Abo

Kriegsfeste SystemeUkrainer informieren sich in Leverkusen über Müllwirtschaft

2 min
Die ukrainische Delegation besuchte die Avea in Leverkusen

Die ukrainische Delegation besuchte die Avea in Leverkusen

Aus Leverkusens Partnerstadt Nikopol waren zwei Spezialisten angereist.

Eine Delegation aus Leverkusens ukrainischer Partnerstadt Nikopol war zu Gast auf dem Gelände von Metabolon. Das Ziel: sich mit modernen Ansätzen der Abfallwirtschaft vertraut machen. So sollen praktische Erfahrungen für den Aufbau eines leistungsfähigen Entsorgungssystems gesammelt werden, das auch unter den extremen Bedingungen des Krieges funktioniert. Vsevolod Zinchenko, Leiter der Abteilung für Landschaftsgestaltung, Infrastruktur und kommunale Dienstleistungen des Stadtrats von Nikopol, und Serhii Bondarenko, Direktor des Kommunalunternehmens „City Park Management“, waren im Rahmen eines „Study Visits“ angereist.

Die ukrainische Delegation auf dem Gelände von Metabolon

Die ukrainische Delegation auf dem Gelände von Metabolon

Ein besonderer Schwerpunkt des Besuchs lag auf dem Müllheizkraftwerk der Avea in Leverkusen. Dort informierten sich die beiden ukrainischen Vertreter über die thermische Abfallverwertung sowie die organisatorischen und technischen Abläufe der Entsorgung – organisiert durch Laura Janis Schorn. Gerade beim Aufbau kommunaler Infrastruktur unter Kriegsbedingungen spiele der Austausch mit erfahrenen Partnern eine zentrale Rolle. Praktische Lösungen zu erarbeiten, nachhaltige Strukturen zu schaffen und typische Fehler zu vermeiden – das seien die Herausforderungen, bei denen Deutschland und Leverkusen Nikopol konkret unterstützen können.

Die Beziehung zwischen Leverkusen und Nikopol ist schnell gewachsen. Ende März 2023 besiegelten die Stadträte beider Städte eine Solidaritätspartnerschaft – unterzeichnet per Videoschaltung, während Bürgermeister Oleksandr Saiuk aus einem Luftschutzbunker zugeschaltet war. Mittlerweile hat sich daraus eine substanzielle Kooperation entwickelt. Im November 2024 besuchte Nikopols Bürgermeister Leverkusen dann persönlich – der erste Besuch einer Delegation seit Kriegsbeginn.

Tägliche Angriffe

Nikopol, eine Hafenstadt an der Dnipro im Süden der Ukraine, zahlt einen hohen Preis für den russischen Angriffskrieg. Die Stadt verlor fast die Hälfte ihrer Bevölkerung – von einst 105.000 Einwohnern sind heute nur noch etwa 50.000 dort. Im Juni 2023 verschärfte sich die Lage dramatisch, als russische Kräfte den Kachowka-Staudamm sprengten und damit die Wasserversorgung zusammenbrach. Täglich ist die Stadt Ziel von Drohnen-, Artillerie- und Raketenangriffen. Leverkusen reagierte mit praktischer Hilfe: Die Stadt stellte über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit Hilfsgüter im Wert von 130.000 Euro bereit. Zusammen mit der Avea übergab Leverkusen drei Müllfahrzeuge für die Trümmerbeseitigung. Das Klinikum spendete Medizingeräte und Betten für die traumatologische Abteilung des Nikopol-Krankenhauses. Später folgten weitere Feuerwehrfahrzeuge und Generatoren – ein kontinuierliches Zeichen der Unterstützung.

Der aktuelle Besuch ist Teil eines von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit geförderten Programms namens „Utility Platform – Betreiberpartnerschaften“. In diesem Rahmen arbeiten deutsche Kommunalunternehmen mit internationalen Partnern zusammen, um kommunale Strukturen nachhaltig zu stärken. Der Fokus liegt auf Wissens- und Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe – konkrete Lösungen für die Herausforderungen vor Ort.