthalt von mehreren Monaten

Die Zeit, die Frühgeborene auf der Station verbringen, kann ganz unterschiedlich sein. Kinder mit Anpassungsproblemen nach der Geburt können zumeist schon nach wenigen Tagen wieder auf die ebenfalls frisch bezogene Wochenbettstation oder nach Hause entlassen werden. Alle Kinder, die unter 1250 Gramm geboren werden, müssen zwingend in die Neonatologie. Und bleiben dann mehrere Monate. „Ein Kind, das in der 22. Woche geboren wird, hat hier zwei Monate fest gebucht, es können aber auch sechs Monate werden“, erklärt der Stationsleiter.

Die Überlebenschancen hängen nicht nur vom Geburtsgewicht ab – auch die Zeit im Bauch der Mutter und mögliche Erkrankungen spielen eine Rolle. Wenn das von den Eltern gewünscht ist, versucht das Team sogar, Kindern mit einem Geburtsgewicht von unter 300 Gramm zu retten – ein Päckchen Butter. Wenn sie dann die Milchtüte erreicht haben, ist ein großer Schritt ins Leben geschafft.