Bei der Reit-WM in Aachen gehört das Team Norka aus Köln-Dünnwald zu den Favoriten im Voltigieren.
Reit-WM in AachenKölner Pferdeakrobaten greifen nach Gold

Bela Lehnen beim Training im Voltigierverein Köln-Dünnwald
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Um eine gute Figur zu machen, kommen die Kölner Voltigierer aus dem Team Norka zur Not auch ohne Pferd aus. Das zeigten sie in der vergangenen Woche, als sie in der Kaiserstadt für eine Werbeaktion in ihrem blauen Wettkampfanzügen posierten. Vor Dom, Rathaus und Tivoli zeigten die sechs Pferdeakrobaten Handstände, Sprünge und Hebefiguren – noch ohne ihren Star, Wallach Ecuador, auf dem sie in dieser Woche bei der Aachener Reit-Weltmeisterschaft antreten: als Titelverteidiger und Favoriten.
Als größter Konkurrent der Kölner gilt die Mannschaft aus Frankreich. „Wir wollen unsere beste Leistung bringen und natürlich vorn dabei sein“, sagt Norka-Trainer Torben Jacobs, der früher war Spitzenvoltigierer und heute als Assistenzarzt für innere Medizin im Klinikum Leverkusen arbeitet.
Zum Team Norka gehören Bela Lehnen, Yara Jolie Scheel, Philipp Goroncy, Larina Herpertz, Fabio Ring und Gianna und Marie Ronca. Alle sind Schüler oder Studenten trainieren beim Voltigierverein Köln-Dünnwald. Dass sie in Topform sind, zeigten sie Mitte Juni bei der letzten WM-Sichtung in Warendorf. Bereits in der Pflicht setzte sich die Mannschaft von der Konkurrenz ab, auch in der Kür überzeugte Norka. Für die Artistik vergab eine Richterin sogar die Höchstnote zehn. Die französischen Rivalen waren dort allerdings nicht am Start.
Die wichtigsten Teammitglieder der Kölner sind elfjährige Westfalenwallach Ecuador und Longenführerin Alexandra Knauf. „Ecki“, wie das hochbeinige Pferd genannt wird, hat alles, was es im Voltigieren braucht: Er ist kräftig, von ruhigem Temperament und galoppiert sehr harmonisch. „Er ist vorsichtiges Pferd, manchmal fast ein Angsthase. Aber er hat sehr großes Vertrauen in uns, er ist einfach eine gute Seele“, sagt Jacobs. Ecuador erhält regelmäßig starke Noten im Bereich der acht. Wobei die Pferdenote 25 Prozent der Gesamtwertung ausmacht.
Seit 2024 in Wettkämpfen aktiv
Entdeckt fürs Voltigieren haben das Pferd Knauf und Bundestrainer Kai Vorberg in der Gegend von Warendorf, als er fünfjährig war. Danach wurde er langsam an den Sport herangeführt. Seit 2024 ist er in Wettkämpfen aktiv. „Er hat eine ganz besondere Eignung als Voltigierpferd. Er ist ruhig, galoppiert gleichmäßig und freut sich, auf seine Jungs und Mädels, das ist tolle Grundlage, natürlich auch für die WM“, sagt Vorberg.
Ecuadors Training ist vielfältig. Voltigieren steht nur circa zweimal pro Woche auf dem Programm. Ansonsten wird ihm ausgeritten – oder es werden Dressurlektionen absolviert. „Die Galoppade“, erklärt Vorberg ähnle dem „versammelten Galopp in der Dressur.“ Und wenn ein Voltigierpferd zu viel beansprucht wird, verliert der Galopp die gewünschte Leichtigkeit. Deshalb ist Ausgewogenheit so wichtig.
Vorberg, gebürtige Kölner, der in Warendorf lebt, verbindet beste Erinnerungen mit Aachen. 2006, als dort zum ersten Mal eine Reit-WM veranstaltet wurde, gewann der heute 44-Jährige Gold im Einzel. Mit Pferd Picasso und seiner legendären Mozart-Kür zu „Amadeus“ von Falko. „Die Kür könnte ich noch im Schlaf aufführen“, scherzt Vorberg, denn führte die Kür danach unzählige Male bei Galaveranstaltungen auf. Picasso starb 2019 im Alter von fast 30 Jahren.
Auch der Kölner Thomas Brüsewitz mit Medaillenchance
Für Norka beginnt der Wettbewerb in Aachen am Donnerstag mit der Pflicht. Am Samstag folgt die Kür und damit die Entscheidung um den WM-Titel. Ebenfalls am Samstag fallen die Entscheidungen im Frauen- und Männer-Einzel, das Pas de Deux wird am Sonntag entschieden. Zum Abschluss steht der Nationenpreis auf dem Programm. Dabei treten pro Land eine Gruppe, für Deutschland das Team Norka, und zwei Einzelvoltigierer an.
Das Ganze stets vor einem traditionell sehr jungen und begeisterungsfähigen Publikum. Bei der WM wird nicht in der vom CHIO bekannten Albert-Vahle-Halle voltigiert, sondern vor rund 6500 Zuschauern im für die Weltmeisterschaft überdachten Stadion 3. Dort, wo sonst die Dressurwettbewerbe stattfinden, die diesmal im großen Reitstadion ausgetragen werden. Neben dem Team Norka haben auch der Kölner Thomas Brüsewitz und Norka-Mitglied Bela Lehnen im Herren-Einzel Medaillenchancen.

